Der Countdown zur EM 2016 läuft. Mit Spannung erwartet die Fußball-Welt die Bekanntgabe des vorläufigen Kaders der Nationalelf. Am Dienstag, 17. Mai 2016 gibt Bundestrainer Joachim Löw seinen vorläufigen Kader für die Fußball-Europameisterschaft 2016 vom 10. Juni bis 10. Juli bekannt.

Ein Grundgerüst steht, doch noch gibt es viele Fragezeichen. Auch der ein oder andere Überraschungskandidat dürfte sich in die Notizbücher von Löw und seinem Co-Trainer Thomas Schneider gespielt haben. "Manchmal kann ein Überraschungsmoment durchaus taktisch sinnvoll sein und Energie für das gesamte Mannschaftsgefüge freisetzen. Wir beobachten viele Spieler, befassen uns intensiv mit ihnen", befeuerte Löw selbst kürzlich die Gerüchteküche. Es könne "locker sein", dass ein, zwei Spieler, "die bisher noch nicht so im Fokus stehen", dabei sind, sagte Löw.

Es wird erwartet, dass Löw am Dienstag mehr als die zulässigen 23 Spieler nominiert, die er dann am 7. Juni mit ins EM-Stammqartier nach Évian-les-Bains am Genfer See nehmen darf. Erst am 30. Mai muss Löw seinen endgültigen 23-Mann-Kader bei der Europäischen Fußball-Union (UEFA) melden.
Auf welche Säulen baut Löw für seine EM-Titelmission? Wer zählt zum erweiterten Stamm? Wird Schweinsteiger rechtzeitig fit? Wer kann den verletzten Ilkay Gündogan ersetzen? Welche Kandidaten können sich noch berechtigte Hoffnungen machen, auf den EM-Zug aufzuspringen? Wer steht auf der Streichliste und muss sich das Turnier vorm Fernseher anschauen? InFranken.de wagt eine Prognose:


Diese Spieler sind sicher bei der EM 2016 dabei

Manuel Neuer (30 Jahre, 64 Länderspiele, 0 Tore): Keine Frage, Manuel Neuer (FC Bayern München) ist die Nummer eins im deutschen Kasten und über jeden Zweifel erhaben. Der Weltmeister von 2014 brachte schon reihenweise gegnerische Stürmer aus aller Herren Länder zur Verzweiflung. Nur eine schwere Verletzung könnte Löw zum Handeln auf dieser Position zwingen.

Mats Hummels (27 J./46/4): An Mats Hummels (Borussia Dortmund) führt in der Innenverteidigung kein Weg vorbei - auch nicht für den Bundestrainer. Der 27-Jährige, dessen Wechsel zum FC Bayern am Dienstag offiziell bestätigt wurde bildete mit dem zurückgetretenen Per Mertesacker (FC Arsenal) schon bei der WM 2014 in Brasilien ein gut funktionierendes Innenverteidigerpärchen, gilt als zweikampf- und spielstark und wird aller Voraussicht nach zu Löws Stammspielern bei der EM in Frankreich zählen.

Jérôme Boateng (27 J./57/0): Der Abwehrchef Jérôme Boateng (FC Bayern München) wurde glücklicherweise noch rechtzeitig fit und wird bei der EM 2016 sicher dabei sein. In Brasilien noch überwiegend als Rechtsverteidiger eingesetzt, könnte der 27-Jährige bei der EM die WM-Rolle von Mertesacker einnehmen und gemeinsam mit seinem künftigen Teamkollegen Hummels die zentrale Verteidigung bilden. Zur Not kann Boateng auch wieder die Rolle rechts in einer Viererkette übernehmen.

Toni Kroos (26 J./64/11): Seit Jahren spielt Ex-Bayern-Profi Toni Kroos (Real Madrid) eine tragende Rolle im Löwschen System. In Frankreich wird der Taktgeber im Mittelfeld wohl wichtiger denn je - denn mit Gündogan fällt bereits ein wichtiger Akteur für die Position im defensiven Mittelfeld aus. Und ob Bastian Schweinsteiger zum Turnierstart schon wieder im Vollbesitz seiner Kräfte ist, bleibt abzuwarten. Kroos wird demnach wohl im defensiven Mittelfeld eingeplant - auch wenn der 26-jährige Freistoßspezialist natürlich auch weiter vorne eingesetzt werden kann. Löws Experiment im Testspiel gegen Italien, Kroos neben Mesut Özil auf der Doppelsechs auflaufen zu lassen, könnte bei der EM Schule machen, falls Schweinsteiger tatsächlich nicht spielen kann.

Marco Reus (26 J./29/9): Der Pechvogel von 2014: Marco Reus (Borussia Dortmund) verpasste das letzte große Turnier und brennt darauf, es bei der EM 2016 jetzt allen zu zeigen. Ein Teilriss im Syndesmoseband bremste den spielstarken Flügelspieler vor zwei Jahren aus. In Frankreich könnte der Dortmunder sogar zum Stammspieler auf der linken Seite avancieren. Vor den Konkurrenten Andre Schürrle, Julian Draxler und/oder Lukas Podolski braucht Reus sich nicht zu verstecken.

Mesut Özil (27 J./72/19): Auch wenn Mesut Özil (FC Arsenal) immer mal wieder in der Kritik steht: Er war, ist und wird auch bei der Europameisterschaft eine zentrale Rolle im deutschen Spiel einnehmen. Der England-Legionär ist variabel einsetzbar, kann auf den Flügeln, auf der Sechs oder zentral hinter der oder den Spitze(n) eingesetzt werden. Mit 72 Länderspielen zählt Özil inzwischen auch zu den erfahreneren Spielern im EM-Aufgebot und ist einer, der eine Partie im Notfall auch mal mit einer überraschenden Einzelaktion entscheidend beeinflussen kann.

Thomas Müller (26 J./70/31): Sein EM-Ticket sicher hat natürlich auch Thomas Müller (FC Bayern München). Der Torschützenkönig der WM 2010 wird auch 2016 seinen Platz in Löws Team finden, egal ob Müller am Ende rechts auf dem Flügel, auf der Zehn oder ganz vorne aufläuft - der Bundestrainer kann es sich nicht leisten, auf den torgefährlichsten Nationalspieler der letzten Jahre zu verzichten. Bei der WM 2010 traf der schlitzohrige Münchner fünf Mal, in Brasilien ebenso. Jetzt sollen auch bei der Europameisterschaft ein paar Tore dazukommen.

Mario Götze (23 J./50/17): Nach einer für ihn persönlich enttäuschenden Bundesligasaison, wird bei Mario Götze (FC Bayern München) die Vorrfreude auf die EM besonders groß sein. Unter Bundestrainer Löw "Super Mario" bei der Nationalelf stets gesetzt, erzielte 2014 im Finale gegen Argentinien das Weltmeistertor und machte sich damit bereits unsterblich. Von Bayern-Trainer Pep Guardiola selten eingesetzt, ist Götzes Zukunft beim deutschen Rekordmeister allerdings ungewiss. Die Gerüchte um eine Rückkehr zum BVB halten sich hartnäckig. Bleibt zu hoffen, dass Götzes ungeklärte sportliche Zukunft keinen negativen Einfluss auf seine Leistung im deutschen Trikot hat und er in der DFB-Wohlfühlatmosphäre zu gewohnter Stärke findet.

Sami Khedira (29 J./58/5): Sami Khedira (Juventus Turin) laboriert derzeit an einer Wadenzerrung und verpasst somit verletzungsbedingt das Saisonfinale in der italienischen Serie A. Juve steht allerdings bereits vor dem letzten Heimspiel als Meister fest - insofern ist der Ausfall für die "Alte Dame" verkraftbar. Größere Sorgen bereitet Khediras Verletzung dem Bundestrainer. Doch auch wenn Löws Sechser den Start in die EM-Vorbereitung wohl verpasst, die EM scheint - Stand jetzt - nicht in Gefahr zu sein. Das ist auch gut so, denn obwohl Khedira nicht mit einer Stammplatzgarantie rechnen kann, könnte er - vor allem bei einem langen Turnier - noch eine Schlüsselrolle im DFB-Team einnehmen.


Diese Spieler gehören wahrscheinlich zum deutschen EM-Kader 2016


Benedikt Höwedes (28 J./32/2): Rechtzeitig zur EM meldet sich auch Benedikt Höwedes (FC Schalke 04) zurück. Der Schalker Kapitän war drei Monate mit einem Muskelfaserriss außer Gefecht, kommt in dieser Saison nur auf 14 Bundesligaspiele. Dennoch wird Höwedes ziemlich sicher mit nach Frankreich fahren. Seine Stärke ist die Vielseitigkeit, Höwedes kann alle Positionen in der Viererkette übernehmen, ist ein erfahrener und konstanter Abwehrspieler und Löw weiß, was er an dem 28-Jährigen hat. Bei der WM 2014 avancierte Höwedes, etwas überraschend, zum Dauerbrenner hinten links, verpasste keine Minute und bereitete einen Treffer gegen Ghana vor. Höwedes könnte erneut ein wichtiger Spieler für die DFB-Elf werden.

Shkodran Mustafi (24 J./10/0): Die EM 2016 ist für Shkodran Mustafi (FC Valencia) nach der Weltmeisterschaft in Brasilien erst das zweite große Turnier. Er gilt als relativ sicherer EM-Fahrer, die Chancen auf einen Stammplatz sind dagegen nicht allzu groß, zu stark ist die Stamminnenverteidiung im deutschen Team. Bei einer Verletzung oder einer Sperre wäre Mustafi aber erster Ersatzmann für die Innenverteidigung. Auch könnte Mustafi rechts in der Viererkette zum Einsatz kommen und ist ein heißer Kandidat, wenn Löw - wie im Test gegen Italien - mit einer Dreierkette spielen lässt.

Jonas Hector (24 J./12/1): Der Linksverteidiger (1. FC Köln) gilt als ein Liebling von Joachim Löw. Hector debütierte am 14. November 2014 gegen Gibraltar im DFB-Dress und wurde in der EM-Quali häufig als Linksverteidiger eingesetzt. Hier könnte er auch während der EM spielen, anderer Optionen auf dieser Position wie die Dortmunder Marcel Schmelzer und Erik Durm scheinen bei Löw nicht das Standing eines Jonas Hector zu haben - auch wenn das nicht für jeden nachvollziehbar ist. Denkbar ist, dass Löw bei stärkeren Gegnern lieber auf eine defensivere Variante mit Höwedes setzt. Ansonsten könnte Hector, der sich auch im defensiven und linken Mittelfeld wohl fühlt, die Nase vorne haben.

Emre Can (22 J./5/0): Emre Can (FC Liverpool) war ein Wackelkandidat, doch nach dem Gündogan-Ausfall ist seine Nominierung deutlich wahrscheinlicher geworden. Grund: Unter Jürgen Klopp spielt Can überwiegend im Mittelfeld und genau hier drückt der Schuh im DFB-Team. Außerdem gilt Löw als Fan vielseitig einsetzbarer Spieler und Can verkörpert mit seine Flexibilität genau das. In seinen bisherigen Länderspielen kam der 22-Jährige als Außenverteidiger zum Einsatz, hinten rechts kann sich Can sogar Chancen auf einen Stammplatz ausrechnen, sollte er nicht wider Erwarten im defensiven Mittelfeld gebraucht werden.

Bastian Schweinsteiger (31 J./114/23): Er wäre so wichtig, der Kapitän und Anführer. Nicht nur auf dem Platz, sondern auch als Persönlichkeit wäre ein Ausfall von Bastian Schweinsteiger (Manchester United) ein herber Verlust. Der Weltmeister von 2014 steckt noch mitten in der Rehabilitation nach seiner Innenbandverletzung. Einsatz bei der EM: ungewiss. Trotzdem wird "Schweini" ziemlich sicher zum vorläufigen Aufgebot von Löw gehören.

André Schürrle (25 J./50/20): "Mann, Mann, Mann, der Schürrle", seitdem Entertainer Klaas-Heufer Umlauf im Fußball-Talk auf Sport1 ordentlich über André Schürrle (VfL Wolfsburg) herzog, läuft es für den Wolfsburger wieder. Auch wenn sein Verein in der Bundesliga enttäuschte, trumpfte Schürrle seit der amüsanten TV-Schelte auf, erzielte seither sechs seiner sieben Saisontreffer. Schürrle wird wohl bei der EM dabei sein, hat aber auf seiner angestammten Position Marco Reus vor sich, der aktuell die Nase vorn haben dürfte. Als zusätzliche Alternative für den Angriff oder als belebendes Element von der Bank, bleibt der torgefährliche Schürrle dennoch eine wichtige Option für Löw.



Karim Bellarabi (26 J./10/1): Karim Bellarabi (Bayer 04 Leverkusen) hat gute Chancen auf ein EM-Ticket. Der Leverkusener ist lauf- und dribbelstark, fühlt sich auf beiden Flügeln wohl, kann sich in Eins-Gegen-Eins-Situationen durchsetzen und ist einigermaßen torgefährlich. Für die EM ist er vor allem eine Option gegen nominell schwächere Gegner oder als Einwechselspieler, falls Löw einen neuen Impuls setzen will.

Mario Gomez (30 J./62/26): Fast schon in der Versenkung verschwunden, ist Mario Gomez (Besiktas Istanbul) plötzlich wieder ein ernsthafter Kandidat für Löws Stammelf. 25 Treffer erzielte Gomez in der türkischen Süper Lig und traf zuletzt auch im DFB-Dress gegen England wieder das Tor. Als einziger "echter" formstarker Stürmer spricht momentan vieles für den ehemaligen Bundesligaspieler - jedenfalls wenn Löw nicht wieder auf einen falschen Neuner (Götze) oder einen eher hängenden Stürmer (Müller) setzt.


Die Teilnahme dieser Spieler an der EM 2016 ist unsicher


Marc-Andre ter Stegen (24 J./5/0): Der Kampf um die Nummer Zwei (und Drei) im deutschen Tor verspricht Spannung. Einer der aussichtsreicheren Kandidaten ist Marc-Andre ter Stegen (FC Barcelona). Ter Stegen hat bei Barca zwar keinen Stammplatz, im DFB-Team aber beste Chancen auf die Nummer Zwei, denn Löw setzt auf den ehemaligen Gladbacher. Im Vergleich mit den Konkurrenten scheint ter Stegen einen kleinen Bonus zu haben. Als Indiz gilt sein Einsatz über 90 Minuten im Testspiel gegen Italien.

Kevin Trapp (25 J./0/0): Der Ex-Frankfurter Kevin Trapp (Paris St. Germain) hat zwar noch kein Länderspiel bestritten, könnte aber trotzdem auf den EM-Zug aufspringen. Für Trapp spricht sein Stammplatz bei einem internationalen Spitzenklub, seine Präsenz und die Konstanz, gegen ihn die fehlende Erfahrung.

Bernd Leno (24 J./0/0): Ähnlich wie Kollege Trapp, verfügt auch Bernd Leno (Bayer 04 Leverkusen) über keinerlei Erfahrung in der A-Nationalelf, allerdings zeigte sich Leno zuletzt formstark und äußerst selbstbewusst. Als ehemaliger Stammtorhüter der deutschen U21 und Leverkusen-Stammkeeper verfügt der mitspielende Torwart zumindest über einige internationale Erfahrung.

Antonio Rüdiger (23 J./9/0): Antonio Rüdiger (AS Rom) könnte mit zur EM fahren, sicher ist die Teilnahme nicht. Zwar kann der 1,91 große athletische Innenverteidiger auch rechts hinten spielen und war auch bei den letzten Tests gegen England und Italien mit dabei. Doch Rüdiger gilt auch als unbeständig, hat immer mal einen kapitalen Schnitzer in seinem Spiel. Punkten kann der ehmalige Stuttgarter mit internationaler Erfahrung als Stammspieler in der Serie A und in der Champions League.

Sebastian Rudy (26 J./10/0): Auch für Sebastian Rudy (TSG 1899 Hoffenheim) spricht seine Flexibilität. Rudy kann auf der rechten Seite verteidigen oder im Mittelfeld defensiv, zentral oder rechts auflaufen. Bei der Nationalelf kann sich Rudy Hoffnungen auf den Platz rechts in der Viererkette machen, die nach dem Rücktritt von Philipp Lahm noch immer offen ist. Hier wurde Rudy von Bundestrainer Löw auch meist aufgestellt. Der Hoffenheimer streitet auf dieser Position mit Emre Can und Antonio Rüdiger um einen möglichen Stammplatz.

Marcel Schmelzer (28 J./16/0): Eine Teilnahme von Marcel Schmelzer (Borussia Dortmund) an der EM-Endrunde ist ungewiss. Zwar überzeugt der Linksverteidiger bei seinem Verein, konnte den Bundestrainer zuletzt offenkundig aber immer seltener von sich überzeugen. Hier scheint Jonas Hector die Nase vorne zu haben, auch Can und Höwedes sind Kandidaten.

Matthias Ginter (22 J./9/0): Matthias Ginter (Borussia Dortmund) darf zwar auf eine Nominierung hoffen, viel Einsatzzeit wird der Borusse aber wohl auch im Falle einer EM-Teilnahme nicht bekommen. Er kann zwar einige Positionen ausfüllen - unter anderem die umkämpfte Position des Rechtsverteidigers, hat aber zu viele stärkere Spieler vor sich.

Christoph Kramer (25 J./12/0): Im WM-Finale musste er benommen vom Platz, feierte am Ende aber ausgelassen den Weltmeistertitel. Christoph Kramer (Bayer 04 Leverkusen) war schon mal näher dran an einem Stammplatz in der Nationalelf, dennoch steht er wahrscheinlich in Löws Aufgebot.

Julian Draxler (22 J./17/1): Zwar hat Julian Draxler (VfL Wolfsburg) zuletzt gefehlt, doch hat der Dribbler in Diensten der Wölfe bereits wieder mit der Mannschaft trainiert und sollte für die EM einsatzbar sein. Jetzt muss er nur noch nominiert werden. Die Chancen stehen gut, Draxler könnte eine wertvolle Waffe sein, wenn er von der Bank ins Spiel kommt.

Lukas Podolski (30 J./127/48): Wirklich verwundern würde es wohl niemanden, wenn Lukas Podolski (Galatasaray Istanbul) bei der EM wieder mitmischen würde. Ob die Leistungen des (Flügel-)Stürmers dies rechtfertigen, darüber mag man streiten können. Doch Löw weiß, was er an Podolski hat: einen erfahrenen, verdienten Nationalspieler, der nicht nur auf, sondern auch nebem dem Platz eine wichtige Rolle spielen könnte.

Kevin Volland (23 J./6/0): Kevin Volland (TSG 1899 Hoffenheim) ist Stürmer, Stammkraft in der Bundesliga und allein aufgrund dieser Eigenschaften schon ein Thema für Joachim Löw. Eine Nominierung ist wahrscheinlich, immerhin kann Volland auch auf den Flügeln aushelfen und verkörpert einen Stürmertyp, den Löw sonst nicht im Kader hat.


Diese Spieler sind wahrscheinlich nicht im EM-Aufgebot von Jogi Löw

Ron-Robert Zieler (27 J./6/0): Zwar gilt Ron-Robert Zieler (Hannover 96) als ein Lieblingsschüler des Bundestrainers, doch spielten sich zuletzt andere, jüngere Torhüter in den erlesenen Kreis der Nationalelf. 59 Gegentore und der Abstieg seines aktuellen Vereins sind keine guten Empfehlungen für ein EM-Ticket. Für Zieler spricht einzig seine - wenn auch bescheidene - Länderspielerfahrung.

Robert Huth (31 J./19/2): Der ewige England-Legionär Robert Huth (Leicester City) darf sich seit kurzem englischer Meister nennen und war eine der Säulen der Meistermannschaft von Leicester City. Viele vergessen Huth, wenn sie an die Nationalelf denken - zu Unrecht, denn der beinharte Verteidiger war schon bei der WM 2006 im eigenen Land im DFB-Aufgebot; machte sogar ein WM-Spiel (3:0 gegen Ecuador) über 90 Minuten. Trotz guter Leistungen in der Premier League wird Löw Huth aber eher nicht in sein EM-Team holen.

Erik Durm (23 J./7/0): Erik Durm (Borussia Dortmund) hat aktuell keine großen Chancen auf ein EM-Ticket. In der Bundesliga kam Durm in der abgelaufenen Saison (auch verletzungsbedingt) lediglich auf 13 Partien, fehlte die gesamte Hinrunde. Dennoch ist Durm zumindest eine Option für den Bundestrainer, da die Formkurve nach oben zeigt und er auf beiden Außenverteidigerpositionen spielen kann.

Holger Badstuber (27 J./31/1): Zwar verfügt Holger Badstuber (FC Bayern München) über eine langjährige Vergangenheit im DFB-Team, allerdings kommt die EM für das Stehaufmännchen der Bundesliga nach seiner schweren Sprunggelenksverletzung wohl zu früh. Der Verteidiger brachte es in der Saison 2015/16 bislang nur auf 470 Bundesligaminuten für den FC Bayern.

Kevin Großkreutz (27 J./6/0): Schon bei der WM 2014 kam die Nominierung von Kevin Großkreutz (VfB Stuttgart) eher überraschend. Ohne eine Minute Einsatzzeit wurde der damalige Dortmunder Weltmeister. Gegenwärtig spricht aber nichts für eine EM-Teilnahme des Allrounders in Diensten des vom Abstieg stark bedrohten VfB, am wenigsten seine Leistung.

Lars Bender (27 J./19/4): Lars Bender (Bayer 04 Leverkusen) spielte unter Löw zuletzt keine Rolle mehr. Der 27-Jährige war zu oft verletzt und Vereinskollege Kramer scheint bei Löw bessere Karten zu haben.

Sven Bender (27 J./7/0): Auch für Sven Bender (Borussia Dortmund) bleibt die EM-Teilnahme wohl ein Traum. Der Dortmunder spielte in den Überlegungen von Löw ohnehin schon immer eine kleinere Rolle als sein Zwillingsbruder von der Werkself.

Daniel Didavi (26 J./0/0): Auch wenn sein Klub absteigen sollte, Daniel Didavi (VfB Stuttgart) wird kommende Saison in der 1. Bundesliga gegen den Ball treten: Der Wechsel nach Wolfsburg steht bereits fest. Noch spielt er allerdings für den VfB und bekanntermaßen bedient sich Schwabe Löw gerne bei den Stuttgartern. Didavi ist sicherlich einer, der aus dem enttäuschenden VfB-Ensemble bisweilen noch positiv hinaussticht, für ein EM-Ticket sollte es dennoch nicht reichen.

Max Kruse (28 J./14/4): Max Kruse (VfL Wolfsburg) hat jüngst eher neben als auf dem Fußballplatz für Schlagzeilen gesorgt - leider nicht für positive. Wegen seiner Eskapaden hatte Löw den Angreifer bereits aus dem Länderspiel-Aufgebot für die Testspiele gegen England und Italien gestrichen. Zwar stünde Kruse mit seinen Fähigkeiten dem EM-Kader gut zu Gesicht, doch ob Löw den 28-Jährigen begnadigt, ist offen.

Pierre-Michelle Lasogga (24 J./0/0): Pierre-Michelle Lasogga (Hamburger SV) hat zwar eine gewisse Vergangenheit in der deutschen U21, doch für die A-Nationalelf reichte es bislang nicht. Unwahrscheinlich, dass sich daran zur EM etwas ändert.

Stefan Kießling (32 J./6/0): Die Stimmen, die über Jahre hinweg nach Stefan Kießling (Bayer 04 Leverkusen) in der Nationalelf riefen, sie sind leiser geworden. Kießling kommt bei Bayer vermehrt als Teilzeitarbeiter zum Einsatz, Chicharito ist jetzt die Nummer Eins im Werkself-Sturm. Löw wird es sich leisten können, guten Gewissens auf Kießling zu verzichten.

Alex Meier (33 J./0/0): Wenn Löw noch einen echten Knipser für den Angriff sucht, wäre Alex Meier (Eintracht Frankfurt) eine Alternative. Seit Jahren trifft der lange Schlaks konstant für die Eintracht. Rechtzeitig zur EM wäre Meier wohl auch wieder fit. Eine Nominierung wäre dennoch mehr als eine Überraschung, fraglich wäre außerdem, ob Meier auch auf internationalem Top-Niveau knipsen kann.


Diese Spieler könnten überraschend noch mit zur EM fahren

Jonathan Tah (20 J./1/0): Jonathan Tah (Bayer 04 Leverkusen) hat sich unter Roger Schmidt zu einem echten Leistungsträger gemausert. Seine Berufung in das EM-Aufgebot wäre trotzdem eine Überraschung - Löw hat auf dieser Position eigentlich genug starke Alternativen. Tah ist einer für die Zukunft.

Joshua Kimmich (21 J./0/0): Von Pep Guardiola in der größten Not zum Verteidiger umgeschult, war Joshua Kimmich (FC Bayern München) einer der Shooting-Stars dieser Bundesligasaison. Zwar fehlt in Kimmichs Vita noch ein A-Länderspiel, trotzdem könnte er mit seiner Flexibilität einer für Löw sein, zumal er bei den Bayern mehrfach bewiesen hat, dass er mit Druck und "großen Spielen" gut zurecht kommt.

Julian Weigl (20 J./0/0): Ein weiterer Senkrechtstarter der Saison ist Julian Weigl (Borussia Dortmund). Der defensive Mittelfeldspieler schaffte in seiner ersten Bundesliga-Saison gleich den Sprung in Dortmunds Stammelf. Diese Tatsache und konstant gute Leistungen für den Pokal-Finalist dürften auch Löw nicht verborgen geblieben sein. Ob Weigl die Lücke, die Gündogans Verletzung im EM-Kader gerissen hat, schließen wird?

Leon Goretzka (21 J./1/0): Noch ein Kandidat für die Sechser-Position ist Leon Goretzka (FC Schalke 04). Eine Schulterverletzung legte Goretzka in der Rückrunde zeitweise aufs Eis, in den letzten Spielen durfte er wieder ran, bereitete gegen Hannover gar einen Treffer vor. Doch reicht die Duftmarke, damit Löw und Co. Wind davon bekommen?

Mahmoud Dahoud (20 J./0/0): Und noch einer für die Zentrale, der in die Gündogan-Lücke schlüpfen könnte: Mahmoud Dahoud (Borussia Mönchengladbach) hat sich in Gladbach zum Stammspieler gemausert, glänzt vor allem auch mit neun Torvorlagen (und fünf eigenen Treffern) an der Seite von Granit Xhaka. Ein interessanter Spieler, der eine Nominierung verdient. Vielleicht ist es ja schon bald soweit.

Gonzalo Castro (28 J./5/0): Der Allesspieler: Gonzalo Castro (Borussia Dortmund) kann fast überall spielen. Ob das immer förderlich für seine Karriere war, darf bezweifelt werden - nicht selten finden sich so genannte Allrounder auf der Bank wieder. Für den BVB machte Castro 24 Bundesligaspiele - aber nur sechs über 90 Minuten, neunmal wurde der ehemalige Leverkusener eingewechselt. Für den EM-Kader kann solch ein Spieler zwar nicht schaden, ein Muss ist seine Berufung aber nicht.

André Hahn (25 J./1/0): Lange Zeit konnte André Hahn (Borussia Mönchengladbach) nicht mittun, ein Meniskusriss bremste den Angreifer aus. Seit April wirbelt Hahn bei der Borussia wieder, überzeugt durch starke Leistungen und fünf Treffern in den letzten sieben Spielen. Könnte noch auf den EM-Zug aufspringen.

Max Meyer (20 J./1./0): Sein Länderspieldebüt hat der junge Max Meyer (FC Schalke 04) bereits hinter sich, gegen Polen durfte Meyer 77 Minuten sein Können zeigen. Bei der EM könnte er auf dem linken Flügel - oder natürlich auch im offensiven Mittelfeld - eine gute, spielstarke Alternative sein.

Leroy Sané (20 J./1/0): Vielleicht noch größere Chancen als Max Meyer auf einen Platz in Löws Kader hat Teamkollege Leroy Sané. Zwar waren die Leistungen in der Vorrunde beeindruckender als zuletzt, doch in der Summe war es eine gute Saison für den umworbenen Schalker, der mit seiner Schlitzohrigkeit und Torgefahr für Überraschungsmomente im deutschen Spiel sorgen könnte.

Julian Brandt (20 J./0/0): Die aktuelle Form spricht für Julian Brandt (Bayer 04 Leverkusen), er könnte zu Löws As im Ärmel werden. In seinen letzten sechs Einsätzen traf der Flügelspieler immer ins Schwarze, dazu kommen zwei Assits. Wenn man das berücksichtigt, wäre eine Nominerung eigentlich doch gar keine so große Überraschung mehr.

Sandro Wagner (28 J./0/0): Eine EM-Teilnahme von Sandro Wagner (SV Darmstadt 98) wäre sicherlich eine faustdicke Überraschung, aber gänzlich unwahrscheinlich? Natürlich polarisiert der Lilien-Stürmer. Zuletzt sorgte er mit seiner Aussage, Profi-Fußballer würden zu wenig verdienen, für Aufsehen. Doch seine Torquote (14 Treffer in 32 Einsätzen) kann sich sehen lassen und ganz vorne ist Löws Auswahl bekanntermaßen begrenzt. Doch kann der gebürtige Münchner auch auf internationaler Bühne überzeugen? Vielleicht wagt Löw ja einen Feldversuch.


Diese Spieler fehlen entschuldigt

Ilkay Gündogan (25 J./16/4): Der Pechvogel: Ilkay Gündogan (Borussia Dortmund) hat bereits die WM 2014 verletzt verpasst. Jetzt erwischte es den kreativen Dortmunder erneut. Pech für Löw, der nun umplanen muss - Gündogan galt als sicherer EM-Fahrer.


Diese Spieler sind dieses Mal nicht mehr bei der EM dabei

Philipp Lahm (32 J./111/5): Der ehemalige Kapitän ist erstmals seit der EM 2004 nicht mehr dabei im Kreise der Nationalelf. Mit dem WM-Titel 2014 verabschiedete sich Philipp Lahm (FC Bayern München) vom DFB-Team. Er hinterlässt trotz geringer Körpergröße riesige Fußstapfen, ein gleichwertiger Ersatz hinten rechts ist derzeit nicht in Sicht. Sportlich und menschlich ein großer Verlust für den Bundestrainer und die ganze Mannschaft, die jetzt zeigen muss, dass sie auch ohne Weltklasseverteidiger Lahm um Titel spielen kann.

Per Mertesacker (31 J./104/4): "Wat wollen se jetzt von mir?" Per Mertesacker (FC Arsenal) und sein Eistonnen-Interview nach dem WM-Spiel gegen Algerien sind legendär. Der zuverlässige Innenverteidiger wird bei dieser EM in Frankreich nicht dabei sein, auch er trat aus der Nationalelf zurück. Bei der WM noch gesetzt, wird seine Rolle in der Zentrale wohl nun von Boateng eingenommen. Sportlich ist das kein Qualitätsverlust, doch Mertesacker wird als Typ sicherlich fehlen.



Miroslav Klose (37 J./137/71): Wer soll eigentlich die Tore schießen, wenn Miroslav Klose (Lazio Rom) nicht mitspielt? Der mit 71 Treffern erfolgreichste Torschütze der Nationalelf beendete seine Karriere als Nationalspieler ebenfalls als Weltmeister. Natürlich gönnen ihm das alle, aber Miros Kaltschnäuzigkeit vor dem gegnerischen Kasten hätte auch in Frankreich seinen Wert gehabt. Jetzt müssen andere in die Bresche springen.