Zentrale Fragen bleiben ungeklärt
In anderen zentralen Fragen gab es hingegen keine Lösungen. Die EVG sowie die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) fordern, dass künftig flächendeckend stets zwei Zugbegleiter in den Regionalzügen Tickets kontrollieren statt wie bisher oft nur einer. Hier wären auch die Aufgabenträger gefragt, die im Namen der Länder den Regionalverkehr in der Fläche organisieren und bestellen.
Eine konkrete Einigung dazu gab es bei dem Treffen nicht. Es sei das Ziel bekräftigt worden, die Personalpräsenz durch Doppelbesetzungen erhöhen zu wollen, sagte Minister Schnieder im Anschluss. «Die Frage ist, wie man das macht, in welchen Zügen man das macht, in welchen Zeiträumen man das macht.» Da gebe es unterschiedliche Modelle. Diese Fragen sollen demnach auf der anstehenden Verkehrsministerkonferenz im März erörtert werden.
EVG-Chef enttäuscht
«Die finanziellen Mittel dazu haben wir nicht, das muss ich ganz klar sagen», sagte Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter (CSU). Er verwies auf die stetig gestiegenen Kosten, die die Länder im öffentlichen Nahverkehr schultern müssten und forderte mehr Mittel vom Bund.
Entsprechend enttäuscht äußerte sich im Anschluss EVG-Chef Martin Burkert. Zwar seien Kernforderungen der Gewerkschaft aufgegriffen worden. Das zentrale Anliegen einer flächendeckenden Doppelbesetzung habe die Runde aber «negiert».
«Es ist, wie angenommen, wieder das Pingpong zwischen Bund und den Ländern», betonte der Vorsitzende. Er rief Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) dazu auf, sich in der Diskussion einzubringen. «Ich fordere eine Sonderkonferenz der Ministerpräsidenten, die sich dem Thema annehmen», sagte Burkert.
Mehr als 3.000 Angriffe im vergangenen Jahr
Die ganze Diskussion sei ein Prozess, der mit dem heutigen Termin begonnen habe, betonte wiederum der Präsident des Verbands Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV), Ingo Wortmann, im Anschluss an das Treffen. «Wir brauchen einen kontinuierlichen Austausch der beteiligten Institutionen, um vereinbarte Maßnahmen dauerhaft zu evaluieren und weiterzuentwickeln.» Der Verband machte auch Vorschläge für eine bundesweit einheitliche Aufbewahrungsfrist von Videoaufzeichnungen bis zu 30 Tagen zur besseren Aufklärung von Vorfällen.
Den Angaben der Bahn zufolge kam es im vergangenen Jahr zu insgesamt rund 3.000 körperlichen Übergriffen auf Beschäftigte des eigenen Konzerns. Das war zwar ein leichter Rückgang im Vergleich zum Jahr davor. Die EVG betonte, dass sich das Sicherheitsgefühl innerhalb der Belegschaft deutlich verschlechtert habe und verweist auf eine eigene Umfrage unter rund 4.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aus dem vergangenen Jahr.