Erster Sieg unter Bundestrainer Klopp: Einer glänzt besonders

5 Min

Riesige Erleichterung: Mit dem Premierensieg von Bundestrainer Klopp hat eine junge DFB-Elf ein Signal für eine bessere Fußball-Zukunft gesetzt. Der Bundestrainer sich in seiner Fußball-Philosophie bestätigt.

Die rundumerneuerte  Fußballnationalmannschaft mit Debütant Mika Baur als 1000. Nationalspieler hat Bundestrainer Jürgen Klopp seinen lang ersehnten ersten Sieg im neuen Amt beschert. Endlich wieder mit Freude am Fußball sorgten Premierentorschütze Tom Bischof (39. Minute) und der wie befreit aufspielende Florian Wirtz (61.) beim mit viel Offensivmut gestalteten 2:0 (1:0)-Sieg gegen Serbien in München für die Tore. Jürgen Klopp herzte nach Spielende DFB-Sportdirektor Rudi Völler, packte sich jeden seiner Nationalspieler für ein dickes Dankeschön und klopfte sich dann vor den Fans fest mit der Hand auf die Brust.

"Ich bin echt happy heute", sagte Klopp im ZDF und lobte sein Team: "Gegen den Ball war es herausragend und mit dem Ball haben wir einfach wundervollen Fußball gespielt." Nach dem Sieg schwärmte der 59-Jährige noch: "Das kommt in mein Archiv. Damit machen wir jetzt ein Video. Klopp sah sich auch in seiner Fußball-Philosophie bestätigt, nachdem es beim 1:1 in den Niederlanden und beim 0:1 gegen Griechenland noch nicht für Siege gereicht hatte. "Das Gegenpressing ist heute durch die Decke gegangen", lobte Klopp. Die Leistung gegen die Serben in München müsse nun die Messlatte für die DFB-Auswahl sein. "Das ist das, was wir spielen wollen", bekräftigte der Bundestrainer, warnte aber auch: "Wir wollen jetzt nicht durchdrehen."

Deutschland-Sieg gegen Serbien ohne Kapitän Kimmich

Die nach dem enttäuschenden 0:1 gegen Griechenland schnell aufgekommenen Zweifel an einem raschen Klopp-Effekt zum Neustart der DFB-Auswahl nach dem WM-Debakel sind durch den ersten Lichtblick wieder zerstreut - denn das System funktionierte im dritten Spiel erstmals richtig. Für den 59-Jährigen war der Sieg vor 68.121 Zuschauern eine enorme Befreiung. Die Fans feierten die erste Klopp-Party in schwarz-rot-gold. "Unbeschreiblich. Das Stadion hat gebrannt. Wir waren von Anfang an voll da", schwärmte Torschütze Bischof.

"Es hat unheimlich viel Spaß gemacht. Jeder Einzelne hat alles auf den Platz gelassen, ist dem Matchplan nachgegangen und hat eigentlich fast alles richtig gemacht", sagte der überragende Wirtz, der das Führungstor mit einer technisch feinen Aktion und einem Pfostentreffer einleitete und den Endstand selbst besorgte.

"Ich glaube, dass in Liverpool heute alle sehr, sehr happy sind mit der Performance», sagte der Bundestrainer angesichts der Topleistung von Wirtz. "Ich glaube, so viele Engländer und Liverpool-Fans haben noch nie ein Spiel der deutschen Nationalmannschaft geguckt. Und sie werden großen Spaß gehabt haben." 

Bischof über Wirtz: "Der versteht den Fußball"

Der Liverpool-Spieler berichtete zudem, was Klopp ihm auf den Weg mitgegeben hatte. "Dass ich wieder den Fußball spiele, den man von mir gewöhnt ist", sagte er. Gesagt, getan. "Es geht auf jeden Fall in die Richtung" sagte Wirtz aber noch etwas vorsichtig.

Das Mittelfeld mit den Münchnern Tom Bischof, der das 1:0 erzielte, und Aleksandar Pavlovic funktionierte im Zusammenspiel mit Wirtz bestens. "Er ist ein brutaler Fußballer", sagte Bischof über Wirtz. "Der versteht den Fußball, hat so viel Ahnung."

Nach dem Wechsel zu seinem zweiten Kader ohne etablierte Kräfte wie Kapitän Joshua Kimmich oder Abwehrchef Jonathan Tah startete Klopp mit einer komplett neuen Startelf. Besonders das junge Mittelfeld mit Bischof (21 Jahre), Wirtz (23) und Aleksandar Pavlovic (22) zeigte den Powerfußball der Marke Klopp. Ein weiterer Pluspunkt: Erstmals seit sieben Länderspielen stand beim DFB-Debüt von Torwarthoffnung Jonas Urbig hinten wieder die Null.

Jetzt die Revanche gegen Griechenland

Durch den Erfolg gegen das weiterhin punktlose Schlusslicht Serbien hat sich auch die Situation in der Nations League für die DFB-Elf verbessert. Am Sonntag (4. Oktober 2026) geht es zum Rückspiel nach Griechenland - dort hat Klopp noch eine Rechnung offen. Die zuvor zweimal siegreichen Griechen verspielten beim 2:2 gegen die Niederländer spät noch eine 2:0-Führung und liegen als Tabellenführer nun drei Punkte vor Deutschland.

Mit Urbig und dem Freiburger Außenstürmer Derry Scherhant schickte Klopp zwei Debütanten von Beginn an aufs Feld. Gegen den erwarteten tiefen Block der Serben konnte Scherhant gleich mit einigen guten Aktionen auf sich aufmerksam machen.

Die ersten guten Chancen vergaben Pavlovic, Nick Woltemade und der anstelle von Kimmich als Kapitän aufgestellte Serge Gnabry. Immer wieder kam die DFB-Elf aussichtsreich vor das Tor der meist passiven Serben, zeigte aber im Abschluss Schwächen. Bischofs Schuss fand nur das Außennetz (24.). Nach einer feinen Kombination über Wirtz und Woltemade scheiterte Gnabry frei vor Gäste-Schlussmann Djordje Petrovic (30.).

Künftiger Klopp-Chef Mertesacker: "Ergebnisse ersetzen gar nichts"

Das wäre auf der anderen Seite fast bestraft worden. Bei einigen riskanten Aktionen in der Defensive war schon ein Raunen über die Ränge gezogen, als der frühere Bundesliga-Profi Filip Kostic plötzlich der deutschen Abwehr enteilte. An seiner Flanke von der Grundlinie rutschte Kosta Nedeljkovic nur um Zentimeter vorbei (32.).

Hatte das Spiel gegen Griechenland zuvor auf einige Zuschauer eher einschläfernd gewirkt, konnten sich die Fans im Münchner Fußball-Tempel dieses Mal über reichlich Action freuen. Nachdem Wirtz zunächst eine hervorragende Kopfball-Chance ungenutzt ließ (35.) und kurz darauf den Pfosten traf, erlöste Bischof die Gastgeber mit einem Nachschuss. Der 21-Jährige, der von der U21 in den A-Kader gewechselt war, feierte im zweiten Länderspiel sein erstes Tor.

Das erste Heimtor unter Klopp war längst überfällig, Pavlovic hätte beinahe noch vor der Pause erhöht. Mit viel Beifall schickte das Publikum die DFB-Auswahl in die Halbzeit, denn Dynamik und Einsatz stimmten dieses Mal. Auch der zukünftige DFB-Geschäftsführer Per Mertesacker beobachtete bei seinem letzten Einsatz als ZDF-Experte genau. "Ergebnisse ersetzen gar nichts. Euphorie kann abebben", hatte der frühere Weltmeister vor dem Anpfiff gewarnt.

Baur als 1000. DFB-Debütant

Das sieht zwar auch Klopp nicht anders, doch setzte der Bundestrainer sein Kader-Casting auch nach der Pause fort. Saïd El Mala kam als nächster Neuling für Gnabry ins Spiel, Wirtz übernahm die Kapitänsbinde.

Das Bild auf dem Spielfeld änderte sich nicht. Die deutsche Mannschaft kam zu klaren Chancen und hätte schon durch El Mala (57.) und Woltemade (59.) die Vorentscheidung erzwingen können. Als Wirtz dann das längst überfällige zweite Tor erzielte, klatschte Klopp vor der deutschen Bank befreit jeden ab, der seinen Weg kreuzte. Maximilian Mittelstädt hatte den Liverpool-Profi im Strafraum bedient, Wirtz ließ cool noch Gegenspieler Srdjan Babic aussteigen und schob flach ein.

Nun blieb noch Zeit für ein wenig deutsche Fußball-Historie: Klopp wechselte weiter, als 1000. Debütant der DFB-Geschichte kam der 22 Jahre alte Baur von Celtic Glasgow, Sohn des ehemaligen Handball-Nationalspielers Markus Baur, ins einseitige Spiel. Ihren Schwung behielten die Klopp-Mannen bis zum Schluss, nur weitere Tore fielen nicht mehr.

Pressestimmen zum DFB-Sieg gegen Serbien

Das schreibt die internationale Presse zum Sieg der DFB-Elf gegen Serbien:

  • Serbien: "Adler machtlos in der Allianz Arena. Deutschland besiegt Serbien routiniert mit 2:0." - Sportski zurnal
  • Großbritannien: "Jürgen Klopp hat als Bundestrainer der deutschen Nationalmannschaft seinen ersten Sieg eingefahren. Es war ein souveräner Erfolg, bei dem Wirtz zeitweise kaum zu stoppen war." - Guardian, "Kräftige Umarmung für Florian Wirtz: Sein Tor sichert Jürgen Klopps ersten Sieg mit Deutschland." - The Times
  • Frankreich: "Nach einem ermutigenden Unentschieden gegen die Niederlande (1:1) und einer frustrierenden Heimniederlage gegen Griechenland (0:1) zeigten die Deutschen diesmal einen wirklich attraktiven Spielstil mit erdrückendem hohem Pressing und schnellen Angriffen, die an den von Klopp propagierten "Heavy-Metal-Fußball" erinnerten." - L'Équipe
  • Spanien: "2:0 - Wirtz führt Klopps deutsche Nationalmannschaft zum ersten Triumph. Die deutsche Mannschaft war einer blassen serbischen Mannschaft deutlich überlegen, wobei der Liverpool-Spieler eine herausragende Leistung zeigte." - Mundo Deportivo, "Deutschland hat ein großes Spiel gemacht. Vom ersten Moment an hat die Mannschaft die Initiative ergriffen, und sie war es, die die ganze Zeit für gefährliche Situationen gesorgt hat." - As 
  • Italien: "Deutschland unter Jürgen Klopp feiert den ersten Sieg: In der Allianz Arena bezwingt die Mannschaft Serbien mit 2:0. Bischof und Wirtz sorgen für die Entscheidung, während Juventus-Spieler Woltemade eine Großchance aus kurzer Distanz vergibt." - Gazzetta dello Sport
  • Österreich: "Erster Klopp-Sieg! Deutschland schlägt Serbien." - Kronen Zeitung, "Klopp atmet auf." - Kurier
  • Schweiz: "Es geht doch! Klopp feiert ersten DFB-Sieg. Aller guten Dinge sind drei. Deutschland gewinnt im dritten Nations-League-Spiel unter Jürgen Klopp zum ersten Mal. Nach zuletzt schwachen Leistungen und entsprechenden Ergebnissen ist der Auftritt in der Allianz Arena Balsam für die deutsche Fußball-Seele." - Blick
Wie wir künstliche Intelligenz einsetzen 
Vorschaubild: © Tom Weller/dpa