• Die Planung und Umsetzung der Corona-Impfpflicht ist in vollem Gange
  • Nun hat sich die Kassenärztliche Bundesvereinigung eingeschaltet
  • Die niedergelassenen Mediziner*innen wehren sich gegen eine Impfpflicht

Die allgemeine Impfpflicht ist weiter ein brandheißes Thema: Mittlerweile stellt sich nicht mehr die Frage, ob, sondern eher wann sie kommt. Sowohl Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) als auch Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) sprachen sich mehrmals für eine Verpflichtung zur Impfung aus. Über die Umsetzung wird derzeit noch debattiert. Nun hat sich Andreas Gassen, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, zu Wort gemeldet. Er lehnt eine allgemeine Impfpflicht im Namen aller Kassenärzt*innen strikt ab.

Corona: Kassenärzte wehren sich gegen Impfpflicht

Kassenarzt-Chef Andreas Gassen stellt sich öffentlich gegen die Umsetzung der geplanten allgemeinen Impfpflicht. Sein Wort steht stellvertretend für das von 100.000 niedergelassenen Mediziner*innen. Im Gespräch mit der Bild-Zeitung äußert Gassen, dass Arztpraxen kein Ort seien, „um staatliche Maßnahmen durchzusetzen“.

„Wir werden unseren Ärzten nicht zumuten, eine Impfpflicht gegen den Willen der Patienten zu exekutieren“, so der Vorstandsvorsitzende. Das Vertrauen zwischen Mediziner*innen und Patienten sei extrem wichtig.

Doch die Kassenärzt*innen stellen sich nicht nur gegen das Ansetzen der Spritze. Auch die Beratung von Ungeimpften schlagen die Kassenärzte aus. „Die Entscheidung um die Impfpflicht ist eine politische. Wenn die Bundesregierung diese beschließen will, muss sie sich auch um die Umsetzung kümmern“, sagt Verbandsvize Stefan Hofmeister gegenüber der Bild.

Kassenärzte verweigern Impfpflicht: Was machen Scholz und Lauterbach?

Kanzler Scholz und Gesundheitsminister Lauterbach hatte angekündigt, bereits Ende Januar eine erste „Orientierungsdebatte“ im Bundestag zu führen. Das Thema: natürlich die Verpflichtung zur Impfung. Die Worte des Kassenarzt-Vorsitzenden dürften den beiden Impfpflicht-Befürwortern nun zu denken geben. 

Denn das Wegbrechen der niedergelassenen Ärzt*innen würde das geplante Impf-Tempo rapide senken. Im Falle der Durchsetzung einer Impfpflicht müssten sich Ungeimpfte im Impfzentrum oder bei den rund 2500 Ärzten im öffentlichen Gesundheitsdienst ihre Impfdosis holen.

Bundesgesundheitsminister Lauterbach forderte erst vor kurzem eine schnelle Umsetzung der Impfpflicht.  „Wenn wir einen Antrag machen wollen, der noch funktioniert, dann ist das ein Antrag, der die Impfpflicht in Kraft setzt – was weiß ich – im April oder um den April herum, vielleicht im Mai.“ Wichtig sei es, dass Ungeimpfte bis zu einer möglichen neuen Corona-Welle im Herbst immunisiert seien. Ob dies auch ohne die Hilfe der Kassenärzt*innen möglich ist, wird sich zeigen.