Trend-Getränk "Sleepy Girl Mocktail" soll beim Einschlafen helfen - Erlanger Expertin mit Einschätzung
Autor: Antonia Kriegsmann
Erlangen, Freitag, 15. März 2024
Viele Menschen leiden unter Schlafproblemen. Hausmittel für einen besseren Schlaf gibt es einige. Besonders angesagt ist gerade ein alkoholfreier Drink aus Kirschsaft und Magnesium.
Nicht schlafen zu können - das Problem kennen sicherlich viele Menschen. Kein Wunder also, dass der "Sleepy Girl Mocktail" in den sozialen Medien zum Trend geworden ist. Fünf bestimmte Lebensmittel solltest du abends übrigens besser nicht essen, um schlechten Schlaf vorzubeugen.
In zahlreichen Videos kann man jungen Frauen im Schlaf- beziehungsweise Jogginganzug dabei zusehen, wie sie aus Sauerkirschsaft, Magnesiumpulver und wahlweise Limo oder Mineralwasser einen alkoholfreien Drink zaubern. Dieser soll den Schlaf fördern, ist schnell gemixt und wirkt deutlicher hipper als eine Tasse Kamillentee. Was sagt die Wissenschaft dazu?
"Sleepy Girl Mocktail": Inhaltsstoffe könnten Wirkung haben
"Das ist in dem Fall nicht so einfach zu beurteilen, sagt die Ernährungswissenschaftlerin Luisa Hardt vom Uniklinikum in Erlangen. "Man weiß nicht, wie viel und welcher Saft und wie viel Magnesium jeweils konkret verwendet wurden." Auf den ersten Blick könnten die Bestandteile jedoch durchaus sinnvoll sein, meint sie. Der Körper brauche Magnesium, um aus der Aminosäure Tryptophan das Hormon Melatonin zu bilden, das für den Schlaf-Wach-Rhythmus zuständig sei. Der Sauerkirschsaft enthalte wiederum sekundäre Pflanzenstoffe, die den Tryptophan-Abbau im Körper hemmen könnten, sodass mehr dieses Ausgangsstoffs für die Melatoninbildung zur Verfügung stehe.
Der Ernährungsmediziner Hans Hauner von der Technischen Universität München ist trotzdem skeptisch. "Die Datenlage dazu ist sehr dünn. Das sind meistens kleine Studien mit einer ausgewählten Gruppe von Testpersonen."
Vor allem zweifelt er daran, dass es sinnvoll ist, Magnesium zusätzlich einzunehmen. "Wir haben mit einer Durchschnittskost eigentlich keinen Magnesiummangel. Kein Mensch braucht das als Supplement, wenn er sich normal ernährt."
Nahrungsergänzungsmittel oft sehr hoch konzentriert
Außerdem könne der Körper Magnesium besser in kleineren Mengen über den Tag verteilt aufnehmen als einmal in einer höheren Dosis, ergänzt Hardt. Nahrungsergänzungsmittel seien oft sehr hoch konzentriert und überschritten die vom Bundesinstitut für Risikobewertung empfohlene Tageshöchstmenge von 250 Milligramm. "Das kann zu Magen-Darm-Beschwerden, vor allem Durchfällen, führen - was die Nachtruhe erheblich stören kann."
Ähnlich könnte sich der Sauerkirschsaft bei Menschen auswirken, die empfindlich auf Säure reagieren, sagt Hauner. Die sekundären Pflanzenstoffe, die den Schlaf fördern sollen, seien dagegen nur in Mikrogrammmengen enthalten. "Die Konzentration ist so gering, dass eine Wirkung nicht plausibel ist."