Treuestrafe beim Strompreis: Millionen Haushalte in Deutschland betroffen
Autor: Klaus Heimann
, Samstag, 07. November 2026
Viele Stromkunden in Deutschland zahlen unnötig hohe Preise, weil sie ihrem Anbieter treu bleiben. Eine Studie zeigt, dass vor allem Geringverdiener und ältere Menschen von der sogenannten Treuestrafe betroffen sind.
Wenn ein Strom-Vertrag zu teuer wird oder ein besserer auf den Markt kommt (gleiches gilt übrigens für Gas- und Internetanbieter), sollten Verbraucher den Anbieter wechseln um so Geld zu sparen. Dieses Grundprinzip wird allerdings von zu wenigen Deutschen genutzt, dies zeigt eine gemeinsame Untersuchung des Lehrstuhls für Energiesystemökonomik der renommierten Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule (RWTH) in Aachen und von Octopus Energie (nach eigenen Angaben über eine Millionen Kunden in Deutschland).
Besonders betroffen sind davon Verbraucher mit niedrigem Einkommen, ältere Menschen und Mieter: "Das trifft leider oft genau die Menschen, die es sich am wenigsten leisten können", kommentiert Bastian Gierull, Chef von Octopus Energy Germany, die Ergebnisse (Octopus Energie: Loyale Stromkunden zahlen 11 Mrd. Euro zu viel).
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Strompreis: Was ist die "Treuestrafe"?
Die Forscher aus Aachen nennen das "Treuestrafe" (RWTH-Universittät: Dynamiken der Preisgestaltung und Preisanpassung im Stromvertrieb – Analyse der Energiepreisanpassungen in Deutschland). Gemeint ist damit, dass die Kunden ihren Vertrag mit dem Stromversorger weiterlaufen lassen, obwohl der Markt günstigere Preise anbietet. Insgesamt geht es um 11 Milliarden Euro, die die Verbraucher hätten allein im Jahr 2025 beim Strom sparen können. Damit ist die "Treuestrafe" mehr als doppelt so hoch wie 2021, im Jahr vor der Energiekrise.
Dass treue Bestandskunden mehr für ihren Strom bezahlen, ist eigentlich kein Geheimnis für Insider. Wie groß das Problem in Deutschland tatsächlich ist, war bisher aber schwer zu beziffern. Und wie hoch die Bestandskundenpreise der Anbieter war, bislang unbekannt. Die RWTH-Studie liefert zum ersten Mal Zahlen und zeigt gravierende Missstände im deutschen Strommarkt. Wobei sich die ermittelten Fakten aus 2.342 Preisanpassungsschreiben privater Stromkunden ergeben
Wie viel Stromkosten sind durch den Wechsel zu sparen?
Und das sind die Fakten, die die Forscher der RTWH ermittelten:
- Betroffene: 2025 waren bis zu 30 Millionen Haushalte von der "Treuestrafe" betroffen, das entspricht knapp drei Vierteln aller Haushalte in Deutschland.
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Für treue Kunden ist es teuer: Bestandskunden zahlen im Durchschnitt rund h13 Cent pro Kilowattstunde (ct/kWh) höhere Arbeitspreise als Neukunden. Das entspricht einem durchschnittlichen Preisaufschlag von etwa 47 %.
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Anlocken und Abzocken hat System: Viele Kunden werden mit günstigen Einstiegstarifen gelockt. Doch bei 75 Prozent der untersuchten Verträge kommt es nach etwa 11 bis 14 Monaten zu einer Preisanpassung. Die Preise steigen dann im Schnitt um 19 bis 24 Prozent.
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Fehlende Wechselbereitschaft: Von den insgesamt 11 Mrd. Euro "Treuestrafe" im letzten Jahr entfallen nur 4 Mrd. Euro auf Kunden in der Grundversorgung. Das zeigt, dass die fehlende Wechselbereitschaft nicht nur bei Kunden in der Grundversorgung hohe Kosten verursacht.
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Haushalte können sparen: Im Schnitt könnte jeder Haushalt 304 Euro bis 492 Euro mit einem Anbieterwechsel sparen, so das zentrale Ergebnis der RWTH-Forscher.