Ein Schweizer Linienbus brennt völlig aus. Sechs Menschen sind tot, fünf teils schwer verletzt. Der mutmaßliche Brandstifter war vor dem Inferno von einer Klinik als vermisst gemeldet worden.
Das tödliche Feuer in einem Schweizer Linienbus ist nach Angaben der Behörden mutmaßlich von einem psychisch labilen Mann ausgelöst worden. Die Tat habe keinen ideologischen Hintergrund, so die Polizei. Bei dem Inferno in Kerzers in der Nähe von Bern starben sechs Menschen, fünf Personen wurden verletzt.
Der mutmaßliche Brandstifter sei mit Säcken in der Hand in den Bus eingestiegen und habe sich nach Angaben von Zeugen eigenartig verhalten, sagte Generalstaatsanwalt Raphaël Bourquin in einer Pressekonferenz. Plötzlich habe sich der Schweizer mit einer entflammbaren Flüssigkeit übergossen und angezündet. Die Behörden bestätigten am Abend, dass der 65-jährige Mann unter den Todesopfern ist, wie die Nachrichtenagentur Keystone-SDA meldete.
Die Ermittler stehen laut Bourquin in Kontakt mit der Familie des Mannes. Er werde als Person beschrieben, die am Rande der Gesellschaft gelebt habe und psychisch gestört gewesen sei, sagte Bourquin.
Polizei: Klinik meldete Mann als vermisst
Der mutmaßliche Brandstifter sei zuvor eher im medizinischen Bereich als im Bereich der Strafverfolgung bekannt gewesen, erklärte der Staatsanwalt. Eine Klinik im Kanton Bern habe den Mann einige Stunden vor dem Brand als vermisst gemeldet, berichte die Berner Kantonspolizei dem Sender SRF. Eine Suche sei eingeleitet worden, und die Polizei habe eine Fremd- oder Selbstgefährdung abgeklärt. Kontakte mit Verwandten und Bezugspersonen hätten aber keine Hinweise auf eine Gefährdung ergeben, hieß es.
Die Behörden schließen einen terroristischen Hintergrund aus, hieß es bei der Pressekonferenz, an der Vertreter des Kantons, der Polizei und der Justiz teilnahmen.
Beklemmende Bilder und Aussagen von Augenzeugen
Schweizer Medien wie «Blick» und «20 Minuten» verbreiten mutmaßliche Augenzeugen-Videos von dem Inferno. Die Aufnahmen sind beklemmend. Eines der Videos zeigt, wie der Bus an einem Zebrastreifen in Kerzers steht. Zunächst steigt dunkler Rauch aus dem Fahrzeug in den Abendhimmel. Dann flackern auch Flammen auf. Aus einer anderen Perspektive ist zu sehen, dass das Feuer zunächst offenbar in der Mitte des Busses loderte. In einer weiteren Aufnahme brennt bereits das ganze Fahrzeug lichterloh. Die Videos konnten nicht unabhängig verifiziert werden.
«Alles ging so schnell - und dann stand binnen Augenblicken alles in Flammen», sagte ein Zeuge, dessen Autowerkstatt unweit des Unglücksortes liegt. «Von der Hitze explodierten sogar die Reifen und flogen bis zu 200 Meter weit», erzählte er der Zeitung «Blick».