Demografischer Wandel: Sozialabgaben in Deutschland vor Rekordhoch?
Steigende Sozialabgaben könnten bis 2050 über 50 Prozent des Einkommens beanspruchen und gravierende Auswirkungen auf die Wirtschaft haben.
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In Deutschland werden die Sozialabgaben zu einem immer größeren Problem. Neue Berechnungen zeigen, wie stark sich die Belastung verändern könnte.
Bereits über 40 Krankenkassen haben ihre Beiträge erhöht. Die Belastung der Versicherten nimmt damit weiter zu. Kurz vor Weihnachten hat Martin Werding, Professor für Sozialpolitik und Öffentliche Finanzen an der Ruhr-Universität Bochum und Mitglied der Wirtschaftsweisen, vor "massiven Problemen" gewarnt.
In einer Berechnung für das Nachrichtenmagazin Spiegel zeigt Werding, dass bis zum Jahr 2050 Sozialabgaben von 53 Prozent möglich sind, sollten entsprechende Reformen ausbleiben.
Höhere Sozialabgaben durch immer weniger Einzahler
Bei den Abgaben würden im Jahr 2050 ganze 22,8 Prozent der Löhne und Gehälter alleine für die Rente fällig werden. Aktuell sind es 18,6 Prozent. Für den Experten bleibt der demografische Wandel das entscheidende Hindernis.
Bei den Berechnungen hat sich Werding auf die neuesten Bevölkerungsvorausrechnung des Statistischen Bundesamts bezogen. Dabei zeigt sich, dass die Schrumpfung der Erwerbsbevölkerung stärker ausfällt als zuvor angenommen.
Das Bundesamt sieht für das Jahr 2070 geschätzt 37,1 bis 45,3 Millionen Menschen in Deutschland, die dann zwischen 20 und 66 Jahre alt sein werden. Noch im Oktober 2025 waren es 46 Millionen Menschen.
50 Prozent Sozialabgaben: "Keine Frage, ob, sondern wann sie kommen"
Die niedrige Zahl der möglichen Beitragszahler würde demnach dafür sorgen, dass die Sozialabgaben eben auf über 50 Prozent steigen können. Geht man noch ein paar Schritte weiter, dann wären es 2080 sogar 60,1 Prozent Abgaben.
Wichtig: Es handelt sich bei den Daten um keine exakte Vorhersage. Werding: "Bei allen Unsicherheiten ist allerdings klar: Die Demografie stellt uns vor massive Probleme." Solch hohe Sozialabgaben würden "drastische Rückwirkungen auf Wachstum und Beschäftigung haben".
Bereits im Juli 2025 hatte Werding im Austausch mit der Rheinischen Post auf die Entwicklung hingewiesen und erklärt: "Die Frage ist nicht, ob die Beitragssätze irgendwann 50 Prozent erreichen, sondern wann das geschieht." Er bezeichnete die aktuelle Entwicklung als "atemberaubend".
Welche Probleme bringen höhere Sozialabgaben der Wirtschaft?
Wie es der Bayerische Rundfunk in einem Beitrag beschreibt, haben sehr hohe Sozialabgaben eine große Auswirkung auf die Wirtschaft, da sie sich auf die Arbeitskosten niederschlagen.
Gerade exportorientierte Unternehmen haben Probleme, wenn die Lohnkosten steigen. Vor rund 20 Jahren, heißt es im Bericht, ist es deshalb "auf Drängen der Arbeitgeberverbände zu einem breiten politischen Konsens geworden, dass die Sozialversicherungsbeiträge in der Summe nicht mehr als 40 Prozent betragen sollten".