Bad Kissingen
Musikwettbewerb

Dichtes Gedränge um das Siegerpodest beim Bad Kissinger KlavierOlymp

Die Entscheidung war nicht ganz einfach: Der Gewinner des Bad Kissinger KlavierOlymps kommt aus Sevilla.
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Nach der Entscheidung beim Bad Kissinger KlavierOlymp: Unser Bild zeigt (v.l.) Lukasz Krupinski, Aris Alexander Blettenberg, Juan Pérez Floristan und James Martin Bartlett sowie Samira Spiegel und Marie Sophie Hauzel.  Foto: Gerhild Ahnert
Nach der Entscheidung beim Bad Kissinger KlavierOlymp: Unser Bild zeigt (v.l.) Lukasz Krupinski, Aris Alexander Blettenberg, Juan Pérez Floristan und James Martin Bartlett sowie Samira Spiegel und Marie Sophie Hauzel. Foto: Gerhild Ahnert

Am Sonntag gegen 20.45 Uhr fiel im Rossini-Saal die Entscheidung: Der Gewinner des Kissinger KlavierOlymps 2018 stammt aus Sevilla: Juan Pérez Floristán. Die Jury entschied sich für den 25-jährigen Pianisten aus Spanien aufgrund seiner hohen pianistischen Souveränität und seiner absoluten interpretatorischen Stringenz, die über sein gesamtes in Bad Kissingen gespieltes Programm hinweg zum Tragen kam. Der 2. Preis ging an Martin James Bartlett (22) aus Großbritannien, dessen großer romantischer Ton, Humor und pianistische Brillanz überzeugt haben. Lukasz Krupinski (26) aus Polen wurde der 3. Preis zuerkannt. Hier waren die Vielfalt an Klangfarben und die Poesie in der Darstellung des romantischen Repertoires für die Jury entscheidend. Urkunden bekamen auch Samira Spiegel (24), Marie Sophie Hauzel (17) und Aris Alexander Blettenberg (24) - alle drei aus Deutschland. Der Publikumspreis - er wird von den Besuchern vergeben, die alle sieben Konzerte gebucht und mit den Tickets eine Stimmkarte bekommen hatten - ging an James Martin Bartlett.

Die Jury mit Intendant Dr. Tilman Schlömp, Musikmanagerin Xenia Groh-Hu (Berlin), Ulrich Hauschild, Musikdirektor des Palais des Beaux Arts in Brüssel und den beiden Journalisten Felix-Mario Vogt (Berlin) und Thomas Ahnert (Bad Kissingen) hatte keine leichte Aufgabe. Denn obwohl die Altersspanne der Teilnehmer von 17 bis 26 Jahre erheblich größer war als im vergangenen Jahr, lagen die musikalischen Kompetenzen auf sehr hohem Niveau sehr dicht beieinander. Was für das Publikum natürlich eine spannende Angelegenheit war, war für die Juroren ein harter Brocken. Wenigstens wurde die Entscheidung durch das Wissen erleichtert, dass alle sechs jungen Leute im nächsten Kissinger Sommer wiederkommen werden.

Freie Wahl und Pflicht

Wie immer konnten die Teilnehmer das Programm ihres Solorecitals selbst zusammenstellen und so ihre "starken Stücke" spielen. Allerdings mussten sie zwei Bedingungen erfüllen. Zum einen war ein Werk von Ludwig van Beethoven oder Wolfgang Amadeus Mozart Pflicht - wobei Beethoven dieses Jahr mit 5:1 die Nasse deutlich vorne hatte. Zum einen lassen sich da sehr schnell Stärken und Schwächen der Interpreten erkennen. Zum anderen sind so gute Vergleichsmöglichkeiten gegeben. Die andere Bedingung wurde im letzten Jahr aufgrund der Beobachtung eingeführt, dass sich die jungen Leute gerne auf das romantische Repertoire fokussierten, dass die Musik des 20. und 21. Jahrhunderts dadurch mehr oder weniger unter den Tisch fiel. So war auch ein Werk Pflicht, das nach 1950 komponiert wurde.

Daher war nicht nur interessant, was die jungen Leute spielten, sondern auch, was sie nicht spielten. So waren Frédéric Chopin und Franz Liszt weiter auf dem Rückzug - beide waren nur mit einer kurzen Komposition bzw. Bearbeitung vertreten. Dafür kamen unter anderem die französischen Impressionisten weiter nach vorne. Und Felix Draeseke, Modest Mussorgski und Alexander Skrjabin feierten ihr Debüt beim KlavierOlymp.

Bei der zeitgenössischen Musik war es interessant, dass drei der Teilnehmer bei György Ligeti fündig geworden waren und alle drei zeigen konnten, wie spannend und auch unterhaltsam und keineswegs spröde-konstruiert dessen Klaviermusik ist. Im Übrigen war ein Phänomen in fast allen Konzerten zu beobachten, das in der Vergangenheit höchst selten war: Der Applaus zwischen zwei Werken fiel aus. Nicht, weil es nichts zu beklatschen gegeben hätte. Sondern weil die Spannung so stark war, dass sich niemand traute, die Stille zu zerstören - auch ein Kompliment für die Interpreten.

Alle auf Nummer sicher

Beim Schlusskonzert am Sonntag Abend stellten sich alle Teilnehmer noch einmal mit einem Kurzprogramm dem Publikum vor. Und es war das erste Mal, dass alle sechs auf Nummer sicher gingen und noch einmal Werke aus ihren Solorecitals spielten. Das Risiko des Neuen wollte niemand eingehen.

Was Tilman Schlömp und auch Bürgermeister Thomas Leiner, die die Besucher im Auftakt- und im Schlusskonzert begrüßten, natürlich freute, war die gestiegene und stabilisierte Resonanz des Publikums beim Kissinger KlavierOlymp 2018. Die Zahlen bestätigen sie da: 837 Besucher kamen zu den sieben Konzerten - das ist ein neuer Rekord. Das Abschlusskonzert war mit 280 Besuchern praktisch ausverkauft. Das bedeutet, dass im Durchschnitt 91 Zuhörer zu den Solorecitals kamen - auch das ist ein deutlicher Anstieg. Erhöht hat sich auch die Zahl der Gesamtabonnements: 34 Besucher buchten alle sieben Konzerte und konnten so auch bei der Vergabe des Publikumspreises mitwirken. Erfreulich, dass immer mehr Abonnenten nicht in Bad Kissingen wohnen, sondern teilweise von weit her anreisen.

Wiedersehen im nächsten Jahr

Wie geht es mit dem Sextett weiter? Juan Pérez Floristán wird beim Kissinger Sommer 2019 am Sonntag, 16. Juni, als Solist mit dem Kammerorchester des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks unter der Leitung von Radoslaw Szulc musizieren. Mit den fünf anderen wird es am Dienstag, 18., und Mittwoch 19. Juni im Rossini-Saal ein Wiedersehen und -hören geben. Auch im nächsten Jahr wird für die KlavierOlympioniken wieder ein Meisterkurs veranstaltet, und zwar am 17., 18. und 19. Juni, jeweils um 16 Uhr im Weißen Saal. Dozent ist dann der französische Pianist Cyprien Katsaris, der seine Erfahrungen an den Nachwuchs weitergeben wird. Darüber hinaus gibt Juan Pérez Floristán im Rahmen von Kooperationen Solorecitals im Steinway-Haus Frankfurt und beim Beethovenfest Bonn.

Noch ein Hinweis: Der Bayerische Rundfunk hat das Abschlusskonzert wie in den letzten Jahren aufgezeichnet. Es wird am Samstag, 10. November, um 15 Uhr in BR Klassik ausgestrahlt.



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