Klingbeils Pläne: Kein Ehegattensplitting mehr - was das für Eheleute bedeutet
Autor: Ellen Schneider, Agentur dpa, Nadine Wüste
Deutschland, Freitag, 10. April 2026
Klingbeil will das Ehegattensplitting durch ein Realsplitting ersetzen – was das für Einkommensteuer und Rente bedeutet.
Das Ehegattensplitting ist seit Jahrzehnten ein fester Bestandteil des deutschen Steuerrechts – doch SPD-Chef Lars Klingbeil will das ändern. Er plant, das klassische Splitting-Modell durch ein modernes Realsplitting zu ersetzen. Damit sollen Ehepaare künftig individueller besteuert werden, was vor allem Doppelverdiener-Paare begünstigen würde. Gleichzeitig könnten Alleinverdiener-Ehen und traditionelle Familienmodelle deutlich schlechter gestellt werden. Auch die Auswirkungen auf die Rente sind Teil der Debatte und sorgen für Diskussionen.
Realsplitting soll Partnerschaften stärken - und die Teilzeitquote senken
Die Regierung will in Deutschland eine umfassende Sozialreform anstoßen. Wie diese aussehen könnte, skizzierte Vizekanzler Lars Klingbeil (SPD) bei einer Veranstaltung der Bertelsmannstiftung. Er setzte sich dabei unter anderem für eine Abschaffung des Ehegattensplittings und eine Reform der Einkommenssteuer ein. Auch eine mögliche Abschaffung der kostenlosen Mitversicherung lehnt er nicht ab.
Klingbeils Ministerium hat dazu mittlerweile einen Entwurf erstellt: "Für die Zukunft soll das bestehende Konzept durch ein sogenanntes fiktives Realsplitting abgelöst werden", heißt es in einem Dokument, über das zuerst der Spiegel berichtete. Das Realsplitting stärke Partnerschaften, ohne bestimmte Lebensmodelle steuerlich zu bevorzugen. Rechenbeispiele des Instituts der Deutschen Wirtschaft zeigen, welche finanziellen Folgen eine Reform hätte.
Familienministerin Karin Prien (CDU) erwähnte im Podcast auf eine Frage nach Ursachen für die hohe Teilzeitquote in Deutschland unter anderem die Kinderbetreuung, die Aufteilung von Familien- und Sorgearbeit zwischen Ehepartnern und den Umgang von Unternehmen mit Frauen in Teilzeit. "Da gibt es viele Faktoren, aber Steuerrecht spielt sicherlich eine entscheidende Rolle", sagte sie.
Klingbeil skizziert seine Reform-Agenda
Die Besteuerung von Ehepaaren ist nicht der einzige Punkt, an dem Klingbeil ansetzen möchte. Er will eine umfassende Reform. Dafür seien "alle gefordert, Gewohnheiten aufzugeben, Blockaden aufzulösen", verlangte der SPD-Chef laut Redemanuskript. "2026 wird uns Mut abverlangen."
Einige seiner Vorschläge dürften auch in der eigenen Partei für Aufruhr sorgen. In den nächsten Wochen wollen Union und SPD demnach weitgreifende Reformen unter anderem bei Steuern, Gesundheit, Rente und in der Wirtschaftspolitik verabreden. Diese Reformen stehen demnach auf Klingbeils Agenda:
- Ehegattensplitting: Klingbeil will das Ehegattensplitting für künftige Ehen abschaffen und damit zehntausende Vollzeitstellen besetzen. Auch die Idee, die beitragsfreie Mitversicherung von Ehepartnern in der Krankenversicherung abzuschaffen, findet er gut.
- Rente: Bei der Rente will der Vizekanzler die Beitragsjahre in den Fokus rücken. Das heißt im Klartext: Wer später zu arbeiten beginnt, etwa nach einem Studium, soll auch erst später in Rente gehen. Auch ein vorzeitiger Renteneintritt sei laut Klingbeil nicht mehr zeitgemäß. Für die Einführung einer verpflichtenden, kapitalgedeckten Betriebsrente, in die Arbeitgeber und Arbeitnehmer einzahlen, warb der Vizekanzler ebenfalls.
- Arbeit: Eine Reform der Einkommenssteuer soll 95 Prozent der Beschäftigten entlasten, sagte Klingbeil. "Und zwar merklich, mit einigen hundert Euro im Jahr." Im Gegenzug müssten hohe Einkommen und hohe Vermögen "einen Beitrag leisten". Aber auch das Thema Arbeitszeit spricht Klingbeil an: "Wir werden als Gesellschaft insgesamt mehr arbeiten müssen", betonte er. Beispielsweise durch mehr Voll- statt Teilzeitarbeit. Damit sich Unternehmen trauten, trotz Unsicherheit mehr Menschen einzustellen, solle es längere Befristungsmöglichkeiten geben, schlägt Klingbeil vor.
- Investitionen: Um bei Investitionen mit staatlichen Mitteln für Tempo zu sorgen, wolle das Finanzministerium ein Bonus-Malus-System vorlegen: Wer schnell und sinnvoll investiere, soll einen Bonus erhalten. Wo Projekte zu langsam umgesetzt oder Mittel nicht sinnvoll investiert würden, müsse im Zweifel gekürzt werden.
- Mehrwertsteuer: Zeitgleich stellte sich Bundeskanzler Merz im Bundestag den Fragen der Abgeordneten. Auf Nachfrage der Linken-Fraktionschefin Heidi Reichinnek sagte er dort laut Bild: Eine Mehrwertsteuererhöhung könne nicht ausgeschlossen werden - ebenso wenig jedoch eine Mehrwertsteuersenkung für Lebensmittel. "Es wäre auch denkbar, zur Entlastung der Haushalte mit sehr niedrigem Einkommen, den ermäßigten Mehrwertsteuersatz für Lebensmittel deutlich zu senken. Auch das wäre eine Option, die ich nicht ausschließe", sagte Merz demnach.