Seubrigshausen
Fünfte Jahreszeit

Seubrigshausen steht wieder kopf

In dem Münnerstädter Stadtteil wird seit 44 Jahren Fasching gefeiert. Helmut Appel ist von Anfang an dabei. Die Jubiläumssitzungen gehen am 23. und 24. Januar über die Bühne.
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Narrengruß während einer Faschingssitzung in Seubrigshausen.Foto: Archiv Appel
Narrengruß während einer Faschingssitzung in Seubrigshausen.Foto: Archiv Appel
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Seit 44 Jahren werden in Seubrigshausen Faschingsfeiern organisiert. Damit gehört der Münnerstädter Stadtteil zu zehn Orten im Landkreis Bad Kissingen, die am längsten Faschingssitzungen veranstalten. Untrennbar mit der "Serwichhäuser Fosenocht" ist der Name Helmut Appel verbunden. Der 62-Jährige ist ein waschechter Seubrigshäuser und seit 1983 am Beruflichen Schulzentrum in Amberg als Abteilungsleiter für die kaufmännischen Berufe tätig. "Der Bezug zu meinem Heimatdorf ermöglicht es, dass ich die Begebenheiten erfahren und verarbeiten kann", sagt Appel.
Früher jährlich, jetzt im Zwei-Jahres-Turnus, stellt er mit vielen Faschings-"Oldtimern" und jungen Talenten in seinem Heimatort ein buntes Programm zusammen. Er lobt in höchsten Tönen den Teamgeist, die Harmonie und die Professionalität der vielen Akteure. "Diese Eigenschaften waren und sind der Garant dafür, dass wir 44 Jahre unsere Fastnacht auf diesem Niveau feiern können", sagt Appel.
Insgesamt sorgten bislang mehr als 220 Akteure für circa 400 Auftritte auf der Bühne. Auch in diesem Jahr reicht das Alter der Aktiven von vier bis 70 Jahre. Viele zählen schon seit den 1980er und 1990er Jahren zum "Stammpersonal". Stellvertretend möchte Appel nur einige nennen: Gudrun Potschka, Edith Appel, Diethard Klöffel, Reinhard Schneider, Reinhold Hornung, Anna Schwarz, Erika Müller oder Christian Gehring. Werner Schmitt ist immer für ein grandioses themenbezogenes Bühnenbild gut.
"Als die ,Serwichhäuser Fasenacht‘ 1970 von der Freiwilligen Feuerwehr unter den Kommandanten Edmund Markert und Viktor Klöffel aus der Taufe gehoben wurde, war ich gerade mal 17 Jahre alt. Als Schriftführer und Gymnasiast war ich damals schon für das Programm zuständig, was sich bis heute fortgesetzt hat", erzählt Appel. In den ersten Jahren wurden die Sitzungen im Saal des Gasthauses "Zum Goldenen Schwan" abgehalten.

"Entwicklungshilfe"

Die damals obligatorischen Kappen zu besorgen und die heimische Musikkapelle "Schmöger" zu verpflichten, das waren die geringsten Probleme. Aber wie und mit welchen Themen sollte man die Seubrigshäuser erheitern, die damals noch "Faschingsmuffel" gewesen seien? Die Organisatoren erkundigten sich in der Umgebung, um das Vorhaben umzusetzen. Markert ließ seine Beziehungen nach Großbardorf spielen und konnte den späteren Bürgermeister Artur Kilian überreden, seine dort gesammelten Erfahrungen einzubringen und somit "Entwicklungshilfe" für Seubrigshausen zu leisten.
Jedes Jahr mussten die geeigneten Büttenredner "weichgeklopft" werden, manchmal erst wenige Tage vor ihren Auftritten. Appel sagt schmunzelnd: "Improvisation war oftmals Trumpf. Wenn jemand kurzfristig ausfiel, las ich ein Stück aus einem Karl-Valentin-Buch vor oder es fanden sich Mutige, wie zum Beispiel Albin Schlereth, der aus dem Stegreif ein paar Kalauer und Witze zum Besten gab oder Viktor Appel, der spontan auf seinem Schifferklavier spielte."
Auch einige gute Musiker aus Großwenkheim sorgten anfangs für lustige Einlagen. Was niemand erwartet hatte: "Das Seubrigshäuser Publikum im überfüllten Tanzboden erwies sich als dankbar und entpuppte sich als Garant für echte Stimmung und spornte die aufgeregten Neulinge auf der Bühne zu Höchstleistungen an", sagt Appel. Feuerwehr und Sportverein wechselten sich anfangs als Veranstalter ab. Seit 1982 laufen die Sitzungen unter dem Dach der DJK, deren Sportheim-Halle sich seitdem als Faschingshochburg erweist. Also Platz in Hülle und Fülle? Denkste! Schon nach wenigen Jahren platzte auch diese Räumlichkeit aus allen Nähten, sodass immer zwei, zeitweise sogar drei Veranstaltungen abgehalten werden müssen, quasi die Anerkennung für das immer anspruchsvollere Fünf -Stunden-Programm, gespickt mit Tänzen, Gesang und Büttenreden.
"Hier erlebt der Faschingsfreund nicht eine Kopie der großen rheinischen Hochburgen, sondern eine eigenständige fränkische Dorf-Fasenacht - ohne Elferrat - und das soll auch so bleiben", sagt Appel. Lokale Begebenheiten und die fränkische Eigenart und Sprache sind seit 44 Jahren Grundlage der Erfolgsgeschichte.
Seit der Eingemeindung in die Stadt Münnerstadt ist diese "Narrhalla am Affenhügel" das Ziel vieler Faschingsnarren, frei nach dem Motto: "Das Beste an Mürscht ist, dass der Bus nach Seubrigshausen fährt". Oder man nimmt sich auch selbst auf den Arm: "Seubrigshausen ist dem Himmel sehr nah - es wohnen immer mindestens drei Pfarrer da". Ein handgefertigter Faschingsorden mit Seubrigshäuser Motiven wird seit 1984 verteilt. Für die Jubiläumssitzungen am 23. und 24. Januar dürfen sich die Gäste auf ein besonderes Programm mit vielen Überraschungen einstellen. Nur so viel sei verraten: "Seubrigshausen hebt (sich) ab".


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