Wie kommt Gift in die Milch von Kühen? Forscher wiesen in der Rohmilch von Kühen ein Gift nach, das von Ahornbäumen stammen könnte. Berührungspunkte mit dem Gift haben die Tiere etwa dann, wenn sie mit den Samen des Bergahorns in Kontakt kommen und diese fressen.

Kühe können das Gift Hypoglycin A über ihre Milch weitergeben. Das hat das Forschungsteam der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU) und das Leibniz-Institut für Pflanzenbiochemie (IPB) in ihrer neuen Studie nachgewiesen, die Ende Mai 2021 veröffentlicht wurde. Laut den Aussagen der Forscher handelt es sich um die erste Studie, die darüber berichtet, dass das Gift in der Milch von Kühen nachweisbar sei.

Giftige Substanz in geringer Menge in Kuhmilch gefunden

Die Forscher sammelten im Frühjahr 2019 Rohmilchproben von vier zufällig ausgewählten Betrieben in Norddeutschland (aus Schleswig-Holstein und Nordfriesland). Die Forscher haben die giftige Substanz in geringen Mengen in der Rohmilch von Kühen gefunden, die auf einer Weide mit Bergahorn grasten. Laut einer Pressemitteilung der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg analysierten die Wissenschaftler Proben aus den Milchtanks oder Abfüllstationen, die direkt von den Betrieben zur Verfügung gestellt wurden.

Für die Analyse der Proben sei ein spezielles Massenspektrometrie-Verfahren zum Einsatz gekommen, das bereits kleinste Mengen eines Stoffs nachweisen könne. Das Ergebnis: "Wir haben Hypoglycin A nur in den Rohmilchproben des Betriebs gefunden, auf dessen Weide ein Ahornbaum stand", sagt Prof. Dr. Annette Zeyner vom Institut für Agrar- und Ernährungswissenschaften der MLU.

Die Konzentration der Substanz sei bei 17 und 69 Mikrogramm pro Liter Milch gelegen. "Das sind geringe und sehr unterschiedliche Konzentrationen. Wenn man aber bedenkt, dass auf der Weide nur ein einziger Baum stand und die Proben aus einem Sammeltank stammten, war es für uns überraschend, überhaupt etwas nachweisen zu können", erläutert Zeyner. In den anderen Proben habe sich das Gift dagegen nicht gefunden.

Hypoglycin A kann zu schweren Vergiftungen führen - hunderte Kinder in Indien gestorben

In Europa findet sich das Gift in den Samen des Ahornbaums. Außerdem ist es in unreifen Akee- und Litschi-Früchten (Pflanzenfamilie der Seifenbaumgewächse). Diese werden aber eher in tropischen und subtropischen Gebieten angebaut. In einer hohen Dosis kann Hypoglycin A zu schweren Vergiftungen führen.

Laut einer Pressemitteilung der LMU habe 2017 ein indisches Forschungsteam nachgewiesen, dass das Gift für den plötzlichen Tod mehrerer Hundert Kinder in dem Land verantwortlich sei, die zuvor viele Litschis gegessen hatten. "Die Substanz stört den Energiestoffwechsel im Körper. Ein typisches Symptom beim Menschen ist ein sehr niedriger Blutzuckerspiegel", sagt Prof. Dr. Annette Zeyner.

2013 sei auch für Pferde nachgewiesen worden, dass Hypoglycin A aus Ahornbäumen für die sogenannte „Atypische Weidemyopathie“ verantwortlich sei. Das sei eine bis dahin rätselhafte, häufig tödlich verlaufende Erkrankung von einigen Tieren in Weidehaltung.

Besteht Gesundheitsrisiko bei Milchkonsum für Menschen?

Ob der Nachweis des Giftes in der Milch nun tatsächlich ein mögliches Gesundheitsrisiko für Menschen darstellt, müsse in weiteren Studien geprüft werden, so die Forscher. Die wissenschaftliche Fachzeitschrift „Toxins“ veröffentlichte die Studie. Sie ist hier nachzulesen. 

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