Gesundheitssystem: "Zerstörungsprogramm" - Hausärzte laufen Sturm gegen Warkens pläne
Autor: Nadine Wüste, Agentur dpa
Berlin, Freitag, 24. April 2026
Eine Expertenkommission empfiehlt zahlreiche Maßnahmen, um die gesetzlichen Krankenkassen zu entlasten. Darunter finden sich gleich mehrere strittige Punkte.
Seit Mitte April sind die 66 Empfehlungen der Gesundheits-Expertenkommission der Bundesregierung Dauerthema. Im Gesundheitssystem soll gespart werden, die Beiträge für die gesetzlichen Krankenkassen sollen steigen, Medikamentenzuzahlungen in der Apotheke sollen von 5 bis 10 Euro auf mindestens 7,50 Euro und maximal 15 Euro angehoben werden, Ärztehonorare sollen gekürzt werden und Eheleute, die ihre Partner beitragsfrei mitversichert haben, sollen künftig 3,5 Prozent extra an die Krankenkasse zahlen.
Die gesamte Reform soll bis zu 42 Millionen Euro an Einsparungen bis 2027 bringen. Da bei den gesetzlichen Krankenkassenbeiträgen vor allem Gutverdiener ins Visier genommen werden sollen, befürchtet Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) allerdings selbst, dass es womöglich eine Wechselwelle der Versicherten hin zur Privaten Krankenkasse geben könnte. Die Lücke, die dadurch bei den gesetzlichen entstünde, müsste wiederum aufgefangen werden, so Experten. Hausärzte äußern sich nun (24. April 2026): Für sie sind Warkens Sparpläne ein "Zerstörungsprogramm".
"Vollkommen planlos": Hausärzte wütend über Warkens Gesundheitspläne
Der Verband der Hausärztinnen und Hausärzte hat die Pläne als "vollkommen planlos" kritisiert. "Auf der einen Seite sagt sie, dass die Hausärztinnen und Hausärzte in Zukunft noch mehr Aufgaben übernehmen sollen, auf der anderen Seite wird genau an dieser Stelle massiv der Rotstift angesetzt", sagte der Verbandsvorsitzende Markus Blumenthal-Beier der "Rheinischen Post".
Das Spargesetz sei "ein Zerstörungsprogramm für die Hausarztpraxen". Blumenthal-Beier warnte: Wenn die CDU-Ministerin ihr Spargesetz in dieser Form durchsetze und bei den Hausarztpraxen massiv spare, dann werde das sogenannte Primärversorgungssystem nicht zu schaffen sein.
Damit ist ein Reformprojekt gemeint, wonach der Hausarzt künftig in der Regel die erste Anlaufstelle für Patienten sein soll. Ziel ist eine verbesserte Patientensteuerung und ein effizienterer Einsatz von Kapazitäten. "Die Ministerin torpediert ihre eigene Reformagenda. Das ist absolut fahrlässig", sagte Blumenthal-Beier. Warken selbst will bis zum Sommer Gesetzespläne ins Kabinett bringen. Die CDU-Politikerin sagte in Berlin, sie sei dankbar, dass die Kommission "einen gut gefüllten Werkzeugkasten" vorgelegt habe, aus dem man jetzt die besten auswählen werde.
Wie im Gesundheitswesen Geld gespart werden soll: 66 Empfehlungen würden Bürger teils hart treffen
Dazu müssten alle Beteiligten beitragen. Ziel sei vor allem "die Beitragsspirale nach oben zu stoppen." Der Katalog, den die Kommission mit zehn Professorinnen und Professoren seit dem Herbst erarbeitete, schlägt "Belastungen auf vielen Schultern vor". Der größte Block mit Einsparungen von bis zu 19 Milliarden Euro könnte demnach bei Leistungserbringern wie Praxen und Kliniken sowie Herstellern liegen – vor allem dadurch, dass deren Vergütungen nicht stärker steigen als die Einnahmen der Kassen.
Ein Teil der Empfehlungen würde bei Patientinnen und Patienten ankommen. Die Kommission ermittelte dafür insgesamt ein Sparpotenzial für die Kassen von bis zu 4,1 Milliarden Euro.