Deutschland: Milliarden durch Vermögensteuer – DIW-Studie zeigt Potenzial
Autor: Nadine Wüste
Deutschland, Dienstag, 10. Februar 2026
Mehr Steuergerechtigkeit in Deutschland? Eine neue Debatte um die Vermögensteuer sorgt für Diskussionen.
Eine ungleiche Verteilung von Reichtum und deutliche Defizite in den Haushalten - laut der Linken könnte der Bund zwei Probleme zugleich lösen, wenn Deutschland eine Vermögensteuer einführt. Forscher des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) haben im Auftrag der Linksfraktion nun analysiert, welche Auswirkungen das haben könnte.
Das Ergebnis: Potenziell hohe Milliardeneinnahmen, "ein erhebliches Besteuerungspotenzial bei den Reichen und Superreichen", aber auch signifikante Risiken angesichts der schwächelnden Wirtschaft.
Darum ist das Potenzial mit Vorsicht zu betrachten
Hier sei Fingerspitzengefühl gefragt, betont Studienautor Stefan Bach in Berlin. Die Vermögensteuer wird in Deutschland seit 1997 nicht mehr erhoben. Grund ist ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts, das einen Verstoß gegen den Gleichheitsgrundsatz sah.
Heißt: Immobilien wurden im Vergleich zu Geldvermögen oder Wertpapieren ungleich bewertet. Eine Vermögensteuer an sich wurde also nicht ausgeschlossen, es wäre aber eine Reform erforderlich gewesen. Diese will die Linke jetzt vorantreiben.
Vermögensteuer wieder einführen? Linke hält 5 Prozent bei 50 Millionen Euro für angemessen
Denn sie argumentiert, das Problem in Deutschland seien nicht Menschen, die zu wenig arbeiten, sondern "die 800.000 Menschen, die allein von ihrem Vermögen leben und einen Lebensstil haben, den wir uns nicht mehr leisten können", wie es Parteichefin Ines Schwerdtner formulierte. Die Linke schlägt in ihrem Vermögensteuerkonzept einen persönlichen Freibetrag von einer Million Euro und einen Freibetrag von fünf Millionen Euro für Unternehmensvermögen vor. Bis dahin würde also keine Vermögensteuer anfallen.
Besitzt man mehr, soll ein progressiver Steuertarif gelten. Zunächst müsste ein Prozent abgeführt werden, wer ein steuerpflichtiges Vermögen von 50 Millionen Euro hat, müsste fünf Prozent, wer eine Milliarde oder mehr besitzt, 12 Prozent. Nach Berechnung des DIW könnte der Staat bei einer solchen Vermögensteuer jährlich 147 Milliarden Euro einnehmen. Zahlen müsste fast ausschließlich das reichste eine Prozent der Bevölkerung mit einem persönlichen Vermögen ab 2,3 Millionen Euro. Ungefähr ein Drittel würden allein die Milliardäre beisteuern, sagte Bach.
"Dadurch wird die Vermögensungleichheit spürbar reduziert." Doch eine solche Besteuerung berge auch "beträchtliche wirtschaftliche Risiken". Vermögensteuerpflichtige könnten weniger investieren, ihren Wohnsitz ins Ausland verlegen (Wobei es in Deutschland eine Wegzugsbesteuerung für Unternehmer gibt, die ins Ausland wechseln möchten) und Schlupflöcher nutzen, etwa ihr Vermögen auf Ehepartner oder Kinder verteilen. Das könnte die Einnahmen bis zu 80 Prozent verringern, wegen sehr hoher Steuersätze für Milliardäre könnte das Ganze sogar nach hinten losgehen.