Kronach
Gläubigerausschuss

TV-Hersteller Loewe: Eine letzte Entscheidung steht bevor

Der Bundestagsabgeordnete Hans Michelbach (CSU) will die Zukunft des insolventen TV-Geräteherstellers Loewe nicht im stillen Kämmerlein bestimmen lassen.
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Hans Michelbach hofft im Kampf um die Zukunft von Loewe auf einen Sieger aus China. Illustration: Carolin Neundorfer; adobe stock
Hans Michelbach hofft im Kampf um die Zukunft von Loewe auf einen Sieger aus China. Illustration: Carolin Neundorfer; adobe stock

Hans Michelbach hat sich für den 26. November sicher ein dickes, rotes Kreuz in den Kalender gemacht. Dann vermutet oder besser befürchtet er, könnte eine weitreichende Entscheidung fallen: Wie geht es mit dem insolventen Kronacher Loewe-Unternehmen weiter? Vor der am Dienstag anstehenden Gläubigerversammlung ist ihm etwas Bange, weil aus seiner Sicht eine Lösung droht, die einen endgültigen Strich unter den Standort ziehen könnte. Das will er nicht einfach hinnehmen.

In einem kurzfristig am Freitag anberaumten Pressegespräch macht CSU-Bundestagsabgeordneter Michelbach deutlich, dass er bis zur letzten Minute um Loewe in Kronach kämpfen will. "Es ist möglich, es ist keine Fata Morgana! Es gibt einen Bewerber, der Kronach als Standort erhalten möchte!", stellt er klar. Die Rede ist vom chinesischen Elektronik-Riesen Hisense.

Zwei Bieter im Rennen

Das Unternehmen ist einer von zwei Bietern, die laut Michelbach noch im Rennen sind. Bei der Bewerbung der Chinesen handelt es sich nicht nur um eine Absichtsbekundung, sondern um ein ganz konkretes, schon sehr detailliert ausgearbeitetes Angebot. Mit einem kleinen Team möchte Hisense am Standort Kronach wieder in die Produktion einsteigen, die Marke Loewe als deutsches Unternehmen erhalten und zugleich seine Forschungsabteilung von Düsseldorf hierher verlagern.

"Hisense kann eine Wertschöpfung für Kronach erzeugen", betont Michelbach. Das habe das Unternehmen in einer "sehr guten Darstellung" vermittelt (siehe Infokasten). Es könne dazu beitragen, eine lange Tradition am Leben zu erhalten und "den fleißigen Arbeitnehmern, die sich immer für Loewe eingebracht haben", wieder eine Perspektive zu bieten. Michelbach selbst wolle jetzt, da es anscheinend Spitz auf Knopf steht, noch einmal alle Register ziehen. Loewe in Kronach - das dürfe nicht einfach in Schall und Rauch aufgehen.

Deshalb appelliert er an die Mitglieder der Gläubigerversammlung, allen voran an den Hauptgläubiger Riverrock, neben allen monetären Interessen nicht die soziale Verantwortung in der Entscheidung zu vergessen. Besitz verpflichte auch, rief er in Erinnerung.

Sollte sich das Gremium nämlich für den zweiten Bieter, ein polnisches Unternehmen, entscheiden, wäre das Aus für die Traditionsmarke in Kronach besiegelt. Zwar haben sich die Verantwortlichen dieser Firma nicht auf ein direktes Gespräch mit Michelbach eingelassen, doch hat er von deren Absichten erfahren. "Diese Firma hat klar erklärt, dass sie keinerlei Aktivitäten am Standort Kronach vorsieht", so der Abgeordnete. Das Gebot ziele auf die Marke ab und gegebenenfalls darauf, sich im Maschinenpark von Loewe zu bedienen.

An diesem Punkt spricht Michelbach noch ein mögliches Mittel an, um ein drohendes Ausschlachten von Loewe doch etwas auszubremsen. In Absprache mit der Stadt - laut dem Abgeordneten ziehe Bürgermeister Wolfgang Beiergrößlein (FW) ebenfalls die Hisense-Lösung vor - werde ein Rechtsmittel geprüft. Dabei dreht es sich um das so genannte Vermieterpfandrecht. Da der Grund und Boden des Loewe-Geländes der Stadt gehört, könnte dieses Mittel unter Umständen greifen. Sollte das von gerichtlicher Seite bestätigt werden, könnte ein Ausbau und Abtransport der Maschinen aus der Kronacher Fabrik erschwert werden.

Kaum Informationsfluss

Ob ein solches Mittel überhaupt nötig ist oder die Hisense-Variante von Haus aus eine faire Chance in der Entscheidungsfindung bekommt, vermag Michelbach zurzeit nicht zu sagen. Denn während die Bundes- und Landespolitik Rückendeckung für diese Standortsicherung signalisiert, ist aus den Reihen der Gläubigerversammlung nicht viel zu hören - trotz mehrerer Anschreiben und Gesprächsangebote von Michelbach. Zwischen dem Abgeordnetenbüro und dem Insolvenzverwalter Rüdiger Weiß sei der Austausch ebenfalls überschaubar, bedauert Michelbach.

Zurückhaltung

Auch auf Anfrage unserer Redaktion hält sich die Kanzlei des Insolvenzverwalters bedeckt. "Wenn es etwas zu kommunizieren gibt, machen wir das", sagt ein Mitarbeiter der Kanzlei. Er weist darauf hin, dass es während eines Verkaufsprozesses immer Verschwiegenheitspflichten gebe. "Selbst wenn da jetzt irgendwelche Namen über Drittwege rumgekommen sind, würde ich mich nicht daran beteiligen." Auf die Fragen nach dem derzeitigen Stand der Gespräche und ob Hisense eine realistische Option ist, lautet die Antwort daher stets: "Dazu kann ich jetzt nichts sagen."

Dennoch dürfte die Wahrscheinlichkeit hoch sein, dass sich am Dienstag entscheidet, ob Loewe in Kronach noch einmal von den Toten auferstehen darf oder für immer begraben bleibt. Zumindest als Produktionsstandort. Die Insolvenzverwaltung könne niemanden zu irgendetwas zwingen, daher stehe nicht fest, ob tatsächlich eine Entscheidung fällt, es wäre aber "ungewöhnlich, wenn der Ausschuss, nicht entscheidet, wenn es etwas zu entscheiden gibt". Allerdings schiebt der Sprecher gleich hinterher, dass nicht in jeder Sitzung des Gläubigerausschusses ein Beschluss gefasst wird: "Wir haben natürlich auch regelmäßig Sitzungen nur zur gegenseitigen Information."

Ziel verfehlt

Wirklich fest steht bisher also lediglich, dass ein zu Beginn des Insolvenzverfahrens gesetztes Ziel nicht mehr eingehalten werden kann: bis zum Oktober einen Käufer gefunden beziehungsweise sich für diesen entschieden zu haben. Zwar gebe es keine fixe Frist, bis zu der dies nun geschehen soll, ewig könne sich ein Verkaufsprozess aber nicht hinziehen, betont der Sprecher von Wallner-Weiß.

Er geht jedoch davon aus, dass spätestens bis Ende des Jahres feststeht, wie es mit Loewe weitergeht. Als kleiner Produktionsstandort mit einer eigenen Forschungs- und Entwicklungsabteilung - oder als bloße Marke, die nur noch in polnischen Werken auf Fernsehgeräte gedruckt wird.

Das bietet Hisense an

Schreiben: Hans Michelbach hat Schwarz auf Weiß, dass Hisense den Standort Kronach nicht ausbeuten, sondern entwickeln möchte. Das geht aus einem "Letter of intent" (eine Absichtserklärung) des Unternehmens hervor, den der Abgeordnete beim Pressegespräch vorlegte, aber auch aus seinem Telefonat mit einem hochrangigen Vertreter der Firma. Investition: In dem Schreiben an Michelbach ist die Rede davon, dass Hisense zwölf Millionen Euro für die Marke und das geistige Eigentum von Loewe sowie weitere 15 bis 18 Millionen für die "Supply chain" (Netzwerk- beziehungsweise Logistikketten) bietet. Ziele: Im Fall eines Zuschlags plant Hisense laut Michelbach, den Standort aufrecht zu erhalten und mit einer Personalstärke von etwa 50 Mitarbeitern wieder den Betrieb aufzunehmen. Hinzu kommt, dass eine Verlagerung der europäischen Forschungs- und Entwicklungstätigkeiten von Düsseldorf nach Kronach geplant wäre. Förderung: Der Freistaat bietet am 5. Dezember ein Gespräch über eine mögliche Förderung an, falls Hisense noch Chancen auf einen Zuschlag hat. mrm

Kommentar von Marco Meißner: Der Prophet im eigenen Land

Es war die Ausgabe vom 4. Mai. "Insolvenz - Klappe, die Zweite" titelte der Fränkische Tag im Lokalteil seine Geschichte über eine (damals noch angestrebte) Sanierung von Loewe in Eigenverwaltung. Im Netz erntete diese "miesepetrige" Schlagzeile durchaus die eine oder andere kritische Stimme.

Unkenrufe und Schwarzmalerei wurden seinerzeit angemahnt. So schlecht könne es um Loewe doch nicht stehen. Die Rettung werde sicher wieder gelingen, wurde spekuliert. Nicht nur im Netz, sondern auch in den Reihen der Geschäftsführung stieß unser zugehöriger Kommentar damals sauer auf.

Die Belastung durch auslaufende Darlehen, ein fehlender Markt für die Premiumartikel, fehlender Profit und daraus resultierend der Wechsel in der Geschäftsführung wurden vom Redakteur als Argumente für ein drohendes Desaster genannt. Seine warnende Deutung der Vorzeichen: "So ist mehr denn je zu befürchten, dass am Ende [...] ein großer Name bestehen bleibt, mehr nicht ..." Ein Kommentar, dem böse Blicke und Aussagen der Betroffenen folgten - und der von ihnen ins Reich der Mythen verbannt wurde.

Heute befinden wir uns jedoch genau am befürchteten Scheideweg. Noch ein falscher Schritt und Loewe ist bis auf den Namen Geschichte. Leider hat im eigenen Land keiner auf den Propheten hören wollen.

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