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Merz-Regierung: Arbeitszeitreform noch in diesem Jahr - 70-Stunden-Woche


Autor: Nadine Wüste

Deutschland, Freitag, 08. Mai 2026

Die Bundesregierung plant eine Reform des Arbeitszeitgesetzes. Künftig könnte eine wöchentliche Höchstarbeitszeit anstelle des klassischen 8-Stunden-Tags gelten, was für viele Beschäftigte weitreichende Folgen hätte.
Friedrich Merz und Bärbel Bas.


Die Merz-Regierung will ans Arbeitszeitgesetz. Das könnte für Millionen von Beschäftigten erhebliche Nachteile bringen. Denn: Der klassische 8-Stunden-Tag soll verschwinden; eine wöchentliche Arbeitszeit soll kommen. Der Entwurf für das neue Gesetz "wird im Juni kommen", wie Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas am Mittwoch (6. Mai 2026) im Bundestag verkündete. 

Die Änderung ist im Koalitionsvertrag von Union und SPD gesetzt, dass es künftig nur noch eine wöchentliche Höchstarbeitszeit geben soll und keine den einzelnen Arbeitstag betreffend. Vorschläge, Millionäre und Überreiche fair und angemessen zu besteuern, werden allerdings immer wieder abgeschmettert, wobei Beispielrechnungen zeigen, wie genau durch das Vermeiden dessen mehr und mehr soziale Ungleichheit in Deutschland geschaffen wird – die Mittelschicht wird ärmer, Reiche immer vermögender. Einige Parteien haben dazu Modelle ausgearbeitet, die eine realistische und faire Besteuerung zeigen.

Vergleich: Was aktuell gilt – und was kommen soll

Derzeit heißt es im Arbeitszeitgesetz, dass Beschäftigte maximal acht Stunden am Tag arbeiten dürfen, in Ausnahmefällen zehn Stunden, und sofern der Durchschnitt über sechs Monate hinweg bei acht Stunden bleibt. Hinzu kommt eine wöchentliche Obergrenze von insgesamt 48 Stunden. 

Mit der Änderung einer wöchentlichen Höchstarbeitszeit soll das Arbeiten für Arbeitnehmer "flexibler" gestaltbar sein. Hintergrund sind die EU-Arbeitszeitrichtlinie aus 2003 und ein EuGH-Urteil von 2019. Demnach müssen Arbeitgeber dazu verpflichtet werden, die Arbeitszeit ihrer Beschäftigten täglich systematisch zu erfassen.

Bärbel Bas will mit der "Lockerung" der Arbeitszeitregelung gleichzeitig die elektronische Arbeitszeiterfassung regeln. "Es soll ja auch nicht ausbeuterisch werden", so Bas. Die Unzufriedenheit mit der schwarz-roten Bundesregierung ist enorm. Bundeskanzler Merz hat sich nun in einer Talkshow dazu geäußert, ob er aus den schlechten Ergebnissen Konsequenzen zieht – ist es ihm gleichgültig?

Harte Kritik: Arbeitsrechtler und Gewerkschaften laufen Sturm 

Arbeitsrechtlerinnen und Arbeitsrechtler des Hugo-Sinzheimer-Instituts kritisieren die Pläne heftig, wie die Frankfurter Rundschau (FR) berichtet. Sollte die wöchentliche Arbeitszeit nach Plänen der Union und der SPD durchgesetzt werden, ist ein Arbeitstag von 12 Stunden und 15 Minuten nämlich zulässig – und das bei einer Sechs-Tage-Woche. In Extremfällen könnten Arbeitgeber ihre Beschäftigten also 73,5 Stunden in der Woche zur Arbeit verpflichten. 

Über einen längeren Zeitraum müsste weiterhin ein 48-Stunden-Durchschnitt eingehalten werden. Doch bei einzelnen Wochen wäre eine derart hohe Arbeitsbelastung gesetzlich gebilligt. Arbeitnehmer hätten kaum eine Chance, sich 12-Stunden-Tagen zu widersetzen. 

Auch Gewerkschaften laufen Sturm. DGB-Chefin Yasmin Fahimi erläutert gegenüber der FR: "Das geltende Arbeitszeitgesetz dient aus arbeitsmedizinischer Sicht dem Schutz der Beschäftigten.

"Überlange Tage kurbeln die Wirtschaft nicht an"

Überlange Arbeitszeiten und fehlender Einfluss auf die Arbeitszeitlage führen dagegen zu Erkrankungen, die Wirtschaft und Gesundheitssystem schwer belasten." Eine besondere Belastung sehen Kritiker in Berufen, in denen ohnehin schon Fachkräfte fehlen. 

Verdi-Vorsitzender Frank Werneke ergänzt, dass die Pläne für ein neues Arbeitsgesetz ein Signal der Empathielosigkeit seien. "Änderungen am Arbeitszeitgesetz sind unnötig und vor allem kontraproduktiv: mehr Krankschreibungen und gesundheitliche Langzeitfolgen, negative Konsequenzen für die Gleichstellung, noch geringere Vereinbarkeit von Familie und Beruf", fügt stellvertretende Verdi-Vorsitzende Andrea Kocsis an. 

"Überlange Tage kurbeln auch die Wirtschaft nicht an, da die Produktivität der Beschäftigten sinkt und Gesundheitsprobleme steigen", heißt es seitens Verdi.