Mit seinem Schmähgedicht gegen den türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan hat Jan Böhmermann für großen Wirbel gesorgt. Wochenlang zog sich der ZDF-Moderator aus dem Fernsehen zurück, seine Sendung "Neo Magazin Royale" ging in die Sommerpause.

Nun ist Jan Böhmermann wieder zurück: Am Donnerstag wird er wieder auf Sendung sein und viele werden diese Ausgabe mit Spannung verfolgen. Sein erster Studiogast nach dem "Schmähgedicht" ist Linke-Politiker Gregor Gysi.

Das "Neo Magazin Royale" ist vorab in der Mediathek, anschließend auf ZDFneo (22.15 Uhr ) zu sehen. Am Freitag wird die Sendung im ZDF zu sehen sein (0.00 Uhr)


Gysi kritisiert das Schmähgedicht

Gregor Gysi  hat den TV-Satiriker Jan Böhmermann (35) für dessen Schmähgedicht über den türkischen Präsidenten kritisiert. Er habe das Gedicht über Recep Tayyip Erdogan gelesen und finde es "nicht witzig", sagte Gysi vor seinem Auftritt in Böhmermanns ZDF-Show "Neo Magazin Royale" der "Freien Presse" (Donnerstag). Es würden viele Vorurteile bedient, sagte Gysi. "Das ärgert mich. Es ist eine Schmähkritik."

Über die erste Folge der Satire-Show seit rund einem Monat sagte der Politiker der "Bild" nach der Aufzeichnung: "Es ist eine schöne Jugendsendung. Die Witze darin waren so teils, teils." Böhmermann hatte zuvor angekündigt, diesmal nur Witze von Zuschauern vorzutragen. In Anspielung auf den Strafrechtsparagrafen 103 hatte er dafür 103 Euro ausgelobt. Erstmals ausgestrahlt werden sollte die neue Ausgabe der Sendung am Donnerstag um 22.15 Uhr auf ZDF Neo.


Keine Witze über Erdogan

Witze über Erdogan gibt es darin laut Gysi nicht. Das strittige Erdogan-Gedicht von Ende März sei rechtlich gesehen eine Beleidigung, sagte der promovierte Jurist der "Freien Presse" weiter. Er sei zwar ein Verfechter der Kunstfreiheit. "Aber man sollte sie auch nicht missbrauchen. Jan Böhmermann hätte das so nicht sagen müssen."

Derweil berät fer Bundestag berät heuteüber Anträge der Opposition zur Streichung von Beleidigungsparagrafen, die ausschließlich Staatsoberhäupter und Politiker schützen. In erster Lesung geht es um einen Gesetzentwurf der Grünen, der die Bestrafung bei einer Beleidigung ausländischer Staatsoberhäupter (Paragraf 103) abschaffen will.

Ein weiterer Antrag der Linken verlangt auch die Streichung des Paragrafen zur Bestrafung der Verunglimpfung des Bundespräsidenten und der üblen Nachrede gegen Personen des politischen Lebens. Entschieden wird über die Anträge noch nicht.



In der Bundestagsberatung über die geplante Abschaffung des besonderen Schutzes ausländischer Staatsvertreter vor Beleidigung hat ein CDU-Abgeordneter mit einem Zitat des umstrittenen Schmähgedichts von Jan Böhmermann für Unmut im Parlament gesorgt. Detlef Seif (CDU) verlas am Anfang seiner Rede am Donnerstag das komplette Gedicht des Satirikers, das für diplomatische Verwicklungen sorgte und inzwischen die Justiz beschäftigt. Bundestagsvizepräsidentin Edelgard Bulmahn (SPD) mahnte, sie bitte "zu berücksichtigen, dass wir im deutschen Parlament sind und dass man auch bei Zitaten dieses nicht völlig vergessen sollte".
Das Verlesen des kompletten Gedichts war zuvor auch von anderen Abgeordneten kritisiert worden. Renate Künast (Grüne) sagte in ihrer Rede an Seif gerichtet, sie frage sich, was ihn "geritten" habe, es vorzulesen. Sie halte das Gedicht weder für klug noch besonders kunstvoll, es sei aber eingebettet in einen Satirebeitrag und daher nicht nur einzeln zu betrachten. Der SPD-Abgeordnete Christian Flisek sagte, Seif hätte sich "das Zitat sparen können".

Das Parlament beriet in erster Lesung über Anträge der Opposition über eine sofortige Abschaffung des Paragrafen 103 im Strafgesetzbuch, der Beleidigung ausländischer Staatsvertreter ahndet. In den Fokus gerückt war die Regelung, nachdem der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan auf dieser Grundlage Ermittlungen gegen den ZDF-Satiriker Böhmermann wegen eines Schmähgedichts verlangt hatte und die Bundesregierung die dafür nötige Ermächtigung erteilte. Gleichzeitig kündigte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zwar auch die Abschaffung des Paragrafen an, aber erst mit Wirkung zum Jahr 2018.