• Wer steckt hinter der Umfrage?
  • Welche TOP-Ernährungstrends 2022 haben sich herauskristallisiert?
  • Fazit: Was können wir aus den Ergebnissen mitnehmen?

Ernährung stellt einen wichtigen Teil unserer Alltagskultur dar. Gleichzeitig ist sie auch ein effektives Instrument, um unsere Gesundheit zur erhalten, zu verbessern und eine nachhaltigere Lebensweise anzustreben. Viele Menschen interessieren sich zunehmend für mehr Transparenz hinsichtlich Zusammensetzung der Lebensmittel und deren Produktionsbedingungen. Das Expertennetzwerk NUTRITION HUB hat zusammen mit dem Bundeszentrum für Ernährung (BZfE) die TOP-Ernährungstrends 2022 ermittelt. Nachhaltige und bewusste Ernährung sind wichtige Themen, aber auch Essen-to-go rückt coronabedingt mehr in den Fokus. 

Wer steckt hinter der Umfrage?

Die Wissensplattform NUTRITION HUB widmet sich den Zukunftsthemen der Ernährung, die von führenden Ernährungswissenschaftler*innen und Ökotropholog*innen betreut werden. Ziel des größten Netzwerks für Ernährung ist es, fundierte wissenschaftliche Daten zu sammeln und neue Technologien zu fördern, die innovative Veränderungen ermöglichen. Dies soll erreicht werden, indem Wissenschaft, Start-up-Szene sowie Entscheiderinnen und Entscheider aus der Industrie zusammengebracht werden.

Die Daten für den Trendreport stützen sich auf Befragungen von 107 Ernahrungsexpertinnen und -experten aus den Netzwerken des NUTRITION HUB und des Bundeszentrums für Ernährung (BZfE), die in unterschiedlichsten Bereichen des Ernahrungssektors tätig sind. Im Zeitraum vom 27. Oktober bis 12. November 2021 sollten die Expert*innen anhand eines Online-Fragebogens ihre Prognosen abgeben. Im Mittelpunkt standen dabei die Entwicklungen im Ernahrungssektor, die die Ernährungswissenschaftler*innen in der taglichen Arbeit wahrgenommen haben. Nachdem die Antworten nach Häufigkeit gewichtet und ausgewertet wurden, stellten sich eindeutige Trends heraus. Entstanden ist daraus die dritte Auflage des Trendreports Ernährung, der folgende Fragen beantworte:

  • Was essen wir?
  • Warum und wie essen wir?
  • Was bewegt uns beim Essen?

Trend 1: Essen mit gutem Gewissen

Mit 71 % setzt eine klimafreundliche und nachhaltige Ernahrung den mit Abstand wichtigsten Ernährungstrend 2022. Im Mittelpunkt stehen Ernährungsweisen, die die Umwelt möglichst wenig belasten und die Gesundheit der Menschen fördern.

Hierfür haben die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation (FAO) und Weltgesundheitsorganisation (WHO) 2019 den Begriff "Sustainable Healthy Diets", zu Deutsch "Nachhaltige gesunde Ernährung", definiert. Die befragten Ernährungsprofis machten ihre Beobachtungen an der Entwicklung folgender Bereichen fest:

  • Das Thema "Nachhaltige gesunde Ernährung" wird von Studierenden zunehmend in ihren Abschlussarbeiten behandelt.
  • Verbraucher messen bei ihren Ernährungsentscheidungen den Aspekten Regionalität und Nachhaltigkeit mehr Bedeutung zu, als dem Aspekt Gesundheit. Das bedeutet, dass Menschen durchaus über nachhaltige und gesunde Ernährung Bescheid wissen, dies aber nicht im Alltag umsetzen können. Hier sei mehr Input von Kochbuch- und Zeitschriftenverlagen notwendig, erklärt die Ernährungsexpertin Inga Pfannebecker. Zudem steht auch die Nachhaltigkeit von Zutaten und Kochtechniken zunehmend auf dem Prüfstand. So fragen sich Verbraucher beispielsweise, ob die Verwendung von Alu- oder Frischhaltefolie noch zeitgemäß ist.
  • In der Gemeinschaftsverpflegung und in Krankenhäusern werden neue Wege beschritten, die nicht zuletzt politisch bedingt sind. Das zeigt sich zum Beispiel bei der Erhöhung des Bio-Anteils der verwendeten Lebensmittel, Alternativen zu Milch- und Milchprodukten und mehr pflanzlichen Gerichten. Zudem wird in Mensen öfter nach regional und klimafreundlich erzeugten Lebensmitteln gefragt. 

Trend 2: Pflanzenbasierte Ernährung und alternative Angebote

Fast die Hälfte (49 %) der befragten Fachleute stellte eine vermehrte Nachfrage nach veganer und pflanzenbasierter Ernährung fest. Die pflanzenbasierte Ernährung umfasst demnach Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte wie Bohnen oder Linsen, Nüsse, Samen, Obst und Gemüse.

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Bei der veganen Ernährungsweise werden tierische Lebensmittel komplett ausgeschlossen, also Fleisch, Fisch, Käse, Milch, Honig und Produkte mit Gelatine oder ähnlichen tierischen Inhaltsstoffen. Dieses Ergebnis speist sich aus folgenden Erkenntnissen:

  • Menschen entscheiden sich beim Einkauf zunehmend für vegetarische oder vegane Lebensmittel
  • Eltern fragen bei Ernährungsexpert*innen vermehrt nach verlässlichen Informationen bezüglich vegetarischer oder veganer Ernährung ihrer Kinder. Insbesondere die Umsetzung im Alltag ist dabei relevant, denn Eltern möchten sichergehen, dass ihre Kinder mit allen Nährstoffen versorgt und keine Mängel erleiden. Eltern erwarten zudem mehr Transparenz im Hinblick auf die Produktzusammensetzung und verwendeter Inhaltsstoffe.
  • Auch in der Großgastronomie wird an innovativen Verpflegungskonzepten gearbeitet, die auch die Integration von Milch- und Fleischalternativen umfasst. Vor allem in Mensen sind vegane Gerichte stark nachgefragt.

Trend 3 : Digitale Ernährungsberatung

30 % der befragten Ernährungswissenschaftler*innen beobachteten eine Zunahme bei den digitalen Angeboten in der ernährungspräventiven und ernährungstherapeutischen Beratung. Diese Entwicklung wird durch die Umstände, die die Corona-Pandemie mit sich bringt, zusätzlich verstärkt, da viele Menschen sich aufgeschlossener gegenüber digitalen Lösungen zeigen. 

Auch für Fachleute ist dieser Trend hilfreich, denn über spezielle Apps können Nährwertprofile erfasst und ausgewertet werden und die Digitalisierung ermöglicht zudem eine engmaschige Betreuung der Klient*innen und Patient*innen. 

Auch Hausärzte empfehlen zunehmend digitale Anwendungen und können diese auch seit dem Jahr 2020 als "Digitale Gesundheitsanwendungen (DiGAs)" verschreiben. Die Fachleute berichten zudem, dass die Nutzung von Apps besonders in der Adipositas- und der Typ-2-Diabetes-Therapie gerne genutzt wird. 

Trend 4: Bewusst und achtsam essen

27 % der befragten Expert*innen setzten das Bewusstsein für gesunde Ernährung auf Platz vier der zehn wichtigsten Trends 2022. Verbraucher stellen sich die Frage, woher ihr Essen kommt und wie es das eigene Wohlbefinden und die Leistung positiv beeinflussen kann. In der Pandemie stellte die Ernährung zudem einen Lebensbereich dar, der aktiv kontrolliert werden kann. Ganz im Gegenteil zu den Folgen der Pandemie. Innerhalb der Bevölkerung ergeben sich folgende Unterschiede:

  • Bei jungen Erwachsenen zwischen 15 und 29 Jahren zeigt sich, dass sich knapp 90 % für Lebensmittel und Ernährung interessieren, wie der Jugendreport zur Zukunft der nachhaltigen Ernährung beschreibt.
  • Im Unterschied zu Männern sehen besonders Frauen die Ernährung als zentrales Element zur Beeinflussung der eigenen Gesundheit.
  • Daneben ist es Eltern sehr wichtig, dass ihre eigenen Kinder ein gesundes Essverhalten erlernen, um den Grundstein für ein gutes Körperbewusstsein zu legen und ein gesundes Gewicht zu halten. 

Achtsamkeit beim Essen hat ebenso eine starke Bedeutung. Hierzu gehört auch das Thema "Mental Health" oder geistige Gesundheit, das bei vielen Menschen einen hohen Stellenwert einnimmt. Hinsichtlich der Lebensmittelproduktion möchten Verbraucher*innen detailliertere Informationen zu Wertschöpfungsketten und Inhaltsstoffen von Produkten erhalten. Sie möchten wissen, wie und wo Produkte hergestellt, welche Arbeitsbedingungen an den Produktionsstandorten vorherrschen und welche klimatischen Auswirkungen der Produktionsprozess hat. Weniger nachgefragt werden hingegen Produkte, die Zusatzstoffe, Farbstoffe oder gehärtete Fette enthalten. Besonders die in gehärteten Fetten enthaltenen trans-Fettsäuren stehen massiv in der Kritik. 

Trend 5: Essen nach Maß

Personalisierte Ernährung wurde von 25 % der befragten Expert*innen als fünftwichtigster Trend 2022 angesehen. Sie verzeichneten ein gewachsenes Interesse an einer Ernährung, die an die genetischen Grundlagen angepasst ist.

Allerdings gibt es für die Wirksamkeit noch keine eindeutigen wissenschaftlichen Belege. Eine spezielle Arbeitsgruppe wurde eingerichtet, um Empfehlungen hinsichtlich individualisierter Ernährungsempfehlungen zu geben.

In dem Zusammenhang steht auch der Begriff "Biohacking". Hiermit sind Selbstvermessungsverfahren zum besseren Verständnis der eigenen biologischen Systeme gemeint. Mit den gewonnenen Erkenntnissen soll mehr Leistungsfähigkeit, Fitness und Gesundheit erreicht werden. Bedeutsam sind hier auch die individuellen Merkmale wie Alter, Geschlecht, genetische und ernährungsspezifische Hintergründe und die Interaktion des Körpers mit der individuellen Darmflora.

Trend 6: Schnell, aber gesund

Mit 22 % befinden sich laut der befragten Wissenschaftler*innen Convenience Food und gesundes Essen-to-go auf Platz sechs. Privathaushalte können hier entweder auf "Mealprepping" (gesund Vorkochen) oder Lieferdienste zurückgreifen. Gerade Mealprepping ist für viele Menschen zur einzigen Selbstversorgungsmöglichkeit geworden, der sie vollends vertrauen. Aber auch bei der Außer-Haus-Verpflegung gehören für viele Verbraucher*innen die Bereiche Nachhaltigkeit, Gesundheit und Genuss unbedingt zusammen. 

Trend 7: Darmgesundheit

Auf Platz sieben (17 %) steht die Ernährung für den Darm und Probiotika. Lange Zeit zählten Verdauungsprobleme zu den Tabuthemen, aber mittlerweile ist mehr Bewusstsein für die Darmgesundheit entstanden. Zunehmend erkennen Menschen den Zusammenhang zwischen einem gesunden Darm und ihrem Wohlbefinden. Dabei nimmt auch die Bedeutung von Pro- und Präbiotika zu. Als Probiotika werden lebende Mikroorganismen bezeichnet, die die Gesundheit im Darm fördern. Präbiotika hingegen sind Ballaststoffe oder auch Faserstoffe wie Insulin, die das Wachstum der Mikroorganismen im Darm anregen. Ein rasant gestiegenes Interesse konnten die Experten am Zusammenhang zwischen Psyche und Ernährung verzeichnen, was nicht zuletzt der medialen Berichterstattung zuzuschreiben ist. 

Trend 8:  Ernährungs-Fake-News

Ernährungsmythen, Falschaussagen, und Widersprüchlichkeiten bei Ernährungsinformationen belegen mit 15 % Platz acht der Ernährungstrends. Was darf ich essen, was ist gesund und was nicht? Die zahlreichen Informationen überfordern viele Menschen und führen zu Unsicherheit. Aus diesen Gründen wird verstärkt nach fundierten und seriösen Quellen gesucht, die nicht nur stumpf Diäten empfehlen, sondern Ernährung verständlich darstellen. Dabei führen insbesondere Ernährungsmythen in sozialen Netzwerken zu Verwirrung und einem falschen Verständnis von gesunder Ernährung. 

Trend 9: Gesundes Essen auch im Arbeitsleben

Die betriebliche Gesundheitsförderung sehen die Fachberater*innen auf Platz neun. 12 % stellten fest, dass Unternehmen für potenzielle Bewerber*innen und Mitarbeiter*innen attraktiver werden, wenn sie der betrieblichen Gesundheitsförderung mehr Bedeutung beimessen. Hier werden vermehrt Workshops von Ernährungsberatern angefragt, wobei hier das Thema "pflanzliche Proteinquellen" hoch im Kurs stehen. 

Trend 10: Gesunde Ernährung von Anfang an

Ernährungsbildung in Kitas und Schulen steht zwar auf dem letzten Platz (11 %) der Ernährungstrends, hat aber die weitreichendste Bedeutung. Denn wer von Beginn an über gesunde Ernährung Bescheid weiß, wird auch im späteren Leben davon profitieren. Mit zunehmender Ganztagsbetreuung wächst zudem der Stellenwert der Kita- und Schulverpflegung, was sich auch in höheren Qualitätsstandards niederschlägt. 

Fazit: Was können wir aus den Ergebnissen mitnehmen?

Die Ernährung hat einen hohen Stellenwert in unserer Gesellschaft. Die Erhaltung der Gesundheit und die Vermeidung von Krankheiten sind zentrale Ziele der Menschen. Neben den gesundheitlichen Aspekten stehen aber auch die Klimafreundlichkeit und Nachhaltigkeit im Fokus. Das bedeutet auch, dass tierische Produkte kritisch hinterfragt werden und pflanzenbasierte Kost in den Vordergrund rückt.

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Problematisch sind allerdings die vielen Ernährungsmythen und Falschinformationen, die insbesondere über die sozialen Medien verbreitet werden. Dies führt zu Unsicherheiten und Frustration. Viele Menschen suchen daher fundierte Informationsquellen, um mehr Klarheit zu bekommen, wobei die personalisierte Ernährung immer wichtiger wird. Erfreulich ist die Entwicklung in der betrieblichen Gesundheitsversorgung und hinsichtlich der Ernährungsbildung in Schulen und Kitas

Unser Körper muss mit dem arbeiten, was wir ihm an Nahrung zur Verfügung stellen. Je besser die Ernährung an unsere individuelle Persönlichkeit angepasst ist, desto harmonischer funktionieren die Körpersysteme. Wer sich unsicher ist, welche Ernährung das meiste Wohlbefinden und die größte Fitness hervorruft, sollte sich professionell beraten lassen und widersprüchlichen Ernährungsmythen keinen Glauben schenken. Das gilt besonders für die Ernährung von Kindern, damit von Anfang an die Weichen richtig gestellt werden. 

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