Bad Kissingen
Neue Altstadt

Bad Kissingen: Kanalstück steht kurz vor Einsturz

Seit Jahren laufen die Vorarbeiten für die Kanalsanierung unter der Altstadt. Wie marode die Kanäle zum Teil sind, zeigt sich jetzt in der Turmgasse. Dort ist eine Stelle akut einsturzgefährdet, die Stadt muss handeln.
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Der Kanal unter der Turmgasse ist an einer Stelle einsturzgefährdet und muss  saniert werden. Benedikt Borst
Der Kanal unter der Turmgasse ist an einer Stelle einsturzgefährdet und muss saniert werden. Benedikt Borst
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Die Turmgasse stellt die Techniker, die das Projekt Neue Altstadt planen, ganz gerne vor Herausforderungen. Da ist zum Beispiel das Feuertürmle, das im 14. Jahrhundert als Teil der Stadtmauer gebaut wurde. Bei den Voruntersuchungen für das Großvorhaben Kanalsanierung in der Altstadt stellten die Planer schon vor einigen Monaten fest, dass der Turm nicht gerade steht, sondern sich leicht nach Südosten neigt. Zudem gründet der Turm mit einem Fundament von vermutlich 1,50 Metern nicht allzutief im Boden. Wie der Kanal in der Turmgasse dann einmal saniert werden soll, daran wird immer noch getüftelt. "Da ist noch nichts entschieden", sagt Julian Hergenröther vom Projektteam des städtischen Tiefbauamts.

Risse auf der oberen Seite

Jetzt ist in dem sensiblen Bereich ein neues Problem dazugekommen, das schleunigst behoben werden muss. "Wir haben einen großen Schaden im Kanal nahe am Turm festgestellt. Wir wissen nicht, wie lange das noch hält", berichtet er. Der Schaden sei zufällig bei einer Kanalbefahrung im Sommer entdeckt worden. Das Kanalrohr ist auf einer Länge von etwa einem Meter auf der oberen Seite gerissen und droht einzustürzen. Der Kanal könnte dadurch verstopfen und Abwasser ins Erdreich gelangen. Im schlimmsten Fall unterspült das Abwasser den Kanal weiter, es entstehen Hohlräume, die das Rohr komplett zum Zusammenbruch bringen. "Um das zu verhindern, werden wir einen Kurzliner setzen lassen", erklärt der Bautechniker.

Aufbaggern vermeiden

Das Tiefbauamt sieht sich gezwungen, schnell zu handeln. Würde der Kanal einstürzen, wäre der Schaden zwar immer noch reparabel, allerdings müsste die Baufirma den Boden aufgraben. Das ist nicht nur aufwendiger und teurer, sondern auch für die anliegenden Häuser riskanter. Weil der Kanal in fünf Metern Tiefe liegt und die Turmgasse nur gut 3,50 Meter breit ist, besteht die Gefahr, dass die Gebäude im wahrsten Sinne des Wortes in Schieflage geraten. Hergenröther: "Wir können nicht einfach aufgraben".

Am kommenden Dienstag, 12. November, flickt eine Fachfirma die beschädigte Stelle. "Beim Kurzliner-Verfahren wird eine Glasfasermatte mit Silikatharz getränkt", erläutert der Tiefbauer. Diese Matte wird anschließend um einen sogenannten Packer gewickelt. Den bringt die Fachfirma ferngesteuert an die Schadstelle. Der Packer bläst sich auf und drückt so die Glasfasermatte von innen an das Rohr. "Nach zwei bis drei Stunden ist das Material ausgehärtet und der Packer wird wieder herausgezogen", sagt Hergenröther. Und der Kanal ist wieder dicht.

Durchgang für Fußgänger

Die Reparatur dauert voraussichtlich einen Tag. Die Stadt weist darauf hin, dass die Zufahrt währenddessen eingeschränkt ist. Für den Lieferverkehr kann die Ludwigstraße und Brunnengasse genutzt werden. Der Durchgang für Fußgänger ist möglich.

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