Ein wunderschöner Sommertag, Sonne satt, ja brütend heiß ist es. Wir starten am Aufschlagpunkt unseres Dartpfeils - genau in einem Waldstück nahe Wonfurt. Ein Hochsitz, Wald, Felder, meterhohe Brennesseln - kein Mensch weit und breit. Dafür gibt's Zecken. Nachdem sich der Kollege eine eingefangen hat, geben wir auf und peilen die nur wenige Schritte entfernte Ortschaft an. Wir stoßen auf Ziegen, die sich in der Hoffnung auf eine kleine Futtergabe treuherzig nähern, aber nicht auf Menschen. Der Ort wirkt wie ausgestorben.

Da, plötzlich taucht ein Radfahrer auf. Wir halten ihn kurzerhand an. Wieder kein Wonfurter, dafür ein Ebelsbacher Rentner namens Ludwig Geheb. Der 74-Jährige erzählt uns, dass er viel mit dem Rad unterwegs ist. Abwechselnd geht's mal nach Ober- oder Unterfranken. Schön sei es überall, so der Rentner. In Franken lasse es sich halt noch gut leben.

Wir geben ihm Recht. Immerhin der Erste mit dem wir reden konnten. Es geht weiter, immer noch auf der Suche nach Wonfurtern. Am Sportzentrum treffen wir endlich zwei. Die beiden Gemeindearbeiter Peter Heger und Norbert Rauschert sind gerade damit beschäftigt die Tribüne der Sportanlage von Unkraut zu befreien. Am Wochenende ist eine Veranstaltung geplant, da soll alles seine Ordnung haben. Die beiden schwitzen nicht schlecht bei der Arbeit in der prallen Sonne. Wenn sie nicht gerade das Sportgelände auf Vordermann bringen, kümmern sie sich um die Grünflächen im Ort, den Friedhof, erledigen auch Pflasterarbeiten, erzählen sie in einer Verschnaufpause. Arbeit gibt's immer.

Wir erfahren, dass es im Ort auch ein Schloss gibt. Eine Frau von Bismarck soll da wohnen. Also nichts wie hin. Die Dame mit dem berühmten Nachnamen treffen wir zwar nicht an, dafür Peggy Göpfert und einen Mitarbeiter der Post, der gerade, weil verspätet, unter Hochdruck Pakete und Briefe zustellt und deshalb auch keine Zeit für uns hat. Immerhin Peggy Göpfert wechselt ein paar Worte mit uns. Selbst Postmitarbeiterin, hat sie jahrelang in Wonfurt Briefe und Pakete ausgetragen, kennt die Leute. Sie hat ihren Kollegen abgepasst, weil sie ein Paket mit Fleisch erwartet. Fehlanzeige. Naja vielleicht morgen, verabschiedet sie sich.

Wir wollen uns in der in der Nähe befindlichen Kirche umsehen. Und staunen: Der im Innern an das Pantheon in Rom erinnernde Rundbau wird gerade von einer Gruppe Frauen aufpoliert. Mit Staubsauger und Besen rücken Christa Virsching, Christa Stapf, Rita Cirske, Brigitte Müller und Ilse Schweinitzer dem Schmutz im Gotteshaus zu Leibe. Die Truppe erledigt diese Arbeiten im Schnitt alle sechs bis acht Wochen. Hut ab, kann man da nur sagen. Und nach getaner Arbeit freuen sich die Damen schon auf das gemeinsame Kaffeekränzchen.

Beim Bäcker Schlereth, gleich vor der Kirche, erfahren wir, dass es im Wonfurter Ortsteil Steinfeld eine interessante Orchideenzucht geben soll. Das wollen wir uns natürlich genauer ansehen. Auf dem Weg dorthin fällt uns ein Spargelselbstvermarkter auf. Bei der Familie Werner stehen die Türen offen, obwohl die Spargelzeit längst vorbei ist. Ilse Werner erklärt uns warum. Ihre Kundin Birgit Raindl, die in Ottendorf eine Gastwirtschaft betreibt und sich ihren Spargel stets in Steinfeld holt, hat nochmal wegen einer Rechnung vorbeigesehen. Spargel, logisch, den gibt's erst wieder im nächsten Jahr, erklärten uns die beiden gutgelaunten Damen schmunzelnd.

Die Orchideenzucht von Manfred und Martina Wolff ist unsere letzte Station. Hunderte von Orchideen blühen im Verkaufsraum. Alles selbst gezogen erklärt uns Manfred, eigentlich ein gelernter Diplom-Verwaltungswirt. Er hat sein Hobby zum Beruf machen können. Beneidenswert. Ganze Busse von Orchideenfreunden kämen oft nach Steinfeld, um sich bei den Orchideenzüchtern umzusehen. Wobei der inzwischen 65jährige Manfred zugibt, dass die Supermärkte mit ihren Sonderangeboten seinem Geschäft inzwischen ganz schön zusetzen würden. Naja, überall das Gleiche. Wir verabschieden uns, gehen zurück zum Auto. Ich schau zu meinem Kollegen Matthias. War's das in Wonfurt? Er nickt. Wir haben doch noch einiges erlebt an einem ganz normalen Sommertag in Wonfurt.