Forschende aus Israel haben in einer neuen Studie herausgefunden, dass Covid-19 Genesene besser als Corona-Geimpfte vor der Virusvariante geschützt sind. Den Ergebnissen zu Folge wären Menschen, die sich bereits infiziert haben, besser geschützt, als diejenigen, die eine doppelte Impfung erhalten haben.

Die Wissenschaftler nutzten für die Studie Daten von der zweitgrößten Krankenkasse in Israel. 26 Prozent der israelischen Bevölkerung (2,5 Millionen Menschen) sind dort versichert. Nach Angaben des Studienleiters handelt es sich bei der Studie um die bisher größte reale Beobachtungsstudie, die sich mit dem Vergleich von Immunität und Impfung im Zusammenhang mit dem Coronavirus auseinandersetzt.

Corona-Genesene: 13-fach niedrigeres Ansteckungsrisiko als Corona-Geimpfte

Die Studie umfasste 32.000 Teilnehmer*innen ab 16 Jahren, die  vor dem 28. Februar 2021 geimpft worden waren oder bis Ende Februar  eine dokumentierte Corona-Infektion hatten. Anhand dieser Daten analysierten die Forschenden, wie viele der Teilnehmenden sich im darauffolgenden Sommer angesteckt hatten.

Im Zeitraum der Studie wurden 257 der untersuchten Menschen positiv getestet. Von diesen mit Corona infizierten Personen hatten 238 vorher eine Impfung erhalten und nur 19 hatten sich vorher schonmal mit dem Virus infiziert. Die Zahlen in Relation gesetzt, besitzen Geimpfte ein 13-fach höheres Risiko für eine Infektion als Genesene.

Ein weiteres Ergebnis der Forscherinnen und Forscher lautete, dass die natürliche Immunität über die Monate nachlässt. Infolgedessen verglichen sie Daten von Geimpften mit denen der Menschen, die sich im Jahr 2020 infizierten. Das Ergebnis: Selbst in diesem Fall hatten die Genesenen noch ein sechsfach geringeres Risiko, sich erneut mit dem Coronavirus zu infizieren, als die Geimpften.

Immunolog*innen äußern jedoch Kritik an der Studie

Keine Person der Studie, die sich im Sommer mit Corona infizierte, starb. Aus diesem Grund war ein Vergleich der Sterberate nicht möglich. Dies ist jedoch ein klares Zeichen dafür, dass Impfstoffe immer noch einen beeindruckenden Schutz gegen schwere Krankheiten bieten, auch wenn sie laut Studienergebnis nicht so gut sind, wie die natürliche Immunität.

Im Magazin Science kritisiert Marion Pepper, Immunologin an der University of Washington, die Aussagekraft der Untersuchung. Die Studie zeige zwar die Vorteile der natürlichen Immunität, würde aber nicht berücksichtigen, was das Virus dem Körper antut, um diesen Punkt zu erreichen.  In diesem Zusammenhang betont auch Charlotte Thalin, Ärztin und Immunologin am Karolinska-Institut, das eine absichtliche Infektion für ungeimpfter Menschen ein erhebliches Risiko für eine schwere Erkrankung, den Tod oder für die anhaltenden, schwerwiegenden Symptome des sogenannten Long Covid darstellen könne.

Und auch wenn die Forschenden bei ihrer veröffentlichten Studie von signifikante Ergebnisse sprechen, sind an manchen Stellen methodische Schwächen vorhanden. Die Teilnehmenden der israelischen Studie wurden nur mit dem Vakzin von Biontech geimpft. Wie sich der Schutz mit anderen Impfstoffen darstellt, kann somit anhand der Studie nicht beurteilt werden. Außerdem betrachteten  die Forscherinnen und Forscher nur die Krankenakten. Krankheitsverläufe ohne Symptome konnten nicht ausgewertet werden, fehlen deshalb in den Daten und könnten möglicherweise zu einer Verzerrung der Ergebnisse führen.