• Open Food Facts - so funktioniert die App
  • Mitwirkende - das ist der Gedanken dahinter
  • Fazit

Was steckt denn nun wirklich in den optisch ansprechend verpackten Lebensmitteln aus dem Supermarkt drin? Wer sich das vielleicht häufig beim Einkaufen fragt und das Kleingedruckte im Supermarktlicht nicht erkennen kann, oder einfach keine Lust hat, mehrere Produkte länger in den Händen zu halten, um die Angaben zu vergleichen, der kann jetzt einfach mithilfe eines Smartphones und der App "Open Food Facts" den Barcode einscannen und bekommt eine Übersicht über enthaltene Allergene, Zusatzstoffe, Fett, Zucker und Nährwerte. Es ist sogar möglich, mittels der Opensource-App eine interaktive Merkmal-Grafik selbst zu erstellen, die mehrere Produkte automatisch miteinander vergleicht und das Gesündeste heraussucht. Hersteller werden so ermutigt, ihre Produkte dementsprechend anzupassen und bekommen einen Überblick über die aktuelle Marktlage. Kund*innen können bewusster einkaufen und sparen Zeit. Und das alles über einer kostenlosen App. Was ist die "Open Food Facts"-App aber eigentlich genau? Sind die Angaben vertrauenswürdig und wie funktioniert die kostenlose Lebensmittel-App?

"Open Food Facts" - so funktioniert die App

Die Webseite "Open Food Facts" ist zunächst eine weltweite Nahrungsmitteldatenbank. Hier sind über 1.000.000 Produkte aufgelistet. Es können sämtliche Produkte auf ihre Nährwertangaben überprüft und verglichen werden.

Der Nutri-Score gibt die Nährwertqualität in Buchstaben von A-E an, die in verschiedenen Farben unterlegt sind. Die NOVA 4 Spalte gibt die Art der Verarbeitung der verwendeten Lebensmittel in Noten an. Die Umweltauswirkungen werden im Eco-Score angezeigt. Häufig werden auch Daten für die Produkte direkt vom Hersteller bereitgestellt. Neben den Produkteigenschaften wie der Mengenangabe, der Art der Verpackung, der Marke und Kategorien finden sich Kennzeichnungen, Zertifizierungen, Preise, sowie ein Link zur offiziellen Produktseite des Herstellers, den Ladennamen und die Vertriebsländer. Es folgen die Zutaten, Allergene und eine Analyse der Inhaltsstoffe. Zusatzstoffe, Nährstoffwerte für 100 g, Größen und die Art der Verpackung werden weiter aufgelistet. Datenquellen und weitere Informationen schließen die Produktinformationsseite ab.

Auch die App für mobile Endgeräte verwendet das gleiche Prinzip. Hier ist es jedoch möglich, mit dem Handy oder Tablet den Barcode zu scannen und sofort die Angaben angezeigt zu bekommen. Es ist auch hier eine Community getriebene Nahrungsmittelproduktdatenbank, die aktuelle Informationen zu 2.059.358 Produkten auflistet. Die Anwendung erfordert mindestens Android OS 4.1 oder iOS 10.0. Die App ist unter der Open Database License (ODbL) lizenziert, die von Nutzern hinzugefügten Fotos laufen unter der Creative-Commons-Lizenz mit Namensnennung.

Open Food Facts - App räumt Preise ab

Ursprünglich ist die Idee in Frankreich entstanden, inzwischen sind die Seite und die App international und in 16 Ländern verfügbar. Das Projekt wurde 2012 von einem französischen Programmierer, anlässlich des  "Food Revolution Day" von Jamie Oliver, gegründet.

Internationale Anerkennung fand das Projekt bereits im darauffolgenden Jahr, 2013 gewann es einen französischen Entwicklerpreis (Prix de Dataconnexions), der von Etalab, einer staatlichen Abteilung der Interministeriellen Direktion für Digitales (DINUM). Der Preis zeichnet die besten Projekte, Anwendungen, Dienstleistungen oder interaktiven Datavisualisierungen aus, die insbesondere öffentliche Daten wiederverwenden, und unterstützt diese.

Die Jury setzt sich aus Vertretern der Dataconnexions-Innovationsakteure und anerkannten Fachleuten aus dem französischen "Open Data"-Ökosystem zusammen. 2015 bekam das "Open Food Fact" Projekt den OKFN Preis von der Open Knowledge Foundation, einer Vereinigung, die sich vor allem für mehr Transparenz und Datenkompetenz einsetzt und zahlreiche Organisationen zu ihren Unterstützern zählt.

Mitwirkende - das ist der Gedanke dahinter

Open Food Facts ist ein gemeinschaftliches Projekt, das von Zehntausenden von Freiwilligen aufgebaut und von einer gemeinnützigen Organisation mit 4 Mitarbeitern verwaltet wird. Aktuell gibt es weltweit 16.000 Mitwirkende. Mit 100.000 Benutzer pro Tag und 6 Millionen Nutzern pro Jahr auf der Website steigt der Datenverkehr immer weiter. Aktuell ist die App auf mehr als 750.000 Endgeräten installiert, die Tendenz ist steigend. Es handelt sich um eine offene Datenbank für Lebensmittel-Infos, die vom Mitmachen lebt. Es gibt keine Größen- und Produktbeschränkungen, sie ist unabhängig von der Lebensmittelindustrie, frei wiederverwendbar und offen für alle. Durch die Verwendung sollen öffentliche Maßnahmen unterstützt und eine bewusstere und gesündere Lebensweise gefördert werden. Weiter ist das Prinzip offen und niedrigschwellig, es findet sich auch eine öffentliche Liste der Mitwirkenden in englischer Sprache samt Ranking veröffentlichter Produktbeschreibungen auf der Homepage.

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Innerhalb der App wird die Möglichkeit der Mitwirkung propagiert, es gibt hier mehrere Möglichkeiten sich einzubringen. Mitmachen kann jeder, einfach die Produkt-Barcodes einscannen und Bilder der Etiketten hochladen. Auf der Webseite können dann auch Daten für die entsprechenden Produkte hinzugefügt oder von anderen ausgefüllt werden. Weiter rufen die Hersteller und Betreiber zu einem regen Austausch auf, auch die Betreiber*innen nutzen Marketingstrategien und medienwirksame Öffentlichkeitsarbeit. Open Food Facts setzt auf das Auslagern von Teilaufgaben an Bürger*innen, sogenanntes Crowdsourcing. Es wurden bisher 850.000 Produkte von 25.000 Unterstützern hinzugefügt, die Datenbank enthält Produkte aus mehr als 100 Ländern, wobei der Großteil aus Frankreich kommt. Das Prinzip der App lebt jedoch von der Verbreitung und Verbindung einer größeren Gemeinschaft, was vor allem den Herstellern besonders wichtig ist. Sie präsentieren das Projekt regelmäßig auf Veranstaltungen und werben auch weltweit für aktive Teilnehmer, die ihrerseits die App und Webseite vorstellen sollen. Anhand von eigens hierfür entwickelten Texten, Folien und Videos sollen immer mehr Leute von der Möglichkeit der Nahrungsmittelselbstkontrolle erfahren und so zu einem bewussteren Umgang mit Lebensmitteln geführt werden. Die Arbeit der Webentwickler kann weiter durch Spenden und Teilnahme unterstützt werden, weiter gehört die Suchmaschine "Lilo" zu den untergeordneten Projekten und durch die Verwendung wird Open Food Facts indirekt unterstützt.

Auch für Produktanbieter ist die App geeignet. Lebensmittelhersteller jeglicher Art können ihre Produkte hochladen und beschreiben, die einzige Bedingung vonseiten der Entwickler*innen ist, dass die Daten und Bilder unter einer offenen Lizenz zur Verfügung gestellt werden. Die App wird deshalb auch zu Werbezwecken einzelner Anbieter genutzt, da die Daten in mehr als 100 anderen Ernährungsapps sichtbar sind. Auch können den Anbieter*innen Vorschläge zur Verbesserung des Nutri-Scores der Produkte gemacht werden, was gleichzeitig einen positiven Nebenerwerb der Hersteller mit sich bringt.

Fazit

Ist die kostenlose App auf dem mobilen Endgerät installiert, kann es auch schon gleich losgehen. Eine Anmeldung ist nicht notwendig, diese wird erst bei aktiver Teilnahme an dem Projekt erforderlich. Im Normalfall ist die Sprache bereits angepasst, mehrere Einstellungen können die Anwendung weiter vereinfachen. Weiter gibt es die Möglichkeit der Allergienwarnungen. Hier können Allergene manuell hinzugefügt werden, der Nutzer wird beim Scannen dann benachrichtigt, wenn ein gescanntes Produkt diese enthält. Die Informationen werden nicht an den Server gesendet. Auch eine Benachrichtigung zur Analyse der Zutaten kann vorgenommen werden. Hier wird Palmöl-Status, vegetarischer Status und / oder veganer Status angezeigt. Ein Suchformular verfeinert die Suche noch einmal. FAQs der Entwickler und Hinweise auf eine Projektunterstützung finden sich ebenfalls, so wie weitere Informationen bezüglich möglicher Fehlerkennungen, Absicherungen und Hinweise auf Eigenverantwortung und Selbstkontrolle. Die Bedienung der App ist insgesamt simpel und leicht verständlich. Der Verlauf zeigt die letzten gescannten Produkte, was sehr praktisch ist und nocheinmal Zeit erspart.

Als Zielgruppen werden verschiedene Nutzer genannt, Diabetiker, Allergiker, FoodVisors, interessierte Einkäufer, aber auch Programmierer, Entwickler und Wissenschaftler*innen. Mit der kostenlosen "Open Food Facts"-App findet man mit einem einfachen Scan eines Lebensmittels alle wichtigen Daten über Inhaltsstoffe, Zusatzstoffe und Nährwertangaben heraus.

Zusammenfassend kann man sagen, dass die App nützlich ist, durch die kostenlose Benutzung der Dienste und Software ist sie einfach verfügbar, die Bedienung ist simpel und verständlich. Die Finanzierung erfolgt über Freiwillige, was den Ideal- und Grundcharakter der Gründungsidee weiter transferiert. Ein besonderer Pluspunkt ist die Neutralität und Unabhängigkeit von der Lebensmittelindustrie, hier ist deutlich mehr Transparenz geboten als bei einer direkten Lebensmittelapp direkt vom Produkthersteller. Der größte Unterschied zu anderen Apps und Webseiten mit Lebensmittelinformationen ist der kostenlose und frei verfügbare Zugang, was deutlich unterstützt wird. Fast alle anderen Apps und Seiten verbieten die Vervielfältigung der Daten. Die Gründer des "Open Food Facts" Projekts wollten damit auch anderen Zweigen helfen, an die sie selbst nicht gedacht haben.

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