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Frauen zahlen höhere Zinsen als Männer


Autor: Klaus Heimann

Deutschland, Mittwoch, 30. Sept. 2026

Spätestens bei teuren Anschaffungen braucht fast jeder einen Kredit. Die Zinshöhe ist abhängig von der aktuellen Lage auf dem Finanzmarkt und den Leitzinsen. Dass Frauen generell höhere Zinsen zahlen als Männer, erstaunt dann aber schon.
Frauen zahlen gut sechs Prozent mehr an Zinskosten.


Bei der Kreditvergabe haben Frauen gegenüber Männern die schlechteren Karten: Sie zahlen höhere Zinsen, bekommen geringere Darlehen und kassieren häufiger eine Ablehnung. Das ergibt eine Auswertung des Vergleichsportals Verivox. Eigentlich dürfen Banken und Sparkassen bei der Vergabe von Darlehen nicht auf das Geschlecht, die ethnische Herkunft oder das Alter schauen. Doch die Praxis sieht anders aus. Woran liegt das?

Zahlen Frauen wirklich höhere Kreditkosten als Männer?

6,77 Prozent – so hoch ist der mittlere Zinssatz für Frauen, die im Juli im Jahr 2026 einen Kreditvertrag abgeschlossen haben. Bei Männern lag der mittlere Zins im selben Zeitraum bei 6,39 Prozent. Das heißt im Klartext: Frauen müssen auch im Jahr 2026 unverändert im Mittel für ihre Kredite höhere Zinsen zahlen als Männer. Der Unterschied macht rund sechs Prozent aus.

Aber damit sind die Nachteile für Frauen keineswegs beendet. Sie müssen nicht nur mehr Zinsen zahlen, sie haben es auch schwerer, überhaupt an einen Kredit heranzukommen. Sie erhalten auf ihren Kreditanfragen 15 Prozent weniger Angebote von einer Bank oder Sparkasse als die männlichen Kreditinteressenten.

Und das sind die aktuellen Eckwerte des Vergleichs 2026 von Verivox:

  • Mittlerer Zinssatz:
  • Frauen: 6,77 %
  • Männer: 6,39 %

 

  • Durchschnittliche Kreditsumme:
  • Frauen: 14.382 Euro
  • Männer: 17.582 Euro

 

  • Erfolgreiche Kreditzusage:
  • Frauen: 69 %
  • Männer: 75 %

Wirken sich die Einkommensunterschiede auf die Kreditkosten aus?

Die Unterschiede lassen sich allerdings nicht darauf zurückführen, dass Frauen plump allein wegen ihres Geschlechts höhere Zinsen berechnet bekommen, stellt Verivox fest. Aber woran liegt es dann? Es sind die Arbeits- und Einkommenssituation, die ausschlaggebend sind, erklärt Oliver Maier, Geschäftsführer der Verivox Finanzvergleich.

"Frauen arbeiten häufiger in Teilzeit und unterbrechen ihre Erwerbstätigkeit öfter – entsprechend verdienen sie im Durchschnitt noch immer deutlich weniger als Männer." Das macht sich nicht nur im Schufa-Scour bemerkbar. Ein geringeres Einkommen ist aus Sicht der Banken und Sparkassen die Ursache für  eine geringere Kreditwürdigkeit. "Dadurch haben sie es schwerer, einen Kredit aufzunehmen, oder müssen dafür aufgrund des Risikos zumindest höhere Zinsen zahlen."

Rein rechtlich gesehen dürfen Banken und Sparkassen das Geschlecht, die ethnische Herkunft oder das Alter nicht als Kriterium heranziehen. Die rechtliche Grundlage für das Gleichbehandlungsgebot findet sich im Grundgesetz Artikel 3 und im Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG). Trotzdem führen Faktoren wie Einkommen und Beschäftigungsstatus letztlich zur Schlechterstellung.

Sollten Verheiratete zusammen zur Bank gehen?

Wesentlicher Faktor für die unterschiedlichen Kreditkosten ist die finanzielle Ausgangslage. Das fasst Verivox auch in harten Daten, Zahlen und Fakten zusammen: Das mittlere Nettoeinkommen von Frauen lag, laut Auswertung, bei 2.443 Euro und damit 557 Euro beziehungsweise rund 19 Prozent unter dem der Männer (3.000 Euro).

Damit liegt die Einkommensdifferenz zwischen Männern und Frauen in einer ähnlichen Größenordnung wie der aktuelle Gender Pay Gap (Verdienstabstand pro Stunde zwischen Frauen und Männern) in Deutschland, nämlich bei 16 Prozent. Das geringere Einkommen wirkt sich bei der Kreditprüfung auf die Bonität und damit auf die angebotenen Konditionen aus. 

Bei der Prüfung der Kreditwürdigkeit achten Banken und Sparkassen neben dem Einkommen auf die Beschäftigungssituation (unbefristeter oder befristeter Arbeitsvertrag). Wenn sich die Faktoren zwischen den Geschlechtern deutlich unterscheiden, wirkt sich das auch in den Kreditkonditionen aus, berichtet Oliver Maier. 

Kann der Kreditvergleich die Kostenunterschiede minimieren?

Weil die Kredithöhe zum Einkommen passen muss, schränkt der durchschnittlich geringere Verdienst von Frauen auch den finanziellen Handlungsspielraum deutlich ein. Der durchschnittliche Kreditbetrag von Frauen liegt mit 14.382 Euro rund 18 Prozent niedriger als bei Männern (17.509 Euro), schreibt Verivox auf seiner Internetseite.

Unabhängig vom Geschlecht können Kreditinteressierte bei den Zinsen sparen, wenn sie vor Abschluss einen Anbietervergleich machen. Denn die Zinssätze unterscheiden sich je nach Bank und Sparkasse teilweise erheblich. So lagen die Zinsen für Ratenkredite laut Bundesbank im Schnitt bei 8,58 Prozent im Juli des Jahres 2026. 

Der durchschnittliche Kreditbetrag bei Frauen beträgt 14.382 Euro. Somit werden bei einer sechsjährigen Laufzeit insgesamt 3.976 Euro Zinsen fällig. Frauen, die vor dem Abschluss mithilfe von Verivox Kredite vergleichen, zahlten im Sommer 2026 nur 6,77 Prozent. Das waren zwar im Mittel etwas höhere Zinsen als bei Männern. Frauen sparen aber durch den Vergleich bei einem Preisportal immer noch 918 Euro, so die Berechnung von Verivox. Also ein Preisvergleich ist also eine lohnende Sache und Preis-Portale machen es einfach.

Gibt es bessere Konditionen mit einem Partner?

Frauen, die ihren Kredit gemeinsam mit einer weiteren Person beantragen, können ihre Konditionen verbessern. "Aus Sicht der Bank erhöht ein weiterer Antragsteller mit eigenem Einkommen die Bonität", erklärte Oliver Maier bereits 2019. Das Frauen bei der Kreditaufnahme benachteiligt sind ist also in Wirklichkeit keine neu Nachricht. Aktuell ist allerdings, dass die Nachteile auch im Jahre 2026 unverändert fortbestehen.

Nicht nur Ehe- und Lebenspartner können gemeinsam einen Kredit aufnehmen. Familienangehörige und enge Freunde kommen genauso infrage, darüber informierte inFranken.de bereits vor vier Jahren. Die Überlegungen der Banken und Sparkassen, die dahinterstecken, sind relativ simpel: Wenn zwei Kreditnehmende für das Geld haften, sinkt das Ausfallrisiko und die Kreditgebenden können günstigere Konditionen anbieten.

Und das sind die harten Zahlen zu diesem Phänom: Zwei Personen, die gemeinsam einen Kredit abschließen, zahlen im Schnitt 11 Prozent weniger Zinsen als Kreditnehmer, die ihr Darlehen allein aufnehmen, stellte Verivox bereits 2020 fest. Von der Möglichkeit der gemeinsamen Kreditaufnahme machten aber nur wenige Menschen Gebrauch. Nur jeder vierte Darlehensvertrag werde zu zweit abgeschlossen. Selbst unter verheirateten Kundinnen und Kunden beantragten 70 Prozent ihre Finanzierung allein, berichtet die Kreditfirma smava durch Auswertung ihrer vermittelten Ratenkredite.

Kann mehr und bessere Finanzbildung für Frauen helfen?

Unterm Strich zahlen Frauen oftmals höhere Zinsen für Kredite, erhalten niedrigere Darlehenssummen und ihre Kreditanfragen werden obendrein häufiger negativ entschieden als bei den Männern.

EEin Grund, warum Frauen bei Krediten benachteiligt sind, liegt auch darin, dass Frauen am Finanzmarkt noch nicht ausreichend selbstbestimmt und unabhängig handeln. Deshalb gilt es, das Finanzwissen stärker aufzubauen und so das Selbstvertrauen bei finanziellen Angelegenheiten zu stärken.

Laut einer Studie des Leibniz-Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim sollten Frauen deshalb sowohl in ihr Finanzwissen investieren als auch mehr Vertrauen in ihr eigenes Wissen entwickeln. Tabea Bucher-Koenen, Leiterin des ZEW-Forschungsbereichs Altersvorsorge und nachhaltige Finanzmärkte fasst das Ergebnis so zusammen: "Etwa 30 Prozent der Unterschiede in der finanziellen Bildung zwischen den Geschlechtern sind auf mangelndes Selbstbewusstsein zurückzuführen. Sowohl Wissen als auch Selbstvertrauen sind entscheidend für die Beteiligung am Aktienmarkt."