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WhatsApp-Nachrichten sind nicht geheim: Neuer Bericht schockiert Nutzer - Facebook liest mit

WhatsApp-Nachrichten sind verschlüsselt und niemand kann sie lesen. Das hat das Unternehmen bisher immer behauptet. Wie ein neuer Bericht zeigt, entspricht das aber nicht ganz der Wahrheit.
WhatsApp-Nachrichten sind nicht so geheim wie angenommen.
WhatsApp-Nachrichten sind nicht so geheim wie gedacht. Foto: Tim Hauswirth/Pixabay

Mark Zuckerberg, der Facebook-Gründer, behauptet, WhatsApp-Nachrichten seien so sicher, dass niemand - nicht mal das Unternehmen - ein Wort lesen kann. Aber stimmt das wirklich? 

Wenn man einen neuen Chat mit Freunden, Kollegen oder Familie startet, steht oben automatisch, dass die Nachrichten Ende-zu-Ende verschlüsselt seien. Das bedeutet, alle Nachrichten werden in ein unlesbares Format umgeschrieben, das nur freigeschaltet wird, wenn die Nachrichten den oder die Empfänger*in erreichen. Das klingt erstmal gut, oder? 

Wie geheim sind WhatsApp-Nachrichten wirklich? 

Nach Recherchen von ProPublica, einem Non-Profit-Portal für investigativen Journalismus, sind diese Angaben jedoch nicht ganz wahr. WhatsApp hat mehr als 1000  externe Moderator*innen, die in Bürogebäuden in Austin, Texas, Dublin und Singapur arbeiten und dort Millionen Nachrichten der Nutzer*innen begutachten. Die Personen seien keine WhatsApp-Mitarbeitenden, sondern bei Drittfirmen angestellt, wie zum Beispiel der Unternehmensberatung Accenture. 

Die Moderator*innen verwenden eine spezielle Facebook-Software um private Nachrichten, Bilder und Videos durchzugehen. Auf den Bildschirmen der externen Mitarbeitenden ploppen alle möglichen Nachrichten auf, die von anderen Nutzer*innen wegen anstößiger Inhalte gemeldet wurde. Darunter fallen zum Beispiel Spam, Kinderpornografie oder potenzielle geplante Terroranschläge.

Wird einer der Inhalte gemeldet, können die Moderator*innen laut WhatsApp "die letzten paar Nachrichten" begutachten. Wie viele genau das sind, ist aber nicht bekannt, laut ProPublica-Recherchen vermutlich fünf. Unangemessene und illegale Inhalte werden dann gelöscht, die Nutzer*innen entsprechend identifiziert und entfernt.

WhatsApp sammelt ungewöhnlich viele Meta-Daten 

ProPublica kritisiert, dass WhatsApp somit teils hochsensible Daten den Angestellten externer Firmen überlässt. Der Stundenlohn dieser externen Mitarbeitenden liege dabei bei umgerechnet knapp 14 Euro die Stunde. 

Der zweite Vorwurf, den ProPublica erhebt, lautet: WhatsApp sammle ungewöhnlich viele Meta-Daten seiner Nutzer*innen. Und dazu gehören die Identität von Absender*in und Empfänger*in, Telefonnummer, Profilfoto, Statusnachricht, Akkustand des Telefons, Sprache und Zeitzone sowie zugehörige Facebook-Konten. In einem Statement gegenüber der ARD verteidigte Muttergesellschaft Facebook das Vorgehen: Die Meldefunktion verhindere den schlimmsten Missbrauch.

Ganz so geheim wie Mark Zuckerberg behauptet, sind WhatsApp-Nachrichten also nicht. Wem WhatsApp zu unsicher ist, kann auch auf andere Messengerdienste wie Signal zurückgreifen

In den USA werden Nutzerdaten und, wie Unternehmen damit umgehen, zu einem immer größeren Thema. Erst letzte Woche hat Apple eine geplante Scanfunktion von Bildern seiner User*innen auf Eis gelegt. Das Unternehmen wollte Inhalte von sexueller Gewalt an Kindern ausfindig machen. Grund am Stopp der neuen Funktion war massive Kritik von Expert*innen und Bürgerrechtsgruppen. 

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