Heilfasten liegt im Trend: Experten erklären, was dabei im Körper passiert
Autor: Rupert Mattgey
Deutschland, Donnerstag, 15. Februar 2024
Was passiert während des Fastens eigentlich im Körper? Experten klären auf - und fördern überraschende Erkenntnisse zutage.
Die Fastenzeit stellt eine ideale Gelegenheit dar, das Heilfasten nach Otto Buchinger einmal selbst auszuprobieren. Diese Methode der inneren Reinigung und Regeneration hat eine lange Geschichte und heute so beliebt wie selten zuvor. Doch was steckt hinter dieser Begeisterung für den freiwilligen Verzicht? Wie funktioniert das Heilfasten nach der Methode von Buchinger - und was passiert mit unserem Körper, wenn wir heilfasten?
Das Heilfasten soll dazu beitragen, die körpereigenen Abwehrkräfte zu stärken und den Körper in die Lage zu versetzen, sich selbst zu heilen. Es kann dazu führen, dass Blutdruck und Blutzuckerspiegel sinken und Leber sowie Magen sich regenerieren. Darüber hinaus spielt auch die psychologische Wirkung eine wesentliche Rolle: Der Wunsch, sich selbst zu beweisen, dass man es schaffen kann und die Erkenntnis, dass der Verzicht einen nicht umbringt, sondern sogar glücklich machen kann, ist großartig. Im Durchschnitt verliert man pro Fastentag etwa 160 Gramm Fett, aber Vorsicht: Zum dauerhaften Abnehmen ist das Heilfasten nicht geeignet. Unseren ausführlichen Erfahrungsbericht zum 12-tägigen Heilfasten nach Buchinger inklusive Anleitung findest du in unserem separaten Artikel.
Das passiert beim Heilfasten in deinem Körper
In der mittelalterlichen Fastenzeit mussten strenge Regeln befolgt werden: Für 40 Tage sollten die Menschen auf Fleisch, Eier, Butter und Milch verzichten, um sich nicht mit Gott zu überwerfen. Nur am Sonntag durfte eine Fastenpause eingelegt werden. Die heutigen Katholiken nehmen es mit dem Fasten nicht so streng. Ihre Fastenopfer sind meist bescheidener: kein Alkohol, kein Auto, keine Zigaretten, keine Süßigkeiten oder einfach weniger Netflix. Heilfasten liegt voll im Trend – aber was löst die weltweite Begeisterung für den Verzicht aus? Wissenschaftler verstehen mittlerweile immer besser, was während des Fastens in und mit unserem Körper passiert. Und genau hier liegt die Antwort.
Fasten hat unbestreitbar große Auswirkungen auf den Körper. Der Körper wechselt in den Mangelbetrieb, lebt von eingelagertem Fett und Nährstoffen, verbrennt diese auf Hochtouren. Der Stoffwechsel muss sich erheblich anpassen, da er nun nicht mehr aufbaut, sondern abbaut. Zu Beginn des Fastens nutzt der Körper den Zucker, den er als Glykogen in der Leber gespeichert hat, für kurzfristige Engpässe. Nach 24 Stunden ohne Nachschub ist der Vorrat aufgebraucht. Aber die inneren Organe und das Gehirn benötigen weiterhin Energie. Der Körper holt sich jetzt die benötigte Energie aus Notreserven - nicht nur aus unerwünschten Fettpolstern. Auch etwas von dem in Muskeln und sogar in Organen gespeicherten Protein wird abgebaut. Um einem möglichen Muskelabbau entgegenzuwirken, nehmen viele Fastende zusätzlich zu Tees, Gemüsebrühe und stillem Wasser täglich einen kleinen Eiweißdrin zu sich (beispielsweise im Rahmen der Markert-Diät).
Was bedeutet „Fasten eigentlich? Die Ärztegesellschaft Heilfasten & Ernährung e. V. definiert es folgendermaßen: „Das Fasten ist der freiwillige Verzicht auf feste Nahrung und Genussmittel für begrenzte Zeit“, schreiben die Experten auf der offiziellen Webseite. „Bei richtig durchgeführtem Fasten besteht gute Leistungsfähigkeit ohne Hungergefühl. Fasten betrifft den Menschen in seiner Körper-Seele-Geist-Einheit. Unverzichtbar dabei sind:
- eine ausreichende (mind. 2.5 l/Tag) kalorienfreie Flüssigkeitszufuhr (Mineralwasser, Tee) sowie natürliche Anteile in flüssiger Form wie Gemüsebrühe, Obst- und Gemüsesäfte und Honig, max. 2.100 KJ (ca. 500 kcal)/Tag
- die Förderung der Ausscheidungsvorgänge über Darm, Leber, Nieren, Lungen, Haut
- das Einstellen eines Gleichgewichtes zwischen Bewegung und Ruhe
- sorgfältiger Kostaufbau und Hinführung zu einem gesünderen Lebensstil.“
Das Gehirn wird weiter versorgt: Der Körper hilft sich mit einem Trick
Während des Fastens benötigt der Körper weniger Energie, nicht nur, weil die Verdauung eine Pause einlegt. Auch das Herz schlägt langsamer und der Blutdruck sinkt. Daher haben Fastende manchmal Kreislaufprobleme und frieren schnell. Auch der mögliche Muskelabbau führt zu einem geringeren Energiebedarf: "Um 20 bis 25 Prozent", sagen Experten. Ein Organ jedoch bleibt von den Folgen des Fastens unbehelligt: Das Gehirn muss nicht hungern. Dafür dürfen wir unseren Vorfahren danken: Ein träges Gehirn wäre schlecht für die Jagd – die war aber wichtig, um den Hunger irgendwann zu beenden. Aber das Gehirn ist anspruchsvoll und verlangt Glukose als Treibstoff. Da Menschen über Jahrtausende hinweg mit Hunger umgehen mussten, hat ihr Körper eine alternative Lösung gefunden: Das Gehirn stellt auf einen weiteren Treibstoff um, auf sogenannte Ketonkörper, die beim Abbau von Fettsäuren in der Leber entstehen. Diese führen auch zu dem unangenehmen Mundgeruch, den viele Fastende kennen. Und nicht nur aus dem Mund riechen Fastende: Der ganze Körper sondert einen sehr eigenen, säuerlichen Geruch ab. Gute Körperhygiene ist deshalb während der Fastenzeit ein Muss.