Herzogenaurach
Ehrung

Herzogenauracher für seine humanitäre Arbeit in Südkorea geehrt

Der Herzogenauracher Erich Reuter hat vom südkoreanischen Botschafter die Medaille "Botschafter des Friedens" verliehen bekommen.
Artikel drucken Artikel einbetten
Der Herzogenauracher Erich Reuter wurde vom koreanischen Botschafter Dr. Bum Goo Jong am Donnerstag mit der Medaille "Botschafter des Friedens" ausgezeichnet. Foto: Franziska Rieger
Der Herzogenauracher Erich Reuter wurde vom koreanischen Botschafter Dr. Bum Goo Jong am Donnerstag mit der Medaille "Botschafter des Friedens" ausgezeichnet. Foto: Franziska Rieger
Ein wenig zurückhaltend schaut sich Erich Reuter im Raum um, sein Blick wandert zwischen den Besuchern hin und her. So ganz geheuer ist es ihm nicht, dass er heute im Mittelpunkt steht, eigentlich hatte er gar keine Presse gewollt. Denn der Herzogenauracher wurde am Donnerstag für sein Engagement als ehemaliger Rot-Kreuz-Helfer geehrt: Der südkoreanische Botschafter Bum Goo Jong hat Reuter mit der Medaille "Botschafter des Friedens" ausgezeichnet. Zwischen 1958 und 1959 arbeitete Reuter in einem DRK-Krankenhaus in Busan (Südkorea) als Röntgen-Techniker.


Botschafter bedankt sich

Für diesen humanitären Einsatz zeigte sich Botschafter Jong dankbar: "Korea hat niemals die Bemühungen und die Mitarbeit vergessen", betont Jong. "Die Deutschen haben uns gezeigt, dass sie zur Hilfe bereit sind. Dafür sind wir sehr dankbar", sagt der Botschafter.

Sichtlich gerührt nahm Reuter die Medaille, eine Dankurkunde und eine Bildercollage aus seiner Zeit in Korea entgegen. Dabei betonte er immer wieder: "Ich werde stellvertretend für alle Helfer geehrt." Alle, die im Krankenhaus eingesetzt waren, verdienen diese Auszeichnung. Seine 90 Jahre merkt man Reuter nicht an, mit geradem Rücken steht er neben dem Botschafter.

An die Zeit von damals erinnert er sich noch gut: Von seinem damaligen Arbeitgeber Siemens bekam Reuter die Anfrage, nach Südkorea zu gehen. "Es war Kriegszeit. Da habe ich schon ein bisschen geschwankt", erzählt der 90-Jährige. Als Delegierter des DRK sei er dann als Röntgen-Techniker nach Korea geschickt worden. Schon allein die Anreise sei abenteuerlich gewesen. In einer Propellermaschine ist er nach Südkorea geflogen.


Als Röntgen-Techniker in Korea

Von 1958 bis 1959 war er im DRK-Krankenhaus als Röntgen-Techniker tätig. "Ich war sehr angesehen bei den Ärzten", erinnert sich Reuter. Nachdem das Hospital im März 1959 geschlossen wurde und das Pflegepersonal nach Deutschland zurückkehrte, blieb er in Korea. Sein Anliegen war es, die medizinischen Geräte für Studienzwecke an die Universität Busan zu überführen und wieder in Betrieb zu nehmen.

Noch heute ist Korea den Rot-Kreuz-Helfern für deren Arbeit in Busan dankbar. Die koreanische Botschaft in Deutschland möchte an die Unterstützung und die Verdienste der deutschen Ärzte und Krankenschwestern nach dem Koreakrieg erinnern. Deshalb forschte die Botschaft, ob noch Helfer am Leben sind, die damals im DRK-Krankenhaus arbeiteten.

Anlässlich seines Deutschlands-Besuchs im Juli 2017 dankte der koreanische Staatspräsident Moon-Jae-In den ehemaligen medizinischen Entwicklungshelfern. Bei diesem Treffen erfuhr der Präsident von zwei weiteren Kollegen, deren Existenz der koreanischen Botschaft bis dahin unbekannt war - einer davon war Erich Reuter.

Selbst der BRK Kreisverband Erlangen-Höchstadt wusste lange Zeit nichts von dem Herzogenauracher und seinen Leistungen in Südkorea, wie Rettungsdienst-Leiter Thomas Heideloff berichtet. Erst durch Günther Geiger, Leiter des Kompetenzzentrums für die internationale Arbeit im BRK, sei man in Herzogenaurach auf Reuter aufmerksam geworden. Die Expertise von Reuter sei Voraussetzung für die Arbeit im Krankenhaus gewesen, betont Geiger. Die Auszeichnung sei "eine Anerkennung für die Arbeit des DRK in Korea", sagt Geiger.

Humanitäre Hilfe im DRK-Krankenhaus in Busan
Gründung Zwischen 1954 und 1959 betrieb das Deutsche Rote Kreuz (DRK) fünf Jahre lang in Busan ein Krankenhaus. Beim deutsch-amerikanischen Gipfeltreffen im April 1953 unterbreitete Bundeskanzler Konrad Adenauer den Vorschlag, Korea durch das Betreiben eines Feldlazaretts zu unterstützen. Noch während das Krankenhaus eingerichtet wurde, endete der Koreakrieg 1953 durch ein Waffenstillstandsabkommen.
7
Eröffnung Am 17. Mai 1954 konnte das DRK-Krankenhaus nach einjähriger Vorbereitung auf dem Gelände der ehemaligen Frauenoberschule in Busan eröffnet werden. 80 deutsche Ärzte und Krankenschwestern nahmen gemeinsam mit 21 koreanischen Kollegen ihre Arbeit auf.

Arbeit In den fünf Jahren bis zu seiner Schließung waren 117 deutsche Ärzte, Zahnärzte, Apotheker, Krankenschwestern und Verwaltungskräfte und 150 koreanische Mitarbeiter im Hospital tätig. Rund 230 000 Patienten wurden in der Zeit ambulant und 22 000 Patienten stationär behandelt. Fast 16 000 Operationen wurden durchgeführt, rund 6000 Kinder kamen dort auf die Welt.

Quelle: "Entwicklungshilfe: Humanitärer Einsatz im Kalten Krieg" im Deutschen Ärzteblatt fr
was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren