Bad Kissingen
Kurgeschichte

Zuerst war's Café Lohengrin

Vor 150 Jahren begann die wechselvolle Geschichte eines großen Hauses. Aber immer wieder wechselte die Frankenparkklinik ihren Namen und ihre Funktion.
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Versorgungskuranstalt, Kurlazarett, Versehrtenkrankenhaus, dann wieder Versorgungskuranstalt, heute Frankenparkklinik - verschiedene Namen gab es über 150 Jahre für dasselbe Gebäude. Foto: Frankenparkklinik
Versorgungskuranstalt, Kurlazarett, Versehrtenkrankenhaus, dann wieder Versorgungskuranstalt, heute Frankenparkklinik - verschiedene Namen gab es über 150 Jahre für dasselbe Gebäude. Foto: Frankenparkklinik
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Alte Postkarten mit Ansichten der einstigen Versorgungskuranstalt zeigen die unverkennbare Fassade der heutigen Frankenparkklinik. Die Geschichte dieses Gebäudes reicht 150 Jahre zurück. Erste Spuren der Bebauung datieren in das für Kissingen geschichtsträchtige Jahr 1866. Damals stand auf diesem Terrain das Café Lohengrin, später nach dem Pächter auch Café Lieb benannt. Dieses frühere Terrassen-Café stand damals in der Bismarckstraße 7, heute trägt das Gebäude die Hausnummer 70. Es war ein beliebtes Ausflugs-Café.


Königliches Militärkurhaus

Quasi vor der Haustür führte schon damals ein Steg über die Saale, der das Schicksal dieser Stadt vor 150 Jahren prägte. Über diese kleine Brücke drangen die Preußen in die Stadt ein. Die Erinnerung an dieses Ereignis manifestiert sich im Namen: "Preußensteg".

Informationen über das Café Lohengrin liegen dem Bad Kissinger Stadtarchiv nicht vor. Einige Daten finden sich in der Festschrift zur Eröffnung der Parkklinik im Jahr 1996. Einen bescheidenen Fund macht man im Hessischen Staatsarchiv Darmstadt: Dort ist eine Postkarte mit Ansicht von Café und Restaurant und Villa Lohengrin archiviert. Die Postkarte mit zwei Bildern ist am 24. August 1906 gestempelt.

Die Geschichte der Frankenparkklinik beginnt im Jahre 1912: Neben dem Café Lohengrin (Bismarckstraße 7) wurde auf dem Gelände Bismarckstraße 7a ein königliches Militärkurhaus errichtet. Am 1. April 1914 fand die Einweihung statt. Noch im gleichen Jahr wurde es in "Kgl. Reserve-Lazarett" umbenannt. Die dritte Namensänderung erfolgte nach Kriegsende. Ab Oktober 1918 ist die amtliche Bezeichnung "Bayerische Genesungsanstalt Bad Kissingen".

Auch das Café Lohengrin nebenan wurde umbenannt, und zwar nach dem Pächter Jakob Lieb in "Lieb's Terrassen". Der ließ 1920 eine neue Café-Küche bauen. Eigentümer soll damals David Bychowsky, ein reicher Privatier aus Riga, gewesen sein. Der ließ das ehemalige Café zu einem herrschaftlichen Wohnhaus umbauen.
Ende der 1920er-Jahre schließt "Lieb's Terrassen-Café". Das gesamte Areal wird der Genesungsanstalt, die inzwischen in "Versorgungskuranstalt" umbenannt wurde, angegliedert. Auf dem ehemaligen Gelände des David Bychowsky wird ein Wohnhaus für den Leitenden Arzt gebaut.

Die fünfte Namensänderung erfolgte in den 30er-Jahren in "Heeres-Kurlazarett". Während des Zweiten Weltkrieges wird die Einrichtung als "Versehrtenkrankenhaus" geführt. Hier wurden viele Verwundete behandelt. In den Nebengebäuden wurden kinderreiche Familien untergebracht. Als sich die Lage normalisierte, zog die Verwaltung in die Villa. Die Hausnummern wurden geändert. Im Zuge einer Umorganisation der Versorgungskuranstalt wurde das Haus 1978 geschlossen.

Fast 20 Jahre stand alles leer, bis Bauunternehmer Rudi May (Würzburg) das Gebäude zu einer Fachklinik für Gynäkologische Rehabilitation, Prävention und Anschlussheilbehandlung umbaute. Die Park-Klinik ging nach zweijähriger Bauzeit 1996 in Betrieb.


Konzept ging nicht auf

Jedoch das Konzept dieser Rehaklinik für Frauenheilkunde ging nicht auf. Schon nach zwei Jahren wurde das Konzept geändert - es entstand die Frankenparkklinik jetzt mit dem Fachbereich Orthopädie. 1998 übernahm die Unternehmensberatung Ostermann Pott & Cie mit Sitz in Bonn die Geschäftsführung. Es folgten umfangreiche Umbaumaßnahmen, so dass die Fachbereiche Onkologie (2002) und Klinische Geriatrie (2004) aufgenommen wurden.

Schwerpunkte heute sind Innere Medizin, Orthopädie und Geriatrie. Die Klinik in der Bismarckstraße hält für ihre Patienten insgesamt 184 Einzel- und fünf Doppelzimmer vor.


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