Druckartikel: Spam-Anrufe: Warum der Anbieter trotz Warn-Nachricht auf Handys mahnt

Spam-Anrufe: Warum der Anbieter trotz Warn-Nachricht auf Handys mahnt


Autor: Alexander Milesevic, Agentur dpa

Deutschland, Mittwoch, 29. April 2026

Wer bei Anrufen mit unbekannten Nummern trotzdem ans Telefon geht, hat es manchmal mit betrügerischen Anrufern zu tun. Vodafone geht mit einem System dagegen vor.
Oh, vielleicht Betrüger? Dann lieber nicht rangehen oder gleich blockieren. Viele Telefone warnen auch schon vor eventuell betrügerischen Anrufen - so wie hier bei einem Test von Netzanbieter Vodafone im Jahr 2025.


Ein Jahr nach seinem Start wird ein Vodafone-Schutzsystem gegen betrügerische Anrufe massenhaft genutzt. Laut Angaben des Unternehmens in Düsseldorf seien bereits 64,5 Millionen Warnungen an Mobiltelefone versandt worden.

Wer einen Anruf von einer Nummer erhält, die in einer Vodafone-Datenbank als unseriös oder betrügerisch gelistet ist, sieht auf seinem Display den Hinweis "Vorsicht: Betrug möglich". Man kann den Anruf dennoch entgegennehmen, ist jedoch vorgewarnt und lässt sich möglicherweise nicht so leicht täuschen wie ohne die Warnung. Die Telekom hat im vergangenen Dezember ein ähnliches System eingeführt, während O2 dies bisher nicht getan hat.

Positive Zwischenbilanz des Spam-Warners

"Die Bedrohung im Netz und am Telefon ist ein ständiges Risiko", erklärt Vodafone-Deutschlandchef Marcel de Groot und zieht eine positive Zwischenbilanz des Spam-Warners. "Täglich schützen wir so hunderttausende Menschen vor gefährlichen Betrugsanrufen", sagt der Manager.

Video:




Es sei jedoch auch klar, dass keine Technologie uns davon befreie, umsichtig zu bleiben. "Deshalb gilt für uns alle im Alltag: Genau prüfen, wer am anderen Ende der Leitung ist."

Nur 14 Prozent der Anrufe, bei denen die Spam-Warnungen verschickt werden, werden angenommen - das zeigt, dass das Warnsystem die betrügerischen Anrufe oft ins Leere laufen lässt. Zum Vergleich: Bei Anrufern mit unterdrückter Nummer liegt die Annahmequote bei 60 Prozent. Unter Umständen lässt sich jedoch selbst bei anonymen Anrufen herausfinden, wer dahinter steckt. Wird ein Anruf trotz Spam-Warner angenommen, so dauert das Gespräch im Durchschnitt nur 40 Sekunden.

Sonntags machen auch die Betrüger Pause

Der Gesamtdurchschnitt aller Mobiltelefonate bei Vodafone liegt bei zwei Minuten und 40 Sekunden. 83 Prozent der potenziellen Betrugsanrufe kommen den Angaben zufolge aus Deutschland, bei den restlichen Anrufen aus dem Ausland sind es häufig Nummern aus den Niederlanden, Österreich und Großbritannien. Auch Zypern und das afrikanische Lesotho sind unter den Nummern oft vertreten. Darunter fallen auch sogenannte "Ping Calls". Seit Dezember hat die Anzahl der potenziellen Betrugsanrufe etwas abgenommen.

Vodafone zufolge gehen die meisten betrügerischen Anrufe mittwochs ein, an diesem Wochentag schlug der Spam-Warner im Durchschnitt 273.000 Mal an, und die wenigsten sonntags (5000). Auch samstags war wenig los (44.000).

Bei der Telekom werden pro Werktag zwischen 400.000 und 600.000 mögliche Betrugsversuche festgestellt, der Bonner Konzern nennt sein Schutzsystem Call Check. Auch bei Magenta kommen am Wochenende weniger dubiose Anrufe an. "Betrug ist ein Geschäftsmodell, und die Täter haben feste Arbeitszeiten, während sie es an Sonn- und Feiertagen locker angehen lassen", sagt ein Telekom-Sprecher. Hinzu komme, dass die Täter zeitgleich mit ihren Opfern Urlaub zu machen scheinen: Weihnachten und Ostern seien in der Statistik Dellen zu erkennen.

Betrüger nutzen auch KI

Der Vodafone-Sicherheitsexperte Marc Atkins warnt, dass sich die digitale Bedrohungslage weiterentwickele. "Kriminelle setzen Deepfakes und Künstliche Intelligenz ein, um am Telefon Stimmen nachzuahmen und das Vertrauen ihrer Gesprächspartner zu gewinnen." Telefonbetrug sei dadurch professioneller und schwerer zu erkennen. Besonders ältere Menschen seien gefährdet.

Wie wir künstliche Intelligenz einsetzen