ETF statt Sparbuch? Warum immer mehr Menschen in Bayern selbst investieren
Autor: Benjamin Neumaier
Deutschland, Sonntag, 26. Juli 2026
2027 soll das neue Altersvorsorgedepot kommen – und damit auch ein stärkerer Fokus auf ETFs und Kapitalmarktanlagen für die private Altersvorsorge. Banken, Sparkassen und Experten beobachten schon heute einen deutlichen Wandel beim Sparverhalten – gerade in Bayern. Warum plötzlich Millionen Menschen selbst am Aktienmarkt investieren, welche Risiken dahinterstecken und was Einsteiger wissen sollten, beleuchtet diese Serie.
Noch vor wenigen Jahren galt das Sparbuch für viele Menschen als selbstverständlicher Teil der Geldanlage. Heute eröffnen auch in Ostbayern immer mehr Menschen Wertpapierdepots, richten ETF-Sparpläne ein und beschäftigen sich erstmals mit Kapitalmarktanlagen. Banken und Sparkassen berichten von deutlich wachsendem Interesse – nicht nur bei Vermögenden oder Börseninteressierten, sondern zunehmend auch bei Berufseinsteigern, jungen Familien und Menschen, die privat fürs Alter vorsorgen wollen.
Der politische Druck dahinter wächst ebenfalls. Bundeskanzler Friedrich Merz hatte zuletzt mehrfach betont, dass private Vorsorge in Zukunft wichtiger werde, weil sich viele Menschen langfristig auf niedrigere Rentenniveaus einstellen müssten. Mit dem geplanten Altersvorsorgedepot soll deshalb ab 2027 langfristiges Investieren am Kapitalmarkt stärker gefördert werden – insbesondere über breit gestreute Fonds und ETFs.
Anleger in Bayern: Aktienquote bundesweit an der Spitze
Dass Bayern bei diesem Wandel eine besondere Rolle spielt, zeigen aktuelle Zahlen des Deutschen Aktieninstituts. Mit einer Aktienquote von 23,1 Prozent liegt der Freistaat bundesweit an der Spitze. Fast jeder vierte Erwachsene besitzt inzwischen Aktien, Aktienfonds oder ETFs. In Ostdeutschland liegt die Quote dagegen bei rund 11 Prozent.
Gleichzeitig sparen die Menschen in Bayern weiterhin so viel Geld wie in keinem anderen Bundesland. Nach Angaben des Bayerischen Landesamts für Statistik legten die Bürgerinnen und Bürger im Jahr 2023 durchschnittlich 3858 Euro pro Kopf zurück. Der Unterschied zu früher: Ein wachsender Teil dieses Geldes fließt inzwischen nicht mehr ausschließlich auf Sparbücher, Tagesgeldkonten oder Festgeld, sondern zunehmend in ETF-Sparpläne und Wertpapierdepots.
Die Zahlen zeigen, wie stark sich der Wandel inzwischen beschleunigt hat. Nach Angaben des Deutschen Aktieninstituts besaßen 2025 deutschlandweit rund 14,1 Millionen Menschen Aktien, Aktienfonds oder ETFs – rund fünf Millionen mehr als noch vor zehn Jahren. Besonders stark wachse dabei die Zahl jüngerer Anleger.
ETF-Sparpläne treiben den Wandel bei der Geldanlage
„Wir beginnen aufzuholen“, sagt Gerrit Fey, Chefvolkswirt des Deutschen Aktieninstituts. Das liege einerseits am gewachsenen Interesse vieler Menschen an Kapitalmarktanlagen. Andererseits könnten das geplante Altersvorsorgedepot und weitere Reformen der privaten Vorsorge zusätzlichen Schub bringen.
„Immer mehr Menschen erkennen die guten Ertragschancen einer langfristigen, breit gestreuten und kontinuierlichen Anlage am Aktienmarkt“, erklärt Fey. ETFs spielten dabei eine wichtige Rolle, weil sie einen „vergleichsweise einfachen und kostengünstigen Zugang zum Kapitalmarkt“ ermöglichten.