Wenn der Lockdown in die Verlängerung geht, wie steht es dann um die Schulen? Diese Frage stellen sich so kurz vor Ende der Ferien besonders Eltern, Schülerinnen und Schüler aber auch die Lehrkräfte. Eine klare Antwort gibt es darauf noch nicht, allerdings eine Tendenz: weiterhin Distanz- und Wechselunterricht. 

Update vom 04.01.2020, 16.10 Uhr: Die Schulen werden wohl geschlossen bleiben

Nach den Beratungen der Kultusminister der 16 Bundesländer gibt es in Bayern wenig Hoffnung auf eine rasche Öffnung der Schulen zum Präsenzunterricht. Die Kultusministerkonferenz beschloss am Montag (04. Januar 2021) im Kern, die Schließung der Schulen von dem jeweiligen Corona-Infektionsgeschehen in den einzelnen Bundesländern abhängig zu machen. Bayern hat vergleichsweise hohe Inzidenzwerte von derzeit rund 160 im Durchschnitt. Zielmarke ist eine Sieben-Tage-Inzidenz pro 100 000 Einwohner von höchstens 50.

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Bayerns Ressortchef Michael Piazolo (Freie Wähler) verteidigte am Montag eine stark unterschiedliche Vorgehensweise innerhalb Deutschlands. Die Corona-Inzidenzwerte in einigen Gegenden seien vier Mal so hoch wie in anderen. "Daher ist es weiter sinnvoll und richtig, dass die Länder bei unterschiedlichen Ausgangslagen auch teilweise unterschiedlich agieren", sagte Piazolo am Montag der Deutschen Presse-Agentur. "Wir tun dies aber innerhalb eines gemeinsamen Rahmens, den wir in der Kultusministerkonferenz gemeinsam abstimmen." Eine Entscheidung soll am Mittwoch (06. Januar 2021) im bayerischen Ministerrat gefällt werden.

Die Kultusministerkonferenz hatte am Montag beschlossen, nur dort, wo es die Situation erlaube, die Wiederaufnahme des Schulbetriebs nach einem Stufenplan zu ermöglichen, der sich am jeweiligen Infektionsgeschehen orientiert.

Erstmeldung vom 04.01.2021, 10.40 Uhr: Offene Schulen oder Distanzunterricht - Piazolo mit klarer Tendenz

Bayerns Kultusminister Michael Piazolo ist gegen eine Öffnung von Bayerns Schulen nach dem Ferienende. Wie die Deutsche Presse-Agentur berichtet, äußerte er sich der Augsburger Allgemeinen gegenüber am Montag (4. Januar 2021) dahingehend, dass er Präsenzunterricht für alle ausschließe. Allerdings hält er es für möglich, in den niedrigeren Jahrgangsstufen auf einen Wechselunterricht zurückzugreifen. Wie der BR berichtet, sei laut Piazolo der Präsenzunterricht für die jüngeren Schüler durch keine Technik zu ersetzen - der Kontakt zu den Lehrkräften sei wichtig. Eine erneute Notbetreuung soll in Aussicht gestellt werden. 

Auch Bayerns Ministerpräsident Markus Söder hält sich bedeckt. Er sieht die Öffnung von Kitas ebenfalls kritisch: "Es darf keine überstürzte Öffnung von Schulen und Kitas geben. Es wäre angesichts der hohen Infektionszahlen verantwortungslos, Lehrer und Schüler einfach wieder komplett in die Schulen zu schicken. Es hat sich gezeigt, dass auch in der Schule Ansteckung und Verbreitung stattfinden. Gerade nach den Ferien ist die Gefahr am höchsten", so Söder in der Bild am Sonntag

Wie Jürgen Böhm, Vorsitzender des Deutschen und Bayerischen Realschullehrerverbands, gegenüber der Deutschen Presse-Agentur erklärte, sei er für ein Modell entlang der 7-Tage-Inzidenz: "Präsenzunterricht bis 50, Wechselunterricht ab 50 und Fernunterricht ab 100 würden wir als Richtwert ins Feld schlagen." 

Am Montag (4. Januar 2021) soll in einer Konferenz aller Kultusminister über das weitere Vorgehen und die Corona-Maßnahmen in den Schulen beraten werden. Am Dienstag (5. Januar 2021) folgt eine Konferenz aller Ministerpräsidenten. Piazolo kündigte bereits im Vorfeld an, dass sich Bayern für einen Sonderweg entscheiden könnte, sollten die Beratungen nicht den bayerischen Vorstellungen entsprechen. Wie dieser Sonderweg allerdings aussehen könnte, das ließ er offen. 

Forderungen an die Politik: Klare Infos und ein "Masterplan"

Deutliche Worte findet hingegen Bayerns FDP-Chef Daniel Föst in einer Pressemitteilung am Montag (04. Januar 2021). Distanzunterricht sei für ihn sinnvoll, solange er gut organisiert ist und "nicht wie in Bayern in ein Mebis-Debakel mündet". Die Lernplattform war schon mehrfach abgestürzt und konnte weder von Lehrkräften noch Schülern genutzt werden. Weiter erklärt Föst: "Wir brauchen einen nachhaltigen 3-Stufen-Plan, der sich an epidemiologischen Kennzahlen orientiert und klar definiert, ab wann Wechsel- und Präsenzunterricht an einzelnen Schulen wieder vertretbar ist. Unsere Eltern, Lehrer und Schüler haben Planungssicherheit verdient."

Laut Föst müsse die Regierung für schnelle Test-Konzepte an Schulen sorgen, ausreichend Trennschutzwände und Raumluftreiniger. Zudem seien viele Eltern an ihre Belastungsgrenze gekommen - die Regierung müsse nun beherzt handeln und Notbetreuungen sicherstellen.

Klare Forderungen an die Politik stellte unterdessen auch Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher, wie die Welt am Sonntag berichtet. Er erwarte vom Bund klare Informationen aufgrund von wissenschaftlichen Grundlagen. Gegenüber dem BR äußerte sich auch der Präsident des Deutschen Lehrerverbands, Heinz-Peter Meidinger. Er ist überzeugt, dass die Schulen weiterhin geschlossen bleiben - eine Öffnung sei "nicht verantwortbar". Meidinger fordert einen "Masterplan" von der Politik. 

Volle Busse vermeiden - und Schulen geschlossen halten

Jürgen Böhm erklärte der Deutschen Presse-Agentur über abschließend, dass die Tatsache, dass sich auch Kinder, Schülerinnen und Schüler und Lehrkräfte in den Schulen und Kitas anstecken, "mit Ignoranz und Arroganz" unterschätzt werde, "dass einem fast die Worte fehlen." Der Virologe Christian Drosten machte auf die Ansteckung in Schulen schon länger aufmerksam. Zudem betonte Böhm, dass es keinen Sinn mache, die Schüler nach den Ferien wieder dicht gedrängt in Bussen durch die Gegend zu fahren, solange die Ansteckungsraten so hoch seien.

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