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Vorsicht vor Fake-Ratgebern: Wie die Büchermafia Ihr Geld stiehlt

Ratgeber-Bücher schießen immer mehr aus dem Boden - doch auch wenn manche den besten Einstieg in einen Themenbereich versprechen, sollten Sie sich nicht aufs Glatteis führen lassen. Denn hinter den tatsächlichen Autoren stehen meist gewiefte Gauner, die nur Eines im Sinn haben: Ihr Geld.
 
Bücher
Bücher die kein Wissen beinhalten: Fake-Ratgeber überfluten vor allem Online-Shops Foto: Free-Photos/Pixabay

Amazon Bestseller, Werbebanner, Top-Rezensionen und Google-Anzeigen: Diese Dinge locken beim Online-Shopping massenweise Kunden. Ob ein Produkt jedoch tatsächlich den Anzeigen entspricht, bleibt oft fraglich. Im Jahr 2020 breitet sich nicht nur das Coronavirus über die Landkarte aus, auch das Internet leidet zunehmend an einer Krankheit: Einer Überflutung von Fake-Ratgebern. 

Ein tatsächliches Ratgeber-Buch ist eigentlich eine gute Sache: Kennt man sich zu einem bestimmten Thema nicht aus, wird ein Buch gekauft, das einem dann hilft, die Thematik zu verstehen. So weit, so gut. Doch leider ist auch das heute nicht mehr so einfach. Denn mit zunehmender Leichtgläubigkeit haben auch hier fragliche Möchtegern-Experten eine neue Nische für sich entdeckt. Sie versprechen den Lesern einen einfachen Einstieg und werben mit fundiertem Wissen, ohne jedoch auch nur eines von Beidem zu liefern.

Warnung vor Fake-Ratgebern: "Unterirdisch schlechte Literatur"

Dr. Jan Höpker spricht auf habitgym.de von teilweise „unterirdisch schlechter Literatur“.  In seinem Bericht macht er außerdem klar, wie einfach es ist, ein sogenanntes „Schrottbuch“ zu verfassen. Er ist sich mehr als sicher, dass hier versucht wird, mit der Leichtgläubigkeit vieler Kunden Geld zu verdienen. Denn wirkliches Expertenwissen findet sich in diesen Büchern nicht. Vermehrt treten zudem auch wieder Telefonbetrüger auf, die mit Spam-Anrufen arglose Menschen hereinlegen wollen.

Wie gesundfit.de mitteilt, werden mittlerweile ganze Themenbereiche mit Schrottbüchern überflutet. Beliebte Themengebiete sind dabei zum Beispiel der Finanzmarkt, Kryptowährungen oder Anlagestrategien.  Die Flut dieser „Schrottliteratur“ beispielsweise bei Versandhändlern wie Amazon sei ein Problem, das es mittlerweile schon seit mehr als 5 Jahren gebe, wie Höpker mitteilt. 

Wie kann es dann sein, dass diese vermeintlich schlechten Bücher derart hochgelobt werden? Dem Experten sind die Tricks klar: Auch hier ist die Vermarktung der Schlüssel. Gekaufte Kommentare, gekaufte Bewertungen oder Bilder von gut aussehenden, kompetent wirkenden Models auf dem Cover geben dem Kunden eine Sicherheit, hier ein Buch in der Hand zu haben, auf dessen fundiertes Wissen er bauen kann. Doch das ist nicht so. Recherchiert man die Autoren im Internet, wird man schnell fündig - oder eben auch nicht. Denn den Autoren, der Experte oder Unternehmer auf seinem Gebiet sein soll und schon seit 20 Jahren im Geschäft ist, gibt es oft gar nicht. Und nicht nur das: Immer wieder werden ganze Autoren frei erfunden bzw. Pseudonyme verwendet, unter deren Namen man dann einen möglichst hochgestochenen Lebenslauf aufzieht, ohne dass die Person wirklich existiert.

Bild, Name und Lebenslauf: Voilà! Der Autor ist kreiert

Aber wie kann so etwas funktionieren? Ganz einfach. Ein bisschen etwas über ein Thema zu schreiben ist nicht sonderlich schwer. Selbst wenn man nur die Google-Treffer-Anzeigen liest, diese zusammenfasst und in ein Buch packt, kann man dieses dann auf den Markt bringen. Ob das nun das Wissen ist, dass sich der Käufer wünscht, wenn er ohnehin nach einem Buch über ein Gebiet sucht, mit dem er nicht vertraut ist - das ist eine andere Frage. Jedoch beantwortet sie sich eigentlich allein dadurch, dass er zu einem Buch greift und nicht selbst im Internet recherchiert, von selbst. Was dabei klar sein sollte ist, dass hinter dem Konzept ganze Unternehmen stehen, die nur Eines im Auge haben: Ihr Geld. 

Aber wie erkennt man die Fake-Ratgeber? Das einfachste ist es, einfach selbst zu recherchieren. Wenn man zu einem „führendem Experten auf dem Gebiet“ nichts findet, wird es wohl kaum ein wahrhaftig führender Experte auf dem Gebiet sein. Laut habitgy.de kann man aber auch schon vorab auf bestimmte Dinge achten: 

  • Ungewöhnlich viele Veröffentlichungen in kurzer Zeit 
  • Unpassende Kategorien
  • Außergewöhnlich dünnes Buch
  • Ein gekauftes Autorenbild oder ein Bild mit einer sehr schlechten Qualität
  • Ein eingefügtes „Besteller-Banner“ auf dem Anzeigebild des Buches
  • Auf der Seite finde Sie außerdem eine Namensliste an Pseudonymen, die gekaufte Stockfotos verwenden. Lustig dabei, dass sogar manche Autoren das gleiche Bild benutzen, aber unterschiedliche Namen haben. 

Was tut Amazon dagegen?

Insa Schniedermeier berichtet Business-punk.com, sie hätte sich mit einer Beschwerde direkt an Amazon gewandt. Dem Unternehmen sei das Problem schon seit geraumer Zeit bekannt, man hätte prompt reagiert. Gekaufte Rezensionen und Bewertungen wurden heruntergenommen. Nach kurzer Zeit jedoch waren sie wieder da. Schniedermeier betont, dass der beste Weg, sich gegen die Fake-Ratgeber zu behaupten, die tatsächliche Kenntnis des Problems sei. Kunden können sich nur dann schützen, indem sie genau wissen, was sie kaufen und woher es stammt. Andernfalls wird es schwer, den Gaunern das Handwerk zu legen.