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Das Problem ist dabei nicht auf dem Kontoauszug zu erkennen. Dort steht nach 30 Jahren eine deutlich größere Zahl. Erst der Vergleich mit den Preisen zeigt, dass das Vermögen real an Wert verloren hat. Wie stark der Effekt tatsächlich ausfällt, hängt allerdings von der Entwicklung von Zinsen und Inflation ab.
Was aus 100.000 Euro bei einer Geldanlage werden könnte
Eine andere Entwicklung ergibt sich, wenn Geld langfristig investiert wird. In einem Rechenbeispiel von Merkur.de wird dafür eine durchschnittliche jährliche Rendite von sieben Prozent bei einem breit gestreuten ETF angenommen. Das ist eine Modellrechnung und keine Garantie für künftige Erträge.
Unter dieser Annahme würden aus 100.000 Euro nach zehn Jahren rund 196.700 Euro. Nach 20 Jahren wären es knapp 387.000 Euro, nach 30 Jahren rund 761.000 Euro. Der entscheidende Faktor ist dabei neben der Rendite der Zinseszinseffekt: Erträge werden wieder angelegt und erwirtschaften ihrerseits weitere Erträge.
Auch hier muss die Inflation berücksichtigt werden. Bei einer angenommenen Teuerungsrate von 2,5 Prozent entspricht das Vermögen nach 20 Jahren rechnerisch einer Kaufkraft von rund 236.000 Euro. Das Beispiel zeigt damit vor allem eines: Langfristig kann der Unterschied zwischen Sparen mit niedriger Verzinsung und renditeorientiertem Investieren erheblich sein.
Das Sparbuch hat trotzdem seinen Platz
Daraus folgt nicht, dass Sparbuch und Tagesgeld grundsätzlich schlechte Anlageformen sind. Für Geld, das kurzfristig benötigt wird, können liquide und vergleichsweise sichere Anlagen sinnvoll sein. Dazu gehört etwa ein finanzieller Notgroschen.
Als Orientierung nennt die Sparkasse häufig drei bis sechs Nettomonatsgehälter. Wer beispielsweise monatlich 2500 Euro für seinen Lebensunterhalt benötigt, hätte damit eine Reserve von 7500 bis 15.000 Euro. Dieses Geld soll vor allem schnell verfügbar sein und nicht von Börsenkursen abhängen.
Anders sieht die Situation bei Geld aus, das über Jahrzehnte für die Altersvorsorge gedacht ist. Hier kann eine ausschließlich auf niedrig verzinsten Konten liegende Summe dem Inflationsrisiko ausgesetzt sein. Welche Anlageform geeignet ist, hängt allerdings immer vom Anlagehorizont, den persönlichen Zielen und der eigenen Risikobereitschaft ab.
100.000 Euro müssen nicht auf einmal investiert werden
Wer bereits eine größere Summe angespart hat, muss nicht zwangsläufig sofort das gesamte Geld investieren. Eine Möglichkeit besteht darin, zunächst eine ausreichende Reserve auf dem Tagesgeldkonto zu halten und nur den langfristig nicht benötigten Teil für eine Geldanlage vorzusehen.
Wer sich mit einer einmaligen Investition unwohl fühlt, kann das Geld auch schrittweise anlegen. Die Verbraucherzentrale nennt dafür ein Zeitraum von sechs bis zwölf Monaten. Regelmäßige Beträge können dabei in eine breit gestreute Anlage fließen, statt den gesamten Betrag an einem einzigen Tag zu investieren.
Wichtig bleibt die Trennung zwischen kurzfristig benötigtem Geld und langfristigem Vermögen. Geld für absehbare Ausgaben sollte nicht unnötig starken Kursschwankungen ausgesetzt werden. Für einen langfristigen Anlagehorizont können dagegen andere Anlageklassen infrage kommen.
Was 100.000 Euro im Ruhestand bedeuten können
Besonders deutlich wird der Unterschied beim Blick auf die Altersvorsorge. Im Rechenbeispiel hat ein 55-Jähriger nach zehn Jahren bei zwei Prozent Verzinsung rund 121.900 Euro auf dem Konto. Bei einer angenommenen Inflation von 2,5 Prozent entspricht das dann einer heutigen Kaufkraft von etwa 95.600 Euro.
Bei einer unterstellten jährlichen Rendite von sieben Prozent wären es nach zehn Jahren dagegen rund 196.700 Euro. Inflationsbereinigt entspricht das einer Kaufkraft von grob 154.000 Euro. Die Zahlen sind Modellrechnungen und berücksichtigen weder Steuern noch Kosten oder mögliche Schwankungen der Kapitalanlage.
Das Beispiel zeigt deshalb nicht, dass ein ETF automatisch die bessere Wahl ist. Es zeigt vielmehr, welche Bedeutung die langfristige Rendite im Verhältnis zur Inflation haben kann. Für die persönliche Altersvorsorge sind zusätzlich die verbleibende Zeit, regelmäßige weitere Einzahlungen und der gewünschte Lebensstandard entscheidend.
Inflation betrifft nicht alle Menschen gleich
Die Inflationsrate ist ein Durchschnittswert. Sie beschreibt die Preisentwicklung eines Warenkorbs, der das Konsumverhalten eines durchschnittlichen Haushalts abbilden soll. Für den einzelnen Haushalt kann die persönliche Teuerungsrate deshalb deutlich höher oder niedriger liegen.
Besonders stark können steigende Preise Haushalte mit geringerem Einkommen treffen, schreibt der Armuts- und Reichtumsbericht des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales. Wer einen großen Teil des monatlichen Budgets für Miete, Lebensmittel und Energie benötigt, hat weniger Möglichkeiten, Preissteigerungen durch Einsparungen an anderer Stelle auszugleichen.
Auch beim Sparen hinterlässt die Inflation ihre Spuren. Wer beispielsweise für den Ruhestand vorsorgt, sollte deshalb nicht nur auf den nominalen Kontostand achten. Entscheidend ist, welche Kaufkraft das angesparte Geld zum Zeitpunkt des Ruhestands tatsächlich noch besitzt.
Warum zwei Prozent Inflation als Ziel gelten
Eine niedrige und stabile Inflation gilt in der Geldpolitik nicht grundsätzlich als Problem. Die Europäische Zentralbank verfolgt mittelfristig ein Inflationsziel von zwei Prozent. Ein moderater Preisanstieg soll unter anderem verhindern, dass eine Deflation entsteht.
Bei einer Deflation sinken die Preise über längere Zeit. Das kann dazu führen, dass Verbraucher und Unternehmen Anschaffungen und Investitionen aufschieben. Dadurch kann sich die wirtschaftliche Entwicklung weiter abschwächen.
Für Sparer bedeutet das zugleich: Inflation lässt sich nicht vollständig vermeiden. Entscheidend ist vielmehr, wie hoch sie ausfällt und ob die Verzinsung oder Rendite des eigenen Vermögens langfristig mithalten kann.
So lässt sich die eigene Situation besser einschätzen
Wer wissen möchte, wie stark die Inflation das eigene Vermögen beeinflussen könnte, kann mit einem Inflationsrechner verschiedene Szenarien durchspielen. Bei 100.000 Euro und einer angenommenen Inflationsrate von 2,6 Prozent würde die heutige Kaufkraft nach zehn Jahren rechnerisch auf rund 77.400 Euro sinken – vorausgesetzt, die Rate bliebe jedes Jahr gleich.
Solche Berechnungen sind allerdings nur Modellrechnungen. In der Realität verändert sich die Inflationsrate von Jahr zu Jahr. Auch Zinsen und Renditen bleiben nicht konstant. Die tatsächliche Entwicklung eines Vermögens kann deshalb deutlich von einem solchen Beispiel abweichen.
Für Sparer lohnt sich deshalb ein Blick auf das gesamte Bild: Wie viel Geld wird kurzfristig benötigt? Welche Summe soll als Reserve verfügbar bleiben? Und welcher Teil kann langfristig angelegt werden? Erst aus diesen Fragen ergibt sich eine sinnvolle Strategie für das eigene Vermögen.
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