Fluggesellschaft erweitert Angebot - bayerischer Airport profitiert

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Ryanair
Ryanair verkündet wichtige Wachstumspläne für den Sommer 2026.
Reisende müssen sich bei Ryanair auf einen neuen Boarding-Prozess einstellen.
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Ryanair kündigt für den Sommer 2026 eine Expansion mit neuen Routen und Kapazitäten in Deutschland an, wovon der Allgäu Airport Memmingen besonders profitiert.
Start der Sommerferien - Reisewelle
Henning Kaiser/dpa
Allgäu Airport Memmingen
Ryanairs Expansion in Deutschland ab Sommer 2026 stärkt den Allgäu Airport Memmingen durch zusätzliche Flugrouten.
Allgäu Airport
Andreas Gebert/dpa

Die Fluggesellschaft Ryanair setzt auf Wachstum an ausgewählten deutschen Flughäfen. Neue Routen und Kapazitäten sollen wichtige Impulse setzen.

Lange Zeit hielt sich die irische Billigfluggesellschaft Ryanair mit neuen Investitionen in Deutschland zurück. Doch nun kündigt sich eine deutliche Trendwende an. Wie das Unternehmen in der  Pressemitteilung zur Sommerplanung 2026 erklärt, will Ryanair im Flugplan 2026 spürbar expandieren.

Ausschlaggebend dafür ist eine politische Entscheidung auf Bundesebene: Die Bundesregierung plant, die bislang stark kritisierte Luftverkehrssteuer ab Juli 2026 zu senken.

Sommerplanung 2026: Ryanair plant zusätzliche Sitze und elf neue Routen

Diese steuerliche Entlastung bewertet Ryanair als Signal für mehr Wettbewerbsfähigkeit des deutschen Luftverkehrsstandorts. Die Airline sieht darin eine Voraussetzung, um ihr Angebot hierzulande wieder auszubauen und neue Kapazitäten zu schaffen.

Konkret plant Ryanair, im Zuge der Steuerentlastung rund 300.000 Sitzplätze wieder in den deutschen Markt zurückzubringen. Zusätzlich sollen elf neue Strecken aufgenommen werden, die über verschiedene Flughäfen im Bundesgebiet verteilt sind. Damit setzt das Unternehmen nach eigener Darstellung auf gezieltes Wachstum – jedoch nicht überall gleichermaßen.

Profitieren sollen vor allem jene Airports, die sich aus Sicht der Fluggesellschaft durch moderate Gebühren und kooperative Kostenstrukturen auszeichnen. Ryanair macht dabei deutlich, dass wirtschaftliche Rahmenbedingungen für die Streckenplanung eine zentrale Rolle spielen.

Allgäu Airport Memmingen zählt zu den klaren Profiteuren

Unter den Flughäfen, die von der geplanten Expansion besonders profitieren sollen, nennt Ryanair ausdrücklich den Allgäu Airport Memmingen. Gemeinsam mit Köln/Bonn, dem Flughafen Niederrhein (Weeze) und Bremen wird Memmingen als Standort hervorgehoben, der sich in der Vergangenheit als kostenbewusst und wettbewerbsfähig erwiesen habe.

Für den bayerischen Regionalflughafen ist diese Nennung ein wichtiges Signal. Zusätzliche Strecken und Sitzplatzkapazitäten bedeuten nicht nur mehr Flugbewegungen, sondern auch wirtschaftliche Impulse für die Region – etwa durch steigende Passagierzahlen, Tourismus und Arbeitsplätze im Umfeld des Airports.

In ihrer Mitteilung spart Ryanair nicht mit klaren Worten. Die Airline spricht von einer "vernünftigen" Entscheidung der deutschen Regierung und ordnet die Steuersenkung in einen europäischen Trend ein.

Lob für die Bundesregierung – Kritik an teuren Standorten

Deutschland reihe sich damit in eine wachsende Zahl von EU-Staaten ein, die Luftverkehrssteuern reduzieren, um Wachstum, Konnektivität und Wettbewerbsfähigkeit zu fördern. Gleichzeitig macht Ryanair deutlich, dass nicht alle Flughäfen von der neuen Strategie profitieren werden. Besonders große und kostenintensive Standorte müssen laut der Airline mit Einschnitten rechnen.

Während kleinere und kostengünstigere Flughäfen Zuwächse erwarten dürfen, drohen anderen Standorten spürbare Verluste. Ryanair kündigt an, die Kapazitäten in Berlin um fünf Prozent zu reduzieren. Noch härter trifft es Hamburg, wo sogar ein Rückgang von 20 Prozent vorgesehen ist.

Als Begründung nennt das Unternehmen "überhöhte und wettbewerbsunfähige Flughafengebühren". Diese Kostenstruktur mache es aus Sicht der Airline schwierig, dort wirtschaftlich attraktive Angebote aufrechtzuerhalten. Die Botschaft ist klar: Wer günstig arbeitet, gewinnt – wer teuer bleibt, verliert Strecken und Sitzplätze.

Strategischer Neustart mit klaren Gewinnern und Verlierern

Die angekündigte Expansion für den Sommer 2026 zeigt, wie stark politische Entscheidungen und Flughafenentgelte die strategische Ausrichtung von Fluggesellschaften beeinflussen. Ryanair knüpft ihr Engagement in Deutschland ausdrücklich an wirtschaftliche Rahmenbedingungen und sendet damit ein deutliches Signal an Politik und Flughafenbetreiber gleichermaßen.

Für Memmingen und andere kostenbewusste Airports könnte dies der Beginn eines neuen Wachstumskapitels sein – während teure Standorte vor der Herausforderung stehen, ihre Gebührenpolitik zu überdenken, um langfristig konkurrenzfähig zu bleiben.

Der Allgäu Airport Memmingen, offiziell als Flughafen Memmingen (IATA: FMM) bezeichnet, ist der höchstgelegene Verkehrsflughafen Deutschlands und dient als wichtiges Tor in die Ferienregion Allgäu sowie nach Schwaben und ins angrenzende Baden-Württemberg. Der Flughafen entstand auf dem Gelände eines ehemaligen Militärflugplatzes , dessen Ursprünge bis in die Zeit des Zweiten Weltkriegs zurückreichen.

Wichtiges Tor für die Ferienregion

Nach seiner militärischen Nutzung wurde das Areal in den 2000er-Jahren zum heutigen zivilen Flughafen umgebaut und 2007 offiziell für den zivilen Luftverkehr eröffnet, erklärt der Airport auf seiner Website.

Mit einer Start- und Landebahn von rund 2.981 Metern Länge kann der Allgäu Airport auch größere Maschinen abfertigen, wobei er vor allem für Billigfluggesellschaften und Verbindungen quer durch Europa von wachsender Bedeutung ist. Airlines wie Ryanair und Wizz Air bieten zahlreiche Destinationen an, was insbesondere für Urlaubsreisende aus Süddeutschland attraktiv ist.

In den vergangenen Jahren wuchs das Passagieraufkommen kontinuierlich, sodass der Flughafen inzwischen mehr als 2,8 Millionen Fluggäste jährlich begrüßt, wie das Fachportal Airliners belegt. Im Vergleich zu den beiden größten bayerischen Flughäfen ordnet er sich deutlich unter dem Flughafen München ein, der im selben Jahr über 31 Millionen Passagiere abfertigte, und bleibt auch hinter dem Nürnberger Flughafen, der jährlich rund 3,4 Millionen Passagiere verzeichnet.