Was im Einzelnen die Ursachen für einen tödlichen Badeunfall sind, ist von Fall zu Fall verschieden. Oft spielt überraschend der Körper nicht mit und der Schwimmer kann sich aus eigener Kraft nicht mehr retten. Dass Faulgase am Ertrinken eines Vaters und dessen Tochter vor zwei Wochen in Trebgast schuld sein könnte, hält der bayerische DLRG-Sprecher Michael Förster für unwahrscheinlich. "Es kommt schon vor, dass solche Gase aufsteigen. Aber es ist fraglich, dass sie jemand umbringen."

Vor dem Baden die Gefahren einschätzen

So oder so sei eines klar: "Es trifft einen unvorbereitet." Deshalb sei es ein nützlicher Grundsatz, sich vor dem Baden ein paar Gedanken und Folgendes bewusst zu machen: Welche Gefahren könnte das jeweilige Gewässer in sich bergen und welche Gefahren ganz speziell für mich selbst? Wie kalt kann das Wasser im See oder Fluss sein? Wie tief ist es? Gibt es eine Strömung? Wie und wo komme ich aus dem Wasser wieder heraus? Diese Überlegungen können laut DLRG lebenswichtig sein. "Offene Gewässer wie Flüsse und Seen sind im Gegensatz zur Badeanstalt auf jeden Fall gefährlicher", sagt Förster. "Die meisten Badestellen an Naturgewässern sind nicht bewacht, während es im Freibad Aufsichtskräfte gibt. Dafür zahlt man ja auch Eintritt."

Kälteschock kann zu Bewusstlosigkeit führen

Als Hauptgefahren nennt der DLRG-Sprecher neben den Strömungen in Flüssen grundsätzlich die schlecht einschätzbare Wassertemperatur an Naturgewässern sowie die eingeschränkte Sicht. "Wenn man erhitzt in unerwartet kaltes Wasser hineinspringt kann man einen Kälteschock erleiden. Der kann zur Bewusstlosigkeit führen." Während man im Freibad in jedem Becken bis auf den Grund hinunterschauen und sehen könnte, ob jemand in Not geraten oder untergegangen ist, bieten Naturgewässern kaum Sicht. Im zumeist trüben Wasser sieht man nur ein, zwei Meter weit. Und weil an Freigewässern oft weniger Besucher sind als im Freibad, gibt es generell weniger Beachtung an einem Strand allein als im vollen Becken.

Sieben Menschen in Franken ertrunken

Im vergangenen Jahr sind in Bayern nach Feststellung der DLRG 94 Menschen ertrunken, darunter 20 in Franken. Das seenreiche Oberbayern ist von den bayerischen Regierungsbezirken alljährlich derjenige mit den meisten Ertrinkungsfällen. Heuer sind in Bayern bisher zwölf Menschen ertrunken. Sieben davon allein in Franken. "Da die Badesaison gerade erst anfängt, sollte man aus diesen Zahlen aber noch keinen Trend für das ganze Jahr 2020 ableiten", sagt DLRG-Sprecher Förster. Die Örtlichkeiten der Ertrinkungsunfälle in Franken umfassen Seen, Teiche, Flüsse und Bäche gleichermaßen, im Ausnahmefall auch Kanäle.

Richtiges Verhalten kann Leben retten

Einige Verhaltensregeln legt Förster Badegästen an Freigewässern besonders ans Herz: Zuerst abfrischen, nicht alleine schwimmen gehen, nicht zu weit hinaus schwimmen, die eigene Schwimmfähigkeit und Entfernungen richtig einschätzen.

Im Gegensatz zu Schwimmbädern gibt es an natürlichen Gewässern keine tägliche Überprüfung der Wasserqualität. Auch sind häufig kein Bademeister oder sonstiges Hilfspersonal anwesend. Das Baden in Seen oder Flüssen erfordert deshalb mehr Risikobewusstsein und Eigenverantwortung. Die DLRG und das Bayerische Landesamt für Gesundheit haben einige Regeln zusammengestellt:

Weitere Tipps fürs Baden an Freigewässern

Nur an bewachten Badestellen und nicht alleine schwimmen gehen.

Badestellenkennzeichnung Eine rot-gelbe Flagge am Mast einer Wachstation zeigt ein gekennzeichnetes Badegebiet an, das von Rettungsschwimmern gesichert wird. Eine zusätzlich am Mast der Wachstation gesetzte gelbe Flagge signalisiert gefährliche Bedingungen. Weht darüber hinaus ein orangener Windsack am Mast, rät die DLRG, auf die Benutzung von aufblasbaren Freizeitgeräten zu verzichten. Eine einzelne rote Flagge wird bei akuten Gefahrenlagen gesetzt, Schwimmen kann dann lebensgefährlich sein.

Flüsse bergen durch ihre Strömung immer ein erhöhtes Gefahrenpotenzial. Im Fluss schwinden durch kaltes Wasser schnell die Kräfte und an steilen, bewachsenen Ufern kann man sich oft nicht mehr ans Land retten. Nie in einen Fluss gehen, der Hochwasser führt (braunes Wasser, hohe Fließgeschwindigkeit). Treibgut, Strömungen und Brückenpfeiler sind tödliche Risiken. Nicht in einen Fluss hineinspringen, nur vorsichtig hineingehen.

Nichtschwimmer und unsichere Schwimmer gehen am besten nur bis zum Bauch ins Wasser. Nicht alleine schwimmen gehen. Zuerst immer abfrischen. In Seen und Teichen bestehen Gefahren in Form von steil abfallenden Ufern, Wasserpflanzen oder Unrat. Auch Kiesgruben (mit Bagger), deren Ufer abrutschen können, sind risikoreich.

Bei Gewitter raus aus dem Wasser!

Wasserspielzeug kann leicht kaputt gehen - Kinder haben dann nichts mehr zum Festhalten.

Vorsicht ist geboten an Stellen mit Zuflüssen oder großen Ansammlungen von Wasservögeln.

Kinder nicht unbeaufsichtigt lassen.

Alkohol ist beim Baden tabu.

Sprünge in Wasser, dessen Tiefe man nicht sicher kennt: bitte nicht! Ein Sprung ins flache Wasser kann unter anderem zu Knochenbrüchen, Verletzungen der Wirbelsäule oder des Schädels führen.

Nicht baden , wenn die Sichttiefe eingeschränkt oder das Gewässer getrübt ist. Als Anhaltspunkt kann dienen, dass die Füße noch erkennbar sein sollen, wenn man bis zur Hälfte im Wasser steht.

Trübes Wasser deutet nicht nur auf eine Verschmutzung hin, sondern erschwert auch Rettungsmaßnahmen im Notfall. Bläulich-grünliches Wasser ist ein Hinweis auf Blaualgen. Dann sollte man weder baden noch Kleinkinder am Ufer planschen lassen.

Hinweisschilder und Badeverbote am Gewässer beachten.

Müll , etwa Glasscherben, am Ufer sowie am Grund des Sees oder Flusses kann zu Schnitt- und Risswunden führen.

Unterkühlung droht bei zu niedrigen Wassertemperaturen. Selbst bei Hitze dauert es ein paar Tage, bis das Wasser "durchgewärmt" ist.

Das Herz wird bei einem Sprung in kaltes Wasser belastet, weil sich die Gefäße zusammenziehen und das Blut auf einmal zum Herzen pumpen. Auch wenn kaltes Wasser aufs Gesicht trifft, sinken Herzfrequenz und Blutdruck schnell und manchmal sehr stark. Das ist zwar in seltensten Fällen tödlich, aber ein Sprung ins kalte Wasser kann zu Rhythmusstörungen, Verlust der Orientierung oder Bewusstlosigkeit führen.

Ein voller Magen macht Bewegungen im Wasser langsamer und könnte zu Übelkeit führen. Ein leerer Magen kann zu einem Schwächeanfall führen.