Bund plant Sparpaket: Krankenkassen-Defizit größer als erwartet
Autor: Nadine Wüste, Agentur dpa
Berlin, Mittwoch, 10. Juni 2026
Die Krankenkassen erwarten ein höheres Defizit als bisher angenommen. Die Bundesregierung diskutiert schmerzhafte Sparmaßnahmen und Kürzungen im Gesundheitswesen.
Die finanziellen Schwierigkeiten der gesetzlichen Krankenkassen verschärfen sich weiter, während über ein Spargesetz diskutiert wird. Nach vorläufigen Zahlen für das erste Quartal 2026 erwartet das Bundesgesundheitsministerium, dass das Defizit im kommenden Jahr um 3,5 Milliarden Euro höher sein wird als zuvor prognostiziert.
Das Ministerium teilte dies auf Anfrage in Berlin mit. Zuerst berichtete "Bild" darüber. Hintergrund ist ein deutlich stärkerer Anstieg der Ausgaben im ersten Quartal 2026 als für das Gesamtjahr 2026 angenommen.
Krankenkassen: Weitere Sparmaßnahmen geplant? Kabinett diskutiert am Freitag
Der Bundestag beschäftigt sich an diesem Freitag (12. Juni 2026) mit einem vom Kabinett initiierten Sparpaket, das weitere Erhöhungen der Zusatzbeiträge verhindern soll. Zahlreiche Ärzte kritisieren Warkens Sparmaßnahmen massiv – sie sehen die Versorgung bedroht.
Die Pläne von Ministerin Nina Warken (CDU) sehen bisher vor, die Kassen im Jahr 2027 um 16,3 Milliarden Euro zu entlasten. Dies wäre etwas mehr als das bisher erwartete Defizit von 15,3 Milliarden Euro.
Sollte sich das Minus jedoch um 3,5 Milliarden auf 18,8 Milliarden Euro vergrößern, bliebe anstelle des geplanten kleinen Puffers eine neue Lücke von 2,5 Milliarden Euro.
Kürzungen bei Praxen, Klinik und in der Pharmabranche geplant
Warken plant Ausgabenkürzungen bei Praxen, Kliniken und in der Pharmabranche – aber auch höhere Zuzahlungen für Medikamente und Einschränkungen bei der kostenlosen Mitversicherung von Ehepartnern. Auch Rentner wären von den Kürzungen durch Mehrausgaben auf der eigenen Seite deutlich betroffen.
Gegen diese Einschnitte gibt es bereits heftige Proteste aus dem Gesundheitswesen. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hatte als Vorgabe für die Parlamentsberatungen formuliert, dass der Spar-Puffer nicht weiter schrumpfen dürfe.