Milliardenschwerer Hackerangriff auf Kryptobörse Binance

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Binance ist die größte Börse für Digitalwährungen. (Symbolbild)
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Fernando Gutierrez-Juarez/dpa

Nach dem historischen Krypto-Hack bei Binance stellt sich die Frage nach den Hintergründen, den Folgen für die Märkte und der Sicherheit von Digitalbörsen. Die wichtigsten Antworten.

Nach dem historischen und milliardenschweren Hackerangriff auf die Kryptobörse Binance steht die gesamte Krypto-Branche unter Schock. Hier sind die wichtigsten Antworten zu den Hintergründen des Rekord-Hacks, den betroffenen Werten, den mutmaßlichen Tätern und den Konsequenzen für die Märkte. 

Was ist Binance überhaupt und was ist eine Kryptobörse? 

Eine Kryptobörse ist ein digitaler Marktplatz, auf dem Nutzer Kryptowährungen wie Bitcoin, Ethereum oder sogenannte Stablecoins kaufen, verkaufen und untereinander tauschen können - ähnlich wie an einer klassischen Wertpapierbörse für Aktien. Binance ist mit Abstand die weltgrößte Plattform dieser Art, auf der täglich Transaktionen im Milliardenwert abgewickelt werden. Das Unternehmen verwaltet die digitalen Vermögenswerte von Millionen von Kundinnen und Kunden weltweit. 

Was ist bei Binance passiert? 

Nach Angaben der Börse und von Analysefirmen kam es zu einer beispiellosen Hackerattacke. Schätzungsweise 6,3 Milliarden Dollar (rund 5,63 Milliarden Euro) wurden entwendet. Nach Angaben von Krypto-Analysten waren unter den gestohlenen Werten neben klassischen Kryptowährungen wie Bitcoin und Ethereum vor allem sogenannte Stablecoins (wie Tether und USD Coin) betroffen, deren Wert an traditionelle Währungen gekoppelt ist. Binance reagierte sofort und setzte sämtliche Ein- und Auszahlungen vorübergehend aus. 

Wie ist der aktuelle Status der Coins? 

Binance versicherte, dass die Guthaben der Nutzer «sicher» seien und alle Verluste ausgeglichen würden. Mit Hilfe von Partnern und Stablecoin-Herausgebern gelang es zudem, gestohlene Einheiten im Wert von rund drei Milliarden Dollar einzufrieren. Dennoch halten die Angreifer nach Analysen der auf Krypto-Analysen spezialisierte Firma TRM Labs noch immer Kryptowährungen im Wert von etwa 2,4 Milliarden Dollar, auf die Binance keinen Zugriff hat. Über die verbleibende Summe konnten die Forscher keine Angaben machen. 

Wer steckt hinter dem Angriff? 

TRM Labs schreibt die Tat nordkoreanischen Hackern der Gruppe TraderTraitor zu. Die Angreifer sollen einen Großteil der Summe innerhalb von nur 20 Minuten bewegt haben, um behördlichen Sperren zuvorzukommen. Dieselbe Gruppe war Anfang 2025 bereits für den bisherigen Negativrekord beim Hack der Börse Bybit mit einer Beute von rund 1,5 Milliarden Dollar verantwortlich gemacht worden. 

Wie konnten die Hacker in das Netz von Binance eindringen? 

Erste interne Untersuchungen von Binance deuten darauf hin, dass der Angriff möglicherweise über den kompromittierten Laptop eines Ingenieurs aus der Entwicklungsabteilung von Binance seinen Ausgang nahm. Von diesem Gerät aus könnten Angreifer Zugriff auf einen Service-Rechner erlangt und unautorisierte Auszahlungstransaktionen ausgelöst haben. Binance betonte jedoch, dass es bislang keine Hinweise auf ein Leck bei den privaten Wallet-Schlüsseln gibt. Stattdessen wird untersucht, wie die Signierinfrastruktur manipuliert werden konnte, um unberechtigte Transaktionen zu ermöglichen. Genauere technische Details sollen nach Abschluss der forensischen Analysen veröffentlicht werden. 

Wie ordnet sich der Hack im Vergleich zu früheren Vorfällen ein? 

Mit einer Beute von rund 6,3 Milliarden Dollar handelt es sich um den mit Abstand größten Hackerangriff auf eine Kryptobörse in der Geschichte der Digitalwährungen. Er stellt bisherige Rekorde weit in den Schatten. Zum Vergleich: Erst Anfang 2025 waren bei dem Angriff auf die Börse Bybit rund 1,5 Milliarden Dollar erbeutet worden. Zu den Großangriffen der Krypto-Geschichte zählt auch der berüchtigte Hack der japanischen Börse Mt. Gox im Jahr 2014, bei dem damals rund 850.000 Bitcoins (heute ein Vielfaches wert, damals etwa 450 Millionen Dollar) entwendet wurden und der schließlich zur Insolvenz der Börse führte. 

Wie haben die Kryptomärkte reagiert? 

Die Nachricht löste am Kryptomarkt sofort Panik und deutliche Kursverluste aus. Bitcoin fiel zeitweise unter die Marke von 77.000 US-Dollar auf den tiefsten Stand seit rund sechs Wochen. Auch andere wichtige Digitalwährungen sowie der Binance-eigene Token BNB gaben spürbar nach. Der abrupte Absturz führte im Zuge von Zwangsschließungen zudem zu millionenschweren Liquidierungen von gehebelten Handelspositionen an den Derivatemärkten. 

Wie seriös ist die Kryptobörse Binance? 

Der Vorfall wirft ein Schlaglicht auf die intransparente Firmenstruktur von Binance, die ohne festen Hauptsitz agiert und behördliche Kontrollen erschwert. Insbesondere in Europa steht die Börse massiv in der Kritik, weil sie weiterhin Kunden bedient, obwohl sie über keine Lizenz nach der EU-Kryptoverordnung MiCA verfügt. 

Welche Rolle spielt Binance-Gründer Changpeng Zhao in dieser Krise

Changpeng Zhao (oft einfach «CZ» genannt), der Gründer und prägende Kopf hinter Binance, steht nach dem Vorfall erneut im Zentrum der weltweiten Aufmerksamkeit. Obwohl er sich nach früheren US-Regulierungsskandalen und einem Schuldbekenntnis formal vom operativen Chefposten zurückgezogen hatte, bleibt er als Haupteigner und Symbolfigur der unumstrittene Lenker des Unternehmens. In der aktuellen Krise trat Zhao umgehend auf der Online-Plattform X auf, um die Nutzer zu beruhigen, die Sicherheit der Guthaben zu betonen und den vollständigen Ausgleich aller Verluste zu versprechen. Kritiker werfen ihm und der Unternehmensführung jedoch vor, dass die intransparente Konzernstruktur und teils mangelhafte Sicherheitsvorkehrungen den historischen Großangriff erst begünstigt haben könnten.