• Wann liegt eine psychische Notsituation vor? 
  • Was sind die ersten Schritte
  • Worauf sollte man bei der Kommunikation achten?
  • Welche professionellen Hilfsangebote kommen infrage?  

Der richtige Umgang mit gesundheitlichen Notfällen zählt zu den Fähigkeiten, die jeder Mensch beherrschen sollte. In Erste-Hilfe-Kursen wird jedoch überwiegend gelehrt, was zu beachten ist, wenn das körperliche Wohlbefinden in Gefahr ist. Wie sieht es in psychischen Belastungssituationen aus? Was sollte man tun, wenn ein Mensch akute Suizidgedanken bekommt, in Panik verfällt oder einen schweren Schicksalsschlag erleidet? In diesem Artikel erfährst du, wie du in solchen Momenten richtig handelst.

Psychische Not: Wie erkennt man eine Krisensituation?

Das Informationsportal Neurologen und Psychiater im Netz definiert eine akute psychische Krise ganz allgemein als den "Verlust des inneren Gleichgewichts". Genau wie körperliche Beschwerden können auch psychische Belastungen vielfältige Ursachen haben und unterschiedlich ausgeprägt sein. Mögliche Symptome sind beispielsweise Anspannung, Angst, Aggressivität, Verwirrtheit oder eine verzerrte Wahrnehmung, die in Extremfällen sogar Halluzinationen hervorrufen kann. 

Manche Notsituationen erfordern sofortiges Handeln - insbesondere, wenn eine Person sich selbst oder andere gefährdet. Dann ist es unverzichtbar, so schnell wie möglich den Rettungsdienst und gegebenenfalls die Polizei zu rufen. Es gibt auch psychiatrische Notaufnahmen, an die man sich rund um die Uhr wenden kann. 

Bevor der Rettungsdienst eintrifft, tritt aber meist folgende Frage auf: Was kann man als Ersthelfer:in tun? 

Psychische Nothilfe: Die "4 S" für sofortige Hilfemaßnahmen

Du kannst dazu beitragen, akuten seelischen Stress zu reduzieren, indem du vier Verhaltensregeln befolgst: 

  • Regel 1: Sage, dass du da bist und dass etwas geschieht. Manchmal wirkt es wahre Wunder, einfach anwesend zu sein. Versprich, dass du bleibst, bis alles vorbei ist, und erkläre, welche erforderlichen Schritte bereits eingeleitet sind. 
  • Regel 2: Schirme das Notfallopfer von Zuschauern ab. Bringe die betroffene Person in eine ruhige, möglichst reizarme Umgebung. So kannst du ihr indirekt vermitteln, dass sie in Sicherheit ist. 
  • Regel 3: Suche vorsichtigen Körperkontakt. Geeignet sind beispielsweise Körperteile wie Hand, Arm oder Schulter. Wenn du dir nicht sicher bist, ob Körperkontakt gewünscht ist, frage am besten einfach nach. Bei Vergewaltigungsopfern oder physischen Verletzungen solltest du jedoch von vorneherein darauf verzichten.
  • Regel 4: Sprich und höre zu. Orientiere dich dafür an der betroffenen Person: Möchte er oder sie selbst reden? Gibt es ein bevorzugtes Gesprächsthema? Kannst du bereits vorhandene Ressourcen zur Stressbewältigung aktivieren? Falls du keine Antworten auf diese Fragen hast, reicht es oft schon, auf die konkrete Situation einzugehen oder dich zu erkundigen, ob es etwas gibt, womit du helfen kannst. 

Auch wenn viele Menschen diese Maßnahmen als hilfreich empfinden, gibt es keine Garantie dafür, dass sie in jedem Fall funktionieren. Primär solltest du dich also darauf konzentrieren, welche Bedürfnisse die betroffene Person gerade hat. Tipp: Wie du eine psychische Erkrankung erkennen kannst, erfährst du in unserem Artikel. 

Psychische Belastungssituationen: Wissen ist Hilfe

Möchtest du genauer wissen, wie du in bestimmten Fällen (zum Beispiel bei einem traumatischen Erlebnis, einer Essstörung oder einer Psychose) richtig reagieren kannst? Auf der Internetseite des globalen Netzwerkes für psychische erste Hilfe findest du in Sekundenschnelle handlungsorientierte Guidelines. Du erfährst dort für 13 unterschiedliche Situationen

  • woran man die jeweilige psychische Belastung erkennt
  • welche Ursachen meist dahinter stecken
  • wie du die richtigen Worte wählst
  • wo du professionelle Hilfe findest 

Wichtig dabei ist, dass du die Gefühle der betroffenen Person ernst nimmst und ihr auf Augenhöhe begegnest. Bleibe ruhig und verständnisvoll und biete ihr eventuell an, gemeinsam nach Unterstützung zu suchen, wenn du selbst nicht mehr weiterhelfen kannst. 

Psychische Notsituation: Es gibt ein breites Spektrum an professionellen Hilfsangeboten

Wenn es sich nicht um einen Notfall handelt, der einen Rettungseinsatz erfordert, kannst du dich an folgende Institutionen wenden: 

  • Als erste Anlaufstelle empfiehlt sich die eigene Hausarztpraxis. Der zuständige Arzt oder die zuständige Ärztin kann nicht nur körperliche Ursachen ausschließen, sondern auch Überweisungen an fachärztliches Personal ausstellen. 
  • Er oder sie kann dich beispielsweise an Psychiater:innen oder Psychotherapeut:innen weiterleiten, die psychische Erkrankungen behandeln. Du kannst jedoch auch ohne Überweisung Kontakt aufnehmen und selbst nach einem Therapieplatz suchen. 
  • Kliniken für Psychiatrie oder Psychosomatik sollten dann eingeschaltet werden, wenn eine ambulante Behandlung nicht mehr ausreicht. Sowohl tagesklinische als auch stationäre Aufenthalte sind in diesem Rahmen möglich. 
  • Die Telefonseelsorge eignet sich, wenn schnell ein neutraler Gesprächspartner gebraucht wird. Neben allgemeinen Krisendiensten gibt es auch Hotlines, die sich auf ein bestimmtes Thema spezialisiert haben.
  • Doch nicht immer ist geschultes Fachpersonal nötig: Auch der Austausch in einer Selbsthilfegruppe oder einem Online-Forum kann eine echte Bereicherung sein. Denn wer könnte eine Krise besser nachvollziehen als Menschen, die fast genau das Gleiche durchgemacht haben? 

Eine seelisch belastende Situation muss also bei Weitem nicht alleine ausgetragen werden. Überall gibt es Anlaufstellen, die Betroffenen, Angehörigen und Hilfeleistern mit Rat und Tat zur Seite stehen. 

Fazit: So kannst du helfen!

Psychische Erste Hilfe ist genauso wichtig wie körperliche. Auch hier gilt: Wenn Selbst- oder Fremdgefährdung besteht, sofort den Notdienst rufen!

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In der Zwischenzeit kannst du der betroffenen Person zeigen, dass du bei ihr bleibst, indem du sie in eine ruhige Umgebung bringst, sanften Körperkontakt hältst oder ein Gespräch aufbaust. Du kannst dich auch über das richtige Verhalten in konkreten psychischen Belastungssituationen informieren oder Hilfsangebote ausfindig machen

Übrigens: Nicht nur der betroffenen Person ist geholfen, wenn du psychische Erste-Hilfe-Maßnahmen kennst. Du profitierst ebenfalls davon! Das richtige Know-How unterstützt auch dich dabei, Gefühlen wie Überforderung oder Hilflosigkeit sicher entgegenzutreten.

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