Druckartikel: Briefporto in Deutschland steigt 2027 voraussichtlich auf Rekordhoch

Briefporto in Deutschland steigt 2027 voraussichtlich auf Rekordhoch


Autor: Stefan Lutter

Deutschland, Dienstag, 13. Oktober 2026

Das Porto für Briefe in Deutschland wird ab 2027 voraussichtlich um über 20 Prozent steigen und könnte erstmals mehr als einen Euro betragen. Auch Pakete und Geschäftspost werden nach Plänen der Bundesnetzagentur deutlich teurer.
Die Bundesnetzagentur hat einen Plan veröffentlicht, der eine deutliche Erhöhung des Briefportos in Deutschland ab Januar 2027 vorsieht. Dies könnte den Preis für einen Standardbrief auf rechnerisch 1,14 Euro erhöhen, womit erstmals die Ein-Euro-Marke überschritten würde.


Erneut soll das Briefporto in Deutschland steigen, und zwar so kräftig wie nie zuvor – die Ein-Euro-Marke dürfte dabei erstmals überschritten werden. Die Bundesnetzagentur hat am Montag, 12. Oktober 2026, in Bonn ihren Plan veröffentlicht, wonach die Gebühr für die Briefzustellung zum Januar 2027 im Schnitt um gut 20 Prozent steigen kann. Auch Pakete dürften spürbar teurer werden.

Briefporto 2027: Was ein Brief ab Januar 2027 kosten könnte

Zentrales Element der Planungen ist der sogenannte Preis-Erhöhungsspielraum. Dieses regulatorische Instrument legt fest, um wie viel Prozent die Deutsche Post ihre Produkte im Durchschnitt verteuern darf. Der jetzt veröffentlichte Wert von 20,35 Prozent ist zunächst ein Entwurf der Bundesnetzagentur. Die bisherige Erfahrung zeigt, dass der Konzern den eingeräumten Spielraum in der Vergangenheit stets voll ausgeschöpft hat, zuletzt 2025 mit 10,48 Prozent Preiserhöhung als bisherigem Höchstwert. Welche einzelne Briefart dann konkret wie teuer wird, entscheidet die Post anschließend selbst – sie muss dabei lediglich im Durchschnitt aller Briefsendungen innerhalb des genehmigten Rahmens bleiben.

Laut Tagesschau.de würde ein gleichmäßig auf alle Briefarten angewandter Aufschlag den Standardbrief erstmals über die symbolträchtige Ein-Euro-Marke heben – auf rechnerisch 1,14 Euro. "Wenn die Kosten unter anderem aufgrund der zunehmenden Digitalisierung auf weniger Briefe zu verteilen sind, steigen die Preise", erklärte Klaus Müller, Präsident der Bundesnetzagentur, zur Begründung. Wie die Post den Spielraum tatsächlich verteilen wird, bleibt abzuwarten.

Möglich sind drei Szenarien. Würde die Post die theoretisch mögliche Erhöhung von 20,35 Prozent gleichmäßig auf alle Briefarten anwenden, läge der Standardbrief (bis 20 Gramm) ab Januar 2027 bei rechnerisch 1,14 Euro statt der aktuellen 95 Cent. Erfahrungsgemäß rundet die Post gerne auf glatte Beträge, sodass bei Fünf-Cent-Schritten 1,10 Euro oder 1,15 Euro für den Standardbrief denkbar wären. Ebenso könnte die Post den Standardbrief moderat anheben, etwa auf 1,10 Euro, und dafür bei Kompakt-, Groß- oder Maxibriefen stärker zuschlagen, um den Durchschnittswert von 20,35 Prozent zu erreichen.

Schrumpfende Briefmengen als Hauptgrund für steigende Portopreise

Den wichtigsten Auslöser dieser Entwicklung bildet der digitale Wandel. Im Jahr 2005 gingen in Deutschland noch 16,9 Milliarden Briefsendungen auf den Weg, 2025 waren es knapp 9,4 Milliarden. Firmen und Verbraucher setzen zunehmend auf E-Mails und Chatnachrichten.

Auch gegenüber MDR Aktuell gibt Bundesnetzagentur-Präsident Klaus Müller "die stark abnehmenden Briefmengen" als wesentlichen Grund für das steigende Porto an. Laut dem Portal Dr. Web muss die Post zugleich ein großes Netz aus Briefkästen, Filialen und Zustellkräften unterhalten, dessen Kosten sich nun auf immer weniger Sendungen verteilen.

Briefporto-Entwicklung seit 2000: Die Chronik der Preise

Betrachtet man die Portopreise seit der Jahrtausendwende, zeigt sich, dass die Post gerade in den vergangenen zehn Jahren regelmäßig an der Preisschraube gedreht hat. Zwischen 2003 und 2012 blieb der Standardbrief unverändert bei 55 Cent, seit 2013 steigt er in Stufen. Die einzige Senkung erfolgte 2002 durch die Rundung im Zuge der Euro-Einführung auf 55 Cent, wie das Verbrauchermagazin Dr. Web dokumentiert hat. Gegenüber 2003 kostet der Standardbrief heute rund 73 Prozent mehr. Wer es beim Briefversand besonders eilig hat, kann zwar einen Prio-Brief versenden, doch dieser fristet ein Nischendasein und wurde durch die seit 2025 geltende Mehrwertsteuerpflicht deutlich teurer.

  • 2000: Briefporto bei 110 Pfennig, parallel 56 Cent (Doppelwährung)
  • 2002: Euro-Umstellung, Abrundung von 56 auf 55 Cent – die einzige Portosenkung der jüngeren Geschichte
  • 2003 bis 2012: 55 Cent, unverändert über neun Jahre – die längste Stabilitätsphase
  • 2016: 70 Cent (plus acht Cent gegenüber 2015)
  • 2019: 80 Cent (plus zehn Cent) – laut T-Online der größte Einzelsprung bis dahin
  • 2022: 85 Cent (plus fünf Cent), Bundesnetzagentur-Spielraum für 2022 bis 2024 bei 4,6 Prozent
  • 2025: 95 Cent (plus zehn Cent, rund zwölf Prozent) – Prio-Brief, Einschreiben Eigenhändig und Nachnahme entfallen
  • 2026: 95 Cent (unverändert)
  • 2027 (geplant): rechnerisch 1,14 Euro bei gleichmäßiger Anwendung des Erhöhungsspielraums von 20,35 Prozent

Briefporto im europäischen Vergleich

Verglichen mit anderen europäischen Ländern bleibt der Standardbrief (bis 20 Gramm) aus Deutschland mit aktuell 95 Cent relativ günstig. In Österreich kostet der Briefversand bereits einen Euro, in Italien 1,25 Euro. Noch teurer sind die westlichen Nachbarländer Belgien (1,37 Euro), Niederlande (1,40 Euro) und Frankreich (1,52 Euro). Lediglich in östlichen EU-Staaten wie Polen (circa 0,85 Euro) oder Tschechien ist der Briefversand noch günstiger als in Deutschland – allerdings bei deutlich niedrigeren Lohnkosten, wie Dr. Web erläutert. Selbst nach der geplanten Erhöhung auf rechnerisch 1,14 Euro läge Deutschland laut Tagesschau.de noch unter dem europäischen Durchschnitt von 1,33 Euro.

Besonders deutlich fällt der Blick in die Niederlande aus: Dort ist die Briefmenge binnen 20 Jahren laut Onvista um 70 Prozent eingebrochen. Als Reaktion darauf kletterte das Porto für einen Standardbrief auf mittlerweile 1,40 Euro – deutlich mehr als in Deutschland selbst nach der geplanten Erhöhung. In Dänemark ging man noch einen Schritt weiter: Der reguläre Briefversand für Privatkunden wurde dort faktisch abgeschafft und durch digitale Lösungen ersetzt.

Preiserhöhung bei Paketen und Geschäftspost 2027

Nicht nur Briefe von Privatkunden dürften teurer werden. Auch bei Paketen und Geschäftskundensendungen könnte die Deutsche Post die Gebühren erhöhen – in manchen Bereichen sogar stärker als beim Briefporto.

  • Pakete für Privatkunden: Laut dem Technikmagazin T3n könnten die Preise um 10,72 Prozent steigen. Das ist deutlich mehr als bei der letzten Erhöhungsrunde 2024, als der Spielraum bei 7,21 Prozent lag. Ein Zwei-Kilogramm-Paket, das aktuell 6,19 Euro kostet, würde bei voller Ausschöpfung des Rahmens auf rund 6,85 Euro steigen. Seit dem 1. Januar 2025 gilt zudem eine Kennzeichnungspflicht für Pakete über zehn Kilogramm: Pakete mit einem Einzelgewicht von mehr als zehn Kilogramm müssen einen gut sichtbaren Hinweis auf das erhöhte Gewicht tragen, Pakete über 20 Kilogramm einen davon deutlich unterscheidbaren Hinweis. Die Regel dient dem Arbeits- und Gesundheitsschutz der Paketzusteller.
  • Geschäftskundenbriefe: Bei Geschäftskundenbriefen sieht die Bundesnetzagentur mit 20,35 Prozent denselben Erhöhungsspielraum vor wie bei Privatkundenbriefen. Dies ist besonders bedeutsam, denn rund 85 Prozent des gesamten Briefgeschäfts entfallen auf Sendungen von Firmen und Behörden – vom Behördenbescheid über Rechnungen bis hin zu Werbemailings. Die geplanten Vorgaben gelten jeweils für die Jahre 2027 und 2028.

Als Begründung führt die Post laut dem Berliner Tagesspiegel deutlich gestiegene Kosten für Löhne, Energie und Material an. Gleichzeitig räumt der Bonner Konzern aber ein, "dass zu große Preissteigerungen für Kundinnen und Kunden Belastungen darstellen und die Briefmengen weiter unter Druck setzen könnten". Konkret bedeutet das: Höhere Preise könnten dazu führen, dass noch mehr Kunden auf digitale Alternativen ausweichen – was wiederum die Kostenstruktur verschärft.

Die Frist für Stellungnahmen endet Ende Oktober 2026: Bis dahin können Post, Wettbewerber und Verbraucherschützer Stellung zum Entwurf der Bundesnetzagentur nehmen. Die endgültige Entscheidung fällt voraussichtlich im November.

Porto sparen: Tipps für Privat- und Geschäftskunden

Wer seine Briefe schon heute günstiger verschicken möchte, kann das Porto online bezahlen, etwa über die Internetmarke der Deutschen Post, und die Marke anschließend zu Hause ausdrucken. Daneben lohnt sich ein genauer Blick auf Format und Gewicht der Sendung, denn ein Standardbrief ist deutlich günstiger als ein Groß- oder Maxibrief. Wer die vorgegebenen Maße und Gewichtsgrenzen einhält, zahlt bei jedem Versand entsprechend weniger.

Unternehmen mit einem regelmäßigen Versandaufkommen können mit einem Geschäftskundenvertrag oder einer Frankiermaschine oft günstiger fahren als mit einzelnen Briefmarken. Zudem lohnt es sich, Sendungen zu bündeln und Versandoptionen sowie Anbieter regelmäßig zu vergleichen, da sich die Preise je nach Sendungsart unterscheiden. Auf diese Weise lassen sich die Kosten auch dann besser kontrollieren, wenn das Porto zum Januar 2027 steigt.