Kulmbach
Geschichte

"Kulmbacher, das ist eure Burg!"

Auf der Plassenburg fehlen die Besucher. Denkmalschutz-Expertin Sabine Weigand bezweifelt, dass mehr Parkplätze allein das Problem lösen.
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Ernste Themen - aber die Stimmung ist gut beim Besuch von Sabine Weigand auf der Plassenburg. Unser Bild zeigt (von links) Stadtrat Hans-Dieter Herold, Robert Prawitz, die Kreisvorsitzende der Grünen und Bezirkstagsvizepräsidentin Dagmar Keis-Lechner, Stadt- und Kreisrätin Doris Stein, den Vorsitzenden der Kreistagsfraktion der Grünen, Claus Gumprecht, Kreisbaumeister Andreas Schülein, Sabine Weigand, Karin Minet vom Literaturverein (dahinter) und Weigands Mitarbeiterin Irina Falck.Foto: Katr...
Ernste Themen - aber die Stimmung ist gut beim Besuch von Sabine Weigand auf der Plassenburg. Unser Bild zeigt (von links) Stadtrat Hans-Dieter Herold, Robert Prawitz, die Kreisvorsitzende der Grünen und Bezirkstagsvizepräsidentin Dagmar Keis-Lechner, Stadt- und Kreisrätin Doris Stein, den Vorsitzenden der Kreistagsfraktion der Grünen, Claus Gumprecht, Kreisbaumeister Andreas Schülein, Sabine Weigand, Karin Minet vom Literaturverein (dahinter) und Weigands Mitarbeiterin Irina Falck.Foto: Katrin Geyer
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Was braucht die Plassenburg? Die Schlösserverwaltung sagt: Mehr Besucher. Die Stadt sagt: Mehr Parkplätze für mehr Autos.

Stellt man die gleiche Frage Sabine Weigand, ist die Antwort eine ganz andere: "Die Plassenburg braucht zuallererst einmal ein schlüssiges Gesamtkonzept!" Sabine Weigand weiß, wovon sie spricht: Seit dem Herbst sitzt die promovierte Historikerin aus Schwabach (Mittelfranken) für die Grünen im Bayerischen Landtag. Sie ist denkmalschutzpolitische Sprecherin des Landtags und hat einen Sitz im Landesdenkmalrat.

Auf Denkmaltour

Weil sie wissen will, worüber sie spricht und im Zweifelsfall auch entscheidet, ist sie derzeit auf "Denkmaltour" in ganz Bayern unterwegs.

Die Plassenburg in Kulmbach kennt Sabine Weigand schon. Immerhin hat sie über das Bauwerk, die größte Landesfestung nördlich der Alpen, ihre Doktorarbeit geschrieben. Zudem ist die Burg einer der Schauplätze ihres ersten, höchst erfolgreichen Romans "Die Markgräfin".

Was Sabine Weigand noch nicht wusste und gestern bei ihrem Besuch in Kulmbach erfuhr: Die Besucherzahlen auf der Burg bleiben hinter den Erwartungen zurück, über eine bessere Erschließung der Burg für den Individualverkehr wird diskutiert, und ein entsprechendes Gutachten, das eigentlich schon Ende 2018 fertig sein sollte, steht immer noch aus.

"Schon schwach"

Ihre Informationen erhält sie von Mitgliedern der Grünen im Kreis Kulmbach. Auch die Stadt war zum Besuch eingeladen worden, hat aber abgesagt. Das sei "schon schwach", sagt Sabine Weigand. Schließlich sei sie nicht als Parteipolitikerin nach Kulmbach gekommen, sondern als Denkmalschutz-Expertin. "Ich vertrete hier den Landtag. Da hätte ich die Meinung der Stadt Kulmbach schon gerne gehört."

Ihr erster aktueller Eindruck von der Plassenburg, die sie ja eigentlich schon kennt? "Trist und tot!" Besucher, die mit dem Plassenburg-Express kommen, stehen inmitten grauer Mauern. Kein Grün, keine Fahnen. Alles wirke ziemlich leblos, sagt Sabine Weigand.

Sie lässt sich von ihren Parteifreunden erklären, dass im Kasernenhof nur abends und im Winterhalbjahr geparkt werden darf. Und sie lässt sich bei einem kleinen Spaziergang zeigen, wo, wenn es nach der Stadt Kulmbach geht, Autos durchs hintere Burgtor zu einem großen Parkplatz auf dem ehemaligen Reitgelände rollen sollen.

Jugendherberge oder Hotel?

Ein Unding, so meint sie. "Es kommt doch kein Tourist auf die Plassenburg, weil es dort so einen schönen Parkplatz gibt."

Zunächst einmal müsse man die Burg attraktiver machen. Eine Nutzung der Gebäude im Kasernenhof kann sich Sabine Weigand vorstellen: Mit einem Hotel, einer Jugendherberge, vielleicht ja auch ein Studentenheim. Einen Weihnachtsmarkt auf dem ganzen Burggelände fände sie reizvoll.

"Da muss ein Gesamtkonzept her - unter Einbeziehung der Museen und der Veranstaltungsmöglichkeiten." Ein Teil der Museen sei "ein bisschen bieder und nicht mehr auf dem Stand der Zeit". Der Stadt, die für das Zinnfigurenmuseum und das Landschaftsmuseum Obermain zuständig ist, sei dringend zur Einstellung einer Fachkraft mit museumspädagogischer Erfahrung zu raten.

Was die Veranstaltungen angeht, erinnern Weigands Kulmbacher Parteifreunde an Aufführungen der "Buschklopfer" im Stil eines "Wandeltheaters", an die Idee, dort oben Andersen-Märchen-Festspiele zu etablieren und an anderes - alles irgendwie im Sande verlaufen. Das sich da etwas tun muss, ist den Kulmbachern klar. "Die Burg rette ich nur, wenn ich Leben rauf bringe", sagt Stadtrat Hans-Dieter Herold.

Expertise von außen

Sabine Weigand rät dazu, alle, die es betrifft, an einem Tisch zu holen und über alle Möglichkeiten zur Belebung nachzudenken. Wichtig dabei: Eine Expertise von außen. "Eine frische Draufsicht kann nie schaden."

Außerdem: Die Stadt Kulmbach muss dabei den Hut aufhaben. "Kulmbacher, das ist eure Burg! Ihr müsst euch dafür stark machen, dass da wieder Leben ist!"

Aber wie kommen die Menschen dann hinauf auf die Plassenburg? "Die Verkehrserschließung muss Teil eines Gesamtkonzeptes sein", sagt Sabine Weigand. Und findet die Anmerkung von Kreisrat Claus Gumprecht gar nicht so übel, der schon einen Lösungsvorschlag hat: Eine Seilbahn.

Zur Person: Sabine Weigand

Sabine Weigand Die gebürtige Nürnbergerin, Jahrgang 1961, hat Anglistik, Amerikanistik und Geschichte studiert und 1992 ihre Doktorarbeit über die Plassenburg geschrieben.

Die Historikerin Sie arbeitete jahrelang als wissenschaftliche Mitarbeiterin und Ausstellungsplanerin im Schwabacher Stadtmuseum und veröffentlichte in dieser Zeit etliche Fachaufsätze und Dokumentationen; u.a. war sie Mitautorin des Historischen Stadtlexikons Schwabach.

Die Autorin Ihr erster großer Roman "Die Markgräfin" erschien 2004. Die Geschichte der Markgräfin Barbara, eine Mischung aus historischen Fakten und Fiktion, spielt zum Teil auf der Plassenburg und in Kulmbach. In den Jahren danach sind etliche weitere historische Romane erschienen. Das neue Buch "Die englische Fürstin" kommt Ende August auf den Markt und soll bei einer Lesung am 14. Januar in Kulmbach vorgestellt werden.

Die Politikerin Sabine Weigand sitzt für das Bündnis 90/Die Grünen im Schwabacher Stadtrat und gehört seit 2018 dem bayerischen Landtag an. Hier ist sie denkmalschutzpolitische Sprecherin. Außerdem ist die Historikerin im Landesdenkmalrat vertreten. gey

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