DFB-Pokal-Finale: Bayern erklären ihren schnellen Abgang vor Ende der Siegerehrung

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DFB-Pokal, Finale, FC Bayern München - Eintracht Frankfurt, im Olympiastadion. Trainer Jupp Heynckes un die Spieler von Bayern München stehen nach der Niederlage auf dem Platz. Foto: Sebastian Kahnert/dpa
DFB-Pokal, Finale, FC Bayern München - Eintracht Frankfurt, im Olympiastadion. Trainer Jupp Heynckes un die Spieler von Bayern München stehen nach der Niederlage auf dem Platz. Foto: Sebastian Kahnert/dpa

Underdog Eintracht Frankfurt gewinnt den DFB-Pokal und vermiest Jupp Heynckes einen Double-Abschied beim FC Bayern. Ein nicht gegebener Elfmeter und das Verhalten der meisten Bayern-Akteure nach Abpfiff sorgen für Diskussionen.

Beim nächtlichen Bankett dankte der FC Bayern Jupp Heynckes auch ohne den erhofften Abschiedstitel gebührend. Kein Double für den Tripletrainer von 2013, der sich nach dem 1:3 gegen Eintracht Frankfurt endgültig in den Ruhestand verabschiedet. "Im Sportlerleben gehören Siege und auch Niederlagen dazu. Heute war das eine vermeidbare Niederlage", sagte Heynckes und gönnte sich einen kurzen Ausblick auf sein Leben nach der letzten Rekordmeister-Amtszeit.


Bayern-Nachfolger Niko Kovac holt mit Frankfurt den Pokal

"Mit 73 Jahren weiß man nicht, wie lange man noch zu leben hat. Ich möchte ab nächster Woche wieder mein Leben genießen", sagte Heynckes, der sich so gerne mit einem Pokaltriumph in Berlin den Ruhestand verabschiedet hat. Stattdessen gab es am Samstagabend ein 1:3 gegen seinen Bayern-Nachfolger Niko Kovac und Eintracht Frankfurt.

Es bleibt eine Saison, in der die Münchner nach der Trennung von Carlo Ancelotti unter Heynckes wieder auf Meisterschaftstouren kamen. Doch der große Coup in Europa blieb ebenso versagt wie der Pott im nationalen Cup-Wettbewerb. "Es fühlt sich an wie eine Riesenriesenniederlage und wie ein Riesenriesenmist", sagte Kapitän Thomas Müller. "Man steht mit einem Meistertitel da, der emotional schon im Februar geholt wurde - und dementsprechend ist die Ernüchterung extrem."


Salihamidzic: "Klarer Elfmeter"

Vor 74.322 Zuschauern im stimmungsvollen Berliner Olympiastadion düpierte Rebic (11. Minute) den deutschen Fußball-Meister aus München früh das erste Mal. Nach dem Ausgleich durch Robert Lewandowski (53.) sprach vieles für einen Sieg der überlegenen Bayern, bis Rebic erneut zuschlug (82.). Dass danach Schiedsrichter Felix Zwayer trotz Videobeweises nach einem Tritt von Kevin-Prince Boateng gegen Bayerns Javi Martínez nicht auf Strafstoß entschied, wurmte die Bayern.
"Das ist für mich ein ganz klarer Elfmeter", sagte Sportdirektor Hasan Salihamidzic. Kurz vor Schluss machte Joker Mijat Gacinovic dann mit seinem Schuss ins leere Tor dann alles klar (90.+6). "Den Videobeweis kann man noch deutlicher überdenken, als man es vielleicht eh schon tut", sagte Hummels nach der turbulenten Schlussphase.

Ohne weiteren Titel geht es für die Münchner am Sonntag auf den Rathausbalkon. Was als große Doubleparty geplant war, dürfte jetzt eine kurze Singlenummer werden. "Ein bitterer Gang, aber die Fans haben sich das verdient", sagte Weltmeister Müller. "Das werden wir auch noch überstehen", erklärte Heynckes mit einem Schmunzeln.


Bayern und der schnelle Abgang nach Abpfiff

Nach der Kritik, dass die Münchner Stars und ihr Trainer bei der Frankfurter Siegerehrung schon in den Katakomben verschwunden waren, betonten Heynckes und seine Führungsspieler den Respekt für die Frankfurter. Spieler und Trainer des FC Bayern bedauerten ihren schnellen Abgang aus dem Innenraum noch vor der Pokalübergabe im Nachhinein. "Da muss ich ganz ehrlich zugeben, dass in dem Moment die Spieler und ich sicher nicht dran gedacht haben", sagte Trainer Jupp Heynckes zu der Szene, die einige Kritik ausgelöst hatte. "Ich möchte das nachholen und Eintracht Frankfurt zum Pokalsieg gratulieren. Die Eintracht ist ein würdiger Pokalsieger."

Die Bayern waren - bis auf die Ersatztorhüter Manuel Neuer und Tom Starke sowie Arjen Robben - noch vor dem Ende der Siegerehrung enttäuscht in den Katakomben des Olympiastadions verschwunden. "Wenn es respektlos rübergekommen ist, tut es mir leid. Das war nicht unsere Absicht. Da war viel Enttäuschung dabei", erklärte Abwehrspieler Joshua Kimmich. Mats Hummels sagte: "Das hat wenig mit fehlendem Respekt zu tun. Ich kenne gar nicht den Knigge, wie man sich da verhält."

Reaktionen zum DFB-Pokalfinale FC Bayern - Frankfurt (1:3)

"Im Sportlerleben gehören Siege und auch Niederlagen dazu. Heute war das eine vermeidbare Niederlage. Sie haben einen unbändigen Willen gehabt, das Spiel heute für sich zu entscheiden. Da muss man einfach zwingender sein, noch mehr Biss vor dem Tor erzeugen. Das haben wir nicht gemacht und deshalb darf man sich nicht beklagen. Ich muss jetzt erstmal ein bisschen Abstand gewinnen, natürlich waren die letzten Wochen sehr stressig und arbeitsreich. Ich denke, der FC Bayern ist eine Mannschaft, die auch im nächsten Jahr erfolgreich sein kann und wird. Ich hoffe, dass der FC Bayern im nächsten Jahr wieder Meister wird und vielleicht im Pokal etwas mehr Glück hat."
(Bayern-Trainer Jupp Heynckes)

"Es ist eine Mischung aus eigenen Fehlern, die zu Gegentoren führen, und vorne von verpassten Chancen. Die Vielzahl der Chancen war da. Frankfurt hat aus drei, vier Torchancen drei Tore erzielt. Mit dem Ende nach so intensiven und auch guten acht Monaten ist die Stimmung in der Kabine natürlich am Boden. Es ist extrem bitter, ein Fazit brauchen wir jetzt noch nicht ziehen."
(Bayern-Profi Thomas Müller)

"Wir haben vorm Spiel hier gestanden und haben uns das alles ausgemalt. Der Fußball schreibt die schönsten Geschichten, das macht den Sport so interessant. Ich freue mich für diesen Club, für die Stadt und für diese tollen Fans. Man sieht, wenn man zusammensteht, kann man alles schaffen. Das hat diese Mannschaft ausgezeichnet. Ich denke, unterm Strich haben wir nicht unverdient den Pokal geholt. Ich freue mich über den Titel, aber ich bin auch traurig, dass ich gehe. Das, was wir geleistet haben, das war groß."
(Frankfurts Trainer Niko Kovac, der zur neuen Saison zum FC Bayern München wechselt)

"Das ist für mich persönlich eine brutal enttäuschende Saison. Es ist immer das Gleiche: Hinten machen wir die Fehler und vorne machen wir den Ball nicht rein."
(Bayern-Profi Joshua Kimmich)

"Mit dem Double wäre es eine gute Saison gewesen, so ist es eine ordentliche, gute, enttäuschende - irgendwie dazwischen."
(Bayern-Profi Mats Hummels)