Ifo-Umfrage: KI am Arbeitsplatz sorgt für sinkende Löhne
Autor: Lea Mitulla, Agentur dpa
München, Donnerstag, 13. August 2026
Arbeitnehmer haben mit Blick auf Künstliche Intelligenz Angst um ihren Arbeitsplatz. Doch nicht nur die Arbeit an sich wird durch neue Technologien verändert, auch die Löhne könnten beeinflusst werden, wie eine Umfrage zeigt.
Der Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) verändert nicht nur den Arbeitsplatz, er könnte sich bald auch auf die Gehälter auswirken. Eine Umfrage des Ifo-Instituts zeigt, dass viele Unternehmen mit sinkenden Löhnen rechnen. Besonders Berufseinsteiger wären davon betroffen.
Das Ifo-Institut hat mehr als 3000 deutsche Unternehmen, die KI nutzen, gefragt, wie sich dies in den kommenden fünf Jahren auf die Löhne auswirken wird. Die Ergebnisse wurden als Teil der Konjunkturumfrage veröffentlicht. Demnach würden insgesamt deutlich mehr Unternehmen negative als positive Effekte erwarten. Wie Ifo-Forscherin Anna Ruffert erklärt, werden aber nicht alle Beschäftigten gleichermaßen betroffen.
KI könnte für sinkende Löhne sorgen: Berufseinsteiger besonders betroffen
"Am ehesten rechnen sie [die Unternehmen] bei weniger erfahrenen Arbeitskräften mit sinkenden Löhnen", sagt Ruffert in einer Mitteilung des Instituts. Bei Arbeitnehmern mit weniger als fünf Jahren Berufserfahrung erwarten rund 50 Prozent der Betriebe eine solche Entwicklung in den nächsten fünf Jahren. Einen Anstieg sagen nur sehr viel weniger vorher.
Auch Beschäftigte mit mehr als fünf Jahren Erfahrung kann es treffen. Für sie stehen die Chancen allerdings besser: Ohne Hochschulabschluss sagen rund 40 Prozent der Unternehmen sinkende Löhne voraus, und etwa zehn Prozent steigende Löhne. Mit Hochschulabschluss sinkt die Chance auf geringeren Lohn auf etwa 37 Prozent – und 26 Prozent der Firmen gehen sogar von steigendem Gehalt aus.
Auch je nach Branche zeigen sich deutliche Unterschiede. Am häufigsten erwarten Unternehmen aus dem Dienstleistungsbereich sinkende Löhne. Für Beschäftigte mit kurzer Berufserfahrung und ohne Hochschulabschluss sagen dies hier 53,3 Prozent, für Beschäftigte mit langer Erfahrung immer noch 44,2. Im Handel sind es 47,9 und 41,3 Prozent, im verarbeitenden Gewerbe 46,5 und 38,9 Prozent. Am schwächsten sind die Auswirkungen am Bau: Hier erwarten nur 39 Prozent sinkende Löhne für Mitarbeiter mit niedriger Berufserfahrung und 31,3 Prozent bei höherer Erfahrung.
Arbeitsorganisation warnt: Schon der Berufseinstieg wird schwierig
Und es geht nicht nur um das Gehalt: Gerade Jobs, über die viele junge Menschen bislang ins Berufsleben einstiegen, könnten sich durch Automatisierung und generative KI besonders schnell verändern, heißt es von der Internationale Arbeitsorganisation (ILO), die sich dabei aber nicht spezifisch auf Deutschland bezieht. Sie nennt kaufmännische und administrative Tätigkeiten, Jobs im Verkauf und im Dienstleistungsbereich sowie Stellen in der Produktion und in einigen technischen Berufen.
Einige der Jobs blieben zwar, stellten aber neue Anforderungen. Gefragt seien deshalb digitale Kenntnisse, die Fähigkeit zur Kontrolle von KI-Ergebnissen und ein Verständnis dafür, wann menschliches Urteil notwendig bleibe. Gleichzeitig wachse aber die Nachfrage in wissensintensiven technischen Berufen weiter, etwa in den Naturwissenschaften, im Ingenieurwesen und Gesundheitswesen
sowie in Informations- und Kommunikationstechnologien. Die Organisation fordert deshalb mehr Investitionen in gute Bildung, berufliche Ausbildung, lebenslanges Lernen und Ausbildungsplätze.