Ein Jahr Trump-Präsidentschaft zeigt Wirkung: Deutsche Unternehmen investieren weniger in den USA – aus Angst vor Zöllen und Unsicherheit.
Seit Donald Trumps Rückkehr ins Weiße Haus hat sich das Verhältnis zwischen Deutschland und den USA auch wirtschaftlich deutlich abgekühlt. Deutsche Unternehmen meiden zunehmend Investitionen in den US-Markt – aus Angst vor Zöllen, Handelskonflikten und politischer Unberechenbarkeit. Besonders der Mittelstand reagiert sensibel auf die veränderten Rahmenbedingungen und sucht nach Alternativen in Europa und Asien. Ein Jahr nach Trumps Wiederwahl zieht die deutsche Wirtschaft eine ernüchternde Bilanz. Handelsexperten warnen davor, dass sich die langjährigen deutsch-amerikanischen Wirtschaftsbeziehungen nachhaltig verschlechtern könnten. Die Entwicklung stellt Unternehmen vor die Frage, wie sie ihre Internationalisierungsstrategie neu ausrichten sollen.
Warum meiden deutsche Unternehmen die USA?
Seit mehr als einem Jahr hält Donald Trump mit seiner Dekretpolitik die Welt in Atem. Das Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) in Köln hat sich die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Deutschland und den USA genauer angeschaut. Ergebnis: Deutsche Unternehmen meiden die USA. Deutsche Unternehmen investieren weniger in den USA, zugleich gehen die deutschen US-Exporte zurück. Das schadet nicht nur der deutschen Wirtschaft, sondern auch den USA, betont IW-Außenhandelsexpertin Samina Sultan.
Die deutsche Wirtschaft hat ihr Engagement in den USA in den ersten zehn Monaten der Präsidentschaft Donald Trumps deutlich zurückgefahren. Indikator dafür ist, dass die Direktinvestitionen um 45 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum zurückgegangen sind. Konkret investierten deutsche Unternehmen in diesem Zeitraum 10,2 Milliarden Euro in den USA. Im gleichen Zeitraum des Vorjahres waren es noch fast 19 Milliarden Euro.
Auch der Export ist zurück gegangen und zwar um rund 9 Prozent. Besonders betroffen sind zentrale Industriezweige: Die Ausfuhren von Kraftwagen und Kraftwagenteilen sanken um fast 19 Prozent, im Maschinenbau lag das Minus bei rund 10 Prozent und bei den chemischen Erzeugnissen gab auch einen Rückgang um mehr als 10 Prozent.
Bietet die USA noch einen verlässlichen Rahmen für die Unternehmen?
Weil die Situation in den USA unberechenbar ist, wendet sich die deutsche Wirtschaft immer mehr ab. "Das ist Gift für Investitionen und Handel", sagt IW-Außenhandelsexpertin Samina Sultan. Viele deutsche Unternehmen seien seit langem in den Vereinigten Staaten präsent, investierten dort und schufen Arbeitsplätze.
Aber: Unternehmen reagieren besonders sensibel auf Unsicherheiten. Wenn Firmen Wirtschaftsbeziehungen oder gar Produktionsstandorte aufbauen oder ausweiten, kalkulieren sie über Jahre. Wenn sich wirtschaftliche Rahmenbedingungen kurzfristig ändern, halten viele Unternehmen Investitionen zurück oder verschieben sie.
Trump's Wirtschaftskurs verunsichere Unternehmen, bremse den transatlantischen Austausch und treffe damit nicht nur deutsche Firmen, sondern schwäche auch den Wirtschaftsstandort USA. "Unterm Strich zahlen beide Seiten des Atlantiks den Preis", so Sultan. Wer sich dazu entschließt, große Summen zu investieren, braucht Verlässlichkeit und Planbarkeit. "Beides ist im Moment in den USA nicht gegeben", so die Feststellung der IW-Forscherin. Deshalb ist die bisherige Bilanz von Trump 2.0 bitter für beide Seiten des Atlantiks.