Bamberg
Bevölkerung

Flüchtlinge und Uni: Bambergs Einwohnerzahl steigt

Flüchtlinge, Uni und neue Wohnangebote bewirken, dass Bambergs Einwohnerzahl stürmisch wächst. Das lässt die Steuereinnahmen sprudeln wie noch nie, verknappt aber auch den Wohnungsmarkt.
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Attraktiv war Bamberg schon immer: Doch erst in den letzten drei Jahren stieg die Bevölkerungszahl stürmisch an.  Foto: Ronald RInklef
Attraktiv war Bamberg schon immer: Doch erst in den letzten drei Jahren stieg die Bevölkerungszahl stürmisch an. Foto: Ronald RInklef
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Fast ist es wie der Aufstieg in eine neue Liga. Jahrzehntelang galt Bamberg als die Stadt mit 70 000 Einwohnern; mal lag sie unter dieser psychologisch wichtigen Marke, dann wieder drüber. Doch jetzt müssen sich alle umgewöhnen: Die neuesten Bevölkerungszahlen zeigen, dass die Stadt an der Regnitz stürmisch wächst. Selbst die 75 000-Einwohner-Marke ist in erreichbare Nähe gerückt.

Es ist nicht bekannt, ob im Rathaus die Sektkorken geknallt haben, als letzte Woche das Landesamt für Statistik seine aktuellen Zahlen bekannt gab. Denkbar wäre es gewesen, denn seit der Gebietsreform 1972 hat Bamberg bei den Einwohnerzahlen keine solchen Sprünge mehr hingelegt. Vom Stichtag 31. Juni 2014 bis zum Stichtag 31. Juni 2015 wuchs die Bevölkerung um über 1000 auf 72 491. Zum Vergleich: Die Nachbarstadt Bayreuth hat nur einen leichten Aufwärtstrend - von 71 166 auf 71 330 stieg hier die Kennziffer.

Die eigene Fortschreibung der Zahlen durch die Bamberger Verwaltung ist aktueller: Zum 31. Dezember 2015 sollen bereits 73 352 Menschen in Bamberg gelebt haben.


Boom kommt auch beim Finanzamt an

Mehr Einwohner in einer Stadt - das beflügelt die Wirtschaft und kommt über zusätzliche Schlüsselzuweisungen auch der Allgemeinheit zu Gute. Selbst das Finanzamt bekommt den Boom mit. So stieg das Steueraufkommen in Stadt und Landkreis Bamberg 2015 um vier Prozent auf 944 Millionen Euro - ein sehr guter Wert, sagt Amtsleiter Heribert Zankel.

Für Kommunalpolitiker sind steigende Einwohnerzahlen alles andere als selbstverständlich: "Das ist natürlich ein glänzendes Signal, wenn Bamberg als Schrittmacher einer ganzen Region in Erscheinung tritt. Anderswo in Oberfranken hat man mit der gegenteiligen Entwicklung zu kämpfen", sagt Bambergs Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD). Er geht davon aus, dass Bamberg schon in zwei bis drei Jahren die 75 000 Einwohner-Marke überschreiten könnte.

Unrealistisch ist diese Einschätzung nicht. Denn zum Aufschwung bei den Einwohnerzahlen tragen mindestens vier Faktoren bei, die auch weiterhin Zuwächse verheißen. Dies, obwohl die Zahl der Todesfälle in Bamberg auch in absehbarer Zeit die Geburtenzahl übersteigen dürfte.


Vier Faktoren für die steigende Bevölkerung in Bamberg


1) Der Zuzug durch Flüchtlinge hält an. Zwar ist die Zahl der Migranten, die in Bamberger Gemeinschaftsunterkünften leben, wegen des Rückführungszentrums derzeit bei rund 800 eingefroren. Doch bei Wegzug oder Anerkennung der Asylbewerber werden die freien Plätze aufgefüllt. Wie hoch der Anteil der Ausländer am Bevölkerungsplus ist, lässt sich durch den Vergleich von Zu- und Wegzügen belegen. 2015 sind nach Darstellung der Stadt 2417 Ausländer zugezogen und nur 1342 weggezogen.

2) Die Universität bleibt ein Motor der Entwicklung. Mit 13 378 Studierenden im Wintersemester 2015/2016 trug sie auch im vergangenen Jahr zur Entwicklung bei. Und weil nur etwa ein Drittel der Studierenden mit Erstwohnsitz in Bamberg angemeldet ist, will OB Starke die Anreize dafür ausbauen. Derzeit winkt Erstsemestern ein Geschenkgutschein.

3) Neue Wohnangebote ziehen die Menschen in die Stadt. Für Hans-Jürgen Greiner-Fuchs vom Amt für Statistik ist es kein Zweifel, dass die immer noch vorhandenen Wanderungsverluste Richtung Landkreis etwas mehr als früher eingedämmt werden konnte, einfach weil es mehr Wohnungen gab. Dazu zählt er die Bauten auf der Erba-Insel und bei Schaeffler, aber auch die Nato-Siedlung. Und für die nächsten Jahre sind auf der Erba-Insel weitere Wohnungen für 200 Menschen, in der Wunderburg für bis zu 300 Menschen geplant. Dazu kommen unter anderem die neuen Stadtbauwohnungen am Föhrenanger und das Projekt auf dem Megalith-Gelände in Gaustadt. Schwer abzuschätzen, was mit einem großen Batzen der Konversionswohnungen in Bamberg möglich gewesen wäre: "Wir erleben einen überdurchschnittlichen Trend der Menschen in die Stadt zu ziehen", sagt der OB.

4) Neue Einwohner sind schon auf dem Sprung: Mit der Eröffnung des Brose-Kompetenzzentrums im März und der Schule der Bundespolizei im September geht der Zustrom kräftig weiter. Weit über 1000 neue Menschen werden alleine mit diesen beiden Ansiedlungen in Bamberg arbeiten und lernen.

Dass die Statistik nicht nur auf dem Papier besteht, kann jeder in der Stadt erleben. Die Straßen sind voll, auch das Verkehrsnetz teilweise an seinen Grenzen angelangt. Vor allem: "Wir brauchen unbedingt neue Wohnungen", sagt Rechtsanwalt Thomas Kliemann vom Mieterverein Bamberg. Häufig macht der Mieterschützer die Erfahrung, dass finanzschwächere Familien monatelang suchen müssen, ehe sie eine Bleibe finden.


Ein Paket von Herausforderungen

Auch Bambergs OB nimmt die Signale ernst. Er spricht von einer Wohnungsoffensive und will aus dem Förderprogramm Wohnungspakt Bayern das Maximum herausholen. Ein ganzes Paket von Herausforderungen steht vor den Verantwortlichen: Starke nennt Kinderbetreuungsplätze, das Bildungsangebot und vor allem auch die Arbeitsplätze. "Wir wollen, dass anerkannte Asylbewerber möglichst schnell in den Arbeitsmarkt integriert werden."


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