Psychische Erkrankungen: Hauptgrund für Fehltage in Bayern
Autor: Stefan Lutter
Deutschland, Donnerstag, 15. Oktober 2026
Psychische Leiden führen in Bayern zu den meisten Fehltagen. Langzeiterkrankungen nehmen deutlich zu und belasten Unternehmen wie Beschäftigte.
Der Krankenstand in Bayern hat sich 2025 je nach Krankenkasse leicht rückläufig entwickelt. Langzeiterkrankungen verursachen dennoch einen überproportionalen Anteil der Fehltage. Besonders deutlich ist der Anstieg bei psychischen Erkrankungen mit langer Ausfalldauer: Die dadurch verursachten AU-Tage stiegen zwischen 2016 und 2025 um fast 50 Prozent.
Zugleich hat die schwarz-rote Koalition eine Attestpflicht ab dem ersten Krankheitstag und das Ende der telefonischen Krankschreibung angekündigt. Stand 15. Oktober 2026 ist diese geplante Änderung noch nicht in Kraft. Hausärzte kritisieren die Pläne scharf; Krankenkassen-Daten weisen vor allem auf die Bedeutung lang andauernder Erkrankungen hin.
Attestpflicht ab dem ersten Krankheitstag: Was derzeit gilt
Schnupfen, Halsweh, ein paar Tage flach – dieses Bild haben viele vor Augen, wenn sie an den Krankenstand denken. Am 2. Juli 2026 verständigte sich der Koalitionsausschuss von CDU, CSU und SPD politisch darauf, die Attestpflicht auf den ersten Krankheitstag vorzuziehen und die telefonische Krankschreibung abzuschaffen. Das Beschlusspapier ist jedoch noch kein geltendes Gesetz.
Bis zu einer Gesetzesänderung gilt weiterhin die gesetzliche Grundregel: Dauert eine Arbeitsunfähigkeit länger als drei Kalendertage, muss eine ärztliche Bescheinigung spätestens am darauffolgenden Arbeitstag vorliegen. Arbeitgeber können sie aber schon früher verlangen. Auch die telefonische Krankschreibung bleibt nach den geltenden Vorgaben weiterhin möglich. Friedrich Merz hatte angekündigt, das Gesetzgebungsverfahren bis Ende 2026 abzuschließen. Nach den bislang veröffentlichten Plänen müssen Beschäftigte nicht zwingend am ersten Krankheitstag eine Arztpraxis aufsuchen. Wie die Regelung im Einzelnen ausgestaltet werden soll, etwa bei Rückdatierungen oder Videosprechstunden, war in den vorliegenden Angaben noch offen.
Der Bundesvorsitzende des Hausärztinnen- und Hausärzteverbandes, Markus Blumenthal-Beier, nannte die Beschlüsse gegenüber dem Deutschen Ärzteblatt eine "absolute Katastrophe" und warnte vor einer Überlastung der Praxen. Experten befürchten zudem einen paradoxen Effekt: Wer ohnehin einen Arzttermin benötigt, könnte sich gleich für mehrere Tage krankschreiben lassen. Dadurch könnte aus einem kurzen Ausfall ein längerer werden. Die Krankenkassen-Daten zeigen jedoch, dass lange Ausfälle einen besonders großen Anteil der Fehltage verursachen.
Auch aus Bayern kam Kritik. Gesundheitsministerin Judith Gerlach (CSU) bezeichnete die geplante Abschaffung der telefonischen Krankschreibung als zusätzliche Bürokratie und verwies darauf, dass nur rund ein Prozent der Krankschreibungen telefonisch erfolge. Die Stadt München kündigte an, eine mögliche Ausnahme zu nutzen, falls die Neuregelung Abweichungen zulässt. Weitere Informationen dazu bietet der Bericht zur Kritik aus München und Bayern.
Krankenstand in Bayern 2025: BKK und TK melden Rückgänge
Laut dem Betriebskrankenkassen-Dachverband für Bayern (BKK Landesverband Bayern) waren BKK-versicherte Erwerbstätige im Freistaat 2025 durchschnittlich an 19,2 Kalendertagen arbeitsunfähig. Das waren rund drei Tage weniger als der Bundesschnitt von 22,1 Tagen und etwas weniger als 2024, als der Wert bei 19,5 Tagen lag. Bayern belegte damit nach Baden-Württemberg einen der vorderen Plätze beim niedrigen Krankenstand. Die BKK-Auswertung für 2025 weist zugleich auf große regionale Unterschiede hin.