Druckartikel: Diskussion um Rente: Eintritt nach Beitragsjahren statt nach Alter?

Diskussion um Rente: Eintritt nach Beitragsjahren statt nach Alter?


Autor: Ellen Schneider

Deutschland, Mittwoch, 08. April 2026

Geht es darum, die Lebensarbeitszeit zu verlängern, wird oft diskutiert, dass sich der Renteneintritt an den Beitragsjahren statt am Alter orientieren sollte. Der Effekt könnte jedoch ein gegenteiliger sein.
Gelten künftig die Beitragsjahre als Maßstab für den Renteneintritt anstelle des Alters, würden viele Menschen länger arbeiten, vermuten Experten. Aber stimmt das wirklich?


Immer mehr Menschen in Deutschland nehmen Abschläge in Kauf, um schon vor dem regulären Renteneintrittsalter den Ruhestand antreten zu können. Und das, während die Politik eigentlich in die entgegengesetzte Richtung steuern will: Geht es nach Bundeskanzler Friedrich Merz oder Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) sollen die Menschen in Deutschland länger arbeiten.

Auch ein Renteneintritt, der sich an Beitragsjahren orientiert, statt an dem Alter, wird dabei immer wieder diskutiert. Regierungsberater und Ökonom Jens Südekum schlug vor, dass Arbeitnehmer künftig erst dann abschlagsfrei in den Ruhestand gehen könnten, wenn sie 45 Jahre eingezahlt haben. Gegenüber der Neuen Osnabrücker Zeitung betonte er: "Das Ziel bleibt eine effektive Verlängerung der Lebensarbeitszeit. Insofern müssten es schon mindestens 45 Jahre sein." Arbeitsministerin Bärbel Bas kommentierte, sie finde den Vorschlag "grundsätzlich ganz gut".

Regierungsberater schlägt neues Konzept vor: Früher in Rente?

In Deutschland gilt aktuell: Wer in Rente geht, muss sich je nach Modell an das vom Gesetzgeber festgelegte Eintrittsalter halten. Regulär wird das aktuell bis 2031 schrittweise auf 67 Jahre angehoben, erklärt die Deutsche Rentenversicherung (DRV) im Netz. Angefangen mit dem Geburtsjahrgang 1947 stieg die Grenze so bis 2023 jährlich an. Schon wer fünf Jahre Beiträge eingezahlt hat, kann regulär mit 67 in Rente.

Kann man mindestens 35 Beitragsjahre vorweisen und nimmt Abschläge in Kauf, kann man je nach Jahrgang schon mit 63 in Rente. Besonders langjährig Versicherte mit 45 Beitragsjahren können sogar ohne Abschläge schon früher in Rente - ab dem Jahrgang 1964 mit 65 Jahren, zuvor mit 63.

Würde also das diskutierte Modell für alle Arbeitnehmer in Deutschland dazu führen, dass sie später in Rente können? Nein, vermutet Michael Popp, Referent für Alterssicherung beim Sozialverband VdK. Wie er gegenüber dem Bayerischen Rundfunk (BR) äußerte, erwartet der Sozialverband einen "paradoxen Effekt", würde die Rente nach 45 Beitragsjahren eingeführt. So würde "für die einen eine zusätzliche Frühverrentungs-Option geschaffen" und "andere, die wegen Krankheit oder zum Beispiel einem zweiten Bildungsweg Ausfallzeiten hätten, würden diskriminiert", so Popp.

Rente nach Beitragsjahren statt Alter: So würde sich das Konzept auswirken

Denn: Wer bereits mit 16 Jahren eine Ausbildung beginnt und einzahlt, könnte bei durchgehender Beschäftigung dem Modell von Jens Südekum zufolge schon mit 61 Jahren in Rente gehen. Steigt jemand hingegen nach einem Studium erst mit 25 Jahren ins Arbeitsleben ein, wäre ein abschlagsfreier Renteneintritt vor dem Erreichen des 70. Lebensjahrs ausgeschlossen.