Tierärztin Astrid Behr vom Bundesverband Praktizierender Tierärzte e.V. sagte auf Anfrage der dpa: «Diesem Gerücht kann schnell ein Ende bereitet werden: Auch Hauswiederkäuer wie Kühe besitzen zwei Afterschließmuskeln: den unwillkürlichen Musculus sphincter ani internus und den willkürlichen Musculus sphincter ani externus.»

Kühe verfügen also über Schließmuskel am Anus. Die Funktion der ringförmigen Muskeln ist es unter anderem, einen Vor- oder Rückwärtsfluss aus und in hohle Organe wie Magen und Darm zu verhindern. Das TV-Magazin «P.M.Wissen» hat die Behauptung mit einem Experiment überprüft und eine Kuh beim Schwimmen gefilmt.

Behauptung: Kühe gehen unter, weil ihr Schließmuskel zu schwach ist

Ursprung des Gerüchtes dürfte eine Meldung aus der Rubrik «Die Wahrheit» der taz vom 11. Juni 2001 sein. In dem Text mit der Überschrift «Deutsche Kühe gehen unter» wird das vermeintliche Ergebnis einer Studie der Berliner Humboldt-Universität mit «über 400 deutschen Kühen» beschrieben: Der Schließmuskel der Kühe sei derart schwach, «dass die Tiere, sobald sie ins Wasser trabten, von hinten mit Wasser vollliefen und deshalb untergingen». Im Juli 2003 wurde diese Behauptung in der Unterhaltungssendung «Genial daneben» als Antwort auf die Frage «Warum können Kühe nicht schwimmen» wiederholt. Bis heute taucht die Behauptung in Social-Media-Sharepics und Posts auf.

Allerdings existieren weder der von der taz 2001 zitierte Prof. Dr. Hartmut Andrychzuck noch die Studie an der Berliner Humboldt-Universität wirklich. «Die Wahrheit» ist eine Satire- und Humorseite der taz. Ihre Grundsätze lauten: «Warum sachlich, wenn es persönlich geht. Warum recherchieren, wenn man schreiben kann. Warum beweisen, wenn man behaupten kann.

Bewertung
Kühe sind dazu fähig, im tiefen Wasser zu baden – und sie verfügen über Schließmuskeln.

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