Weisheiten, Tipps und Verhaltensregeln rund die Gesundheit, die wir für bare Münze nehmen, müssen nicht immer richtig sein: Jeder kennt solche Gesundheits-Mythen, sie werden von Generation zu Generation weitergegeben und halten sich hartnäckig in den Köpfen. Viele haben es unbewusst längst in unseren Alltag geschafft. Wir haben zehn der bekanntesten Gesundheits-Mythen genauer unter die Lupe genommen.

#1 Kaugummi verklebt den Magen

Schnell ist das Kaugummi doch mal aus Versehen verschluckt. Laut Volksmund wird immer wieder betont, dass das den Magen verklebt und sich dort mit der Zeit ein riesiger Klumpen bildet. Alles Quatsch?

Ja, denn dieser Gesundheits-Mythos ist falsch. Kaugummis zu verschlucken ist nicht gefährlich, sie sind lediglich stille Durchreisende auf dem Weg gen Toilette. Sie werden nicht verdaut und verkleben auch in unserem Inneren nichts. 

Das wird vom Feuchtigkeitsfilm in Mund, Speiseröhre, Magen und Darm verhindert. Gefährlich wird es höchstens, wenn jemand viele Kaugummis hintereinander verschluckt. Kleinkinder sollten keine Kaugummis bekommen, da es leicht in die Atemwege gelangen kann. Dies gilt allerdings auch für Nüsse und Bonbons.

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#2 Alkohol wärmt von innen

Ein weit verbreiteter Gesundheits-Mythos lautet: Wer friert, kann sich mit Alkohol wieder aufwärmen. Das klingt vielversprechend, aber der Wärmeeffekt ist in dem Fall nur von kurzer Dauer. Vielmehr ist das Gegenteil der Fall, wie kenn-dein-Limit.de berichtet.

Der Alkohol erweitert die Blutgefäße der Haut. Dadurch fließt mehr Blut an der Körperoberfläche und es kommt zu einem vorübergehenden Wärmegefühl. Die entstehende Wärme wird dabei allerdings über die Haut an die Luft abgegeben. Die Körpertemperatur verringert sich und der Körper zieht zudem Körperwärme von den inneren Organen ab.

Wer also bei Kälte draußen alkoholische Getränke verzehrt, kann schneller auskühlen und krank werden. Dies ist besonders bei Alkoholikern und Betrunkenen gefährlich. Sie nehmen den gefährlichen Wärmeverlust oft gar nicht mehr wahr. Hier drohen Erfrierungen.

#3 Bei Nasenbluten den Kopf in den Nacken legen

Dieser Gesundheits-Mythos ist eindeutig falsch. Laut den HNO-Ärzten im Netz sollte man zu dieser Maßnahme in keinem Fall greifen. Durch den Kopf im Nacken läuft das Blut nach hinten in den Rachen und durch die Speiseröhre in den Magen. 

Das kann zu Übelkeit und Erbrechen führen. Außerdem kann das Blut in die Atemwege gelangen. Das ist besonders gefährlich, wenn der Patient ohne Bewusstsein ist. Doch wie stoppt man dann die Blutung? Um die Blutung zum Stillstand zu bringen wird zu folgender Erster-Hilfe geraten:

  • In einen aufrechten Sitz gehen oder wenigstens den Kopf hochlagern, um den Blutdruck im Kopf zu verringern
  • Den Kopf nach vorne hängen lassen 
  • Die Nasenflügel für ein paar Minuten zusammendrücken
  • Unterstützend hilft dazu ein kalter Waschlappen oder ein Kühl-Pack im Nacken 
  • Die Blutgefäße ziehen sich dann reflexartig zusammen und die Blutung sollte aufhören

#4 Stillen verhindert eine erneute Schwangerschaft

Ja, man kann trotz Stillen schwanger werden. Dieser Gesundheits-Mythos stimmt daher ebenfalls nicht -  zumindest nicht so ganz. Das häufige Stillen in der ersten Zeit nach der Geburt verhindert den Eisprung. Das verringert die Möglichkeit einer Schwangerschaft, schließt sie aber nicht aus.

Bei manchen Frauen setzt die Regelblutung bereits einige Wochen nach der Geburt des Babys wieder ein, andere haben über ein Jahr keine Periode. Abhängig ist dieser Faktor von der Häufigkeit des Stillens. Erfahrungen zeigen, dass bei einer Mama, die mindestens viermal am Tag stillt, die Periode am längsten wegbleibt. Das milchbildende Hormon Prolaktin verhindert die Reifung der Eizellen.

Trotzdem kann es zur Schwangerschaft kommen, warum? Der Eisprung kommt bekanntlich vor der Periode. Es kann also sein, dass eine Eizelle bereits heranreift, auch wenn die Frau noch keine Periode nach ihrer Schwangerschaft hatte. Will man möglichst sichergehen, sollte man sich daher fünf bis sechs Wochen nach der Entbindung wieder um Verhütung kümmern.

#5 Cola und Salzstangen helfen gegen Durchfall

Viele Eltern rücken Durchfall bei Kindern mit Cola und Salzstangen zu Leibe. Kinder nehmen diese Therapie gerne an, doch die Cola-Salzstangen-Kombination ist nur wenig sinnvoll. Somit ist auch dieser Gesundheits-Mythos falsch. 

Andreas Stallmach, Direktor am Universitätsklinikum Jena in Thüringen, erklärt im Spiegel: "Cola enthält viel Zucker, das kann Durchfall verstärken." Er rät dazu, zwei bis drei Liter zu trinken. Dabei sollte man aber auch nicht nur zu Wasser greifen. Durch den Flüssigkeitsverlust gehen viele Mineralstoffe verloren. "Elektrolytlösungen aus der Apotheke können helfen, den Mineralstoffverlust auszugleichen", sagt Stallmach.

Salzstangen sind zwar nicht so kritisch zu betrachten wie Cola, bringen aber durch den zu niedrigen Salzgehalt nicht die erhoffte Wirkung. Salzstangen enthalten zwar Natrium, doch kein Kalium oder Nitrate. Da dies zusammen bei Durchfall verloren geht, sollte es möglichst gemeinsam wieder aufgenommen werden.

#6 Antibiotika gegen Erkältungen

Jeder kennt wohl eine Erkältung - mit Symptomen wie Husten, Schnupfen und manchmal leichtem Fieber. Sie wird normalerweise durch Viren verursacht und heilt innerhalb von zwei Wochen von selbst aus. Eine Besserung stellt sich bereits nach Tagen ein. Da Antibiotika nur bei bakteriellen Infekten etwas ausrichten können, können sie gegen Erkältungen eigentlich nicht helfen. 

Dass dieser Gesundheits-Mythos demnach falsch ist, wird von Studien ebenfalls unterstützt. Wissenschaftler des internationalen Cochrane Collaboration fanden heraus, dass ein breiter Einsatz von Antibiotika bei einfachen Erkältungen nicht erwogen werden sollte. Die Erkältungsbeschwerden hielten ähnlich lange an und bei einer von zehn Personen traten zudem Nebenwirkungen wie Durchfall oder Erbrechen auf. 

Antibiotika sollten in dem Fall erst dann verabreicht werden, wenn durch eine Folgeinfektion mit Bakterien Komplikationen auftreten. Das passiert aber sehr selten. 

#7 Lesen mit der Taschenlampe schadet den Augen

Schon in der Kindheit waren manche Geschichten einfach zu spannend, um sie zur Schlafenszeit einfach wegzulegen. Heimlich unter der Decke mit Taschenlampe in der Geschichte zu versinken war so aufregend wie verboten. Auch Erwachsene greifen abends gern noch zu einem guten Buch und machen es sich gemütlich. Dabei hat jeder die Stimme der Eltern von damals im Ohr: "Du machst dir die Augen kaputt."

Jetzt gibt es Entwarnung für alle Leseratten. Die Pupillen weiten sich, wenn bei gedimmtem Licht gelesen wird. Dadurch verschlechtert sich die Tiefenschärfe. Das Auge muss sich mehr anstrengen, um die Buchstaben auf der Seite scharf erkennen zu können.

Die Folge: Die Augen ermüden beim Lesen im Dunkeln zwar schneller, langfristigen Schaden nehmen sie dadurch aber nicht. Dies wurde inzwischen auch in Studien nachgewiesen. Wichtig ist nur, dass die Augen nachts lang genug geschlossen bleiben, um sich zu regenerieren.

#8 Nur bei ahnungslosen Patienten gelingt der Placebo-Effekt

Dieser Gesundheits-Mythos ist falsch. Eine Studie zeigt: Den Placebo-Effekt gibt es auch dann, wenn Patienten vorher darüber aufgeklärt wurden, dass sie ein wirkstofffreies Präparat einnehmen. 

Forscher um Harvard Professor Ted J. Kaptchuk haben in einer offenen Placebo-Studie an Patienten mit Reizdarmsyndrom herausgefunden, dass sich Häufigkeit und Schwere der Reizdarmsymptomatik unter dreiwöchiger bewusster Placebo-Einnahme signifikant verbesserte. Als Voraussetzung wurden den Studienteilnehmern die Scheinmedikamente als "Placebo-Tabletten aus einer wirkungslosen Substanz, ähnlich Zuckerpillen", die in "klinischen Studien eine signifikante Verbesserung der Reizdarmsymptome durch Aktivierung der Selbstheilungskräfte des Körpers bewirkt haben" verkauft.

Die Autoren führen die Wirkung darauf zurück, dass die Patienten in der Studie wussten, dass ihr Medikament wirkt, wenn auch nicht medizinisch. Ein Schwachpunkt ist dabei, dass es für die Schwere einer Reizdarmerkrankung keine messbaren klinischen Parameter gibt, wie bei Bluthochdruck und Fettstoffwechselstörungen. Daher ist nicht zu beurteilen, wie effektiv die unverschleierte Therapie bei Krankheiten hilft, bei denen harte klinische Fakten zählen. 

#9 Wunden heilen schneller ohne Pflaster

Seit Jahrzehnten hält sich der Gesundheits-Mythos, dass Wunden an der Luft schneller heilen als unter einem Pflaster. Medizinisch-wissenschaftlich gesehen ist genau das Gegenteil der Fall. Thomas Horn, Oberarzt an der Klinik für Dermatologie der Helios Klinik Krefeld, erklärt im Spiegel den Wundheilungsprozess genauer.

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Bereits Minuten nachdem sich ein Mensch seine Haut aufgerissen hat, beginnt die Heilung. Das Blut gerinnt und der Körper bildet Wundsekret, der die Wunde nässen lässt. Das Sekret ermöglicht die Versorgung und Abfallwirtschaft der Wunde. Ohne Pflaster trocknet die Wunde schneller aus, obwohl sich darunter noch Wundsekret befindet. "Unter der trockenen Schicht aus Bakterien, Schmutz und abgestorbenem Gewebe, die nicht mehr abtransportiert wird", erklärt Horn. "Man kann sich die Wirkung der Kruste ähnlich vorstellen wie die eines Gewächshauses." 

Horn rät: Einfache Schürfwunden sollten - vorausgesetzt sie haben aufgehört zu bluten - desinfiziert und mit einem normalen Pflaster verschlossen werden. Erst wenn die Wunde keine Feuchtigkeit mehr abgibt, ist das Pflaster überflüssig. Die Luft wirkt dann sogar positiv und unterstützt die Wundheilung.

#10 "Nach dem Essen sollst du ruh‘n oder tausend Schritte tun"

Dieser Gesundheits-Mythos stimmt nur zum Teil. Ruhen im Liegen kann nach einer üppigen Mahlzeit zu unangenehmen Sodbrennen führen. Aber auch eine große sportliche Belastung ist nicht ratsam. 

Der Körper schaltet nach dem Essen auf Verdauung. Der Nahrungsbrei im Magen stimuliert dabei die Magensäureproduktion. Fließt die Säure in die Speiseröhre zurück, verursacht das Sodbrennen. Das ist nicht nur unangenehm, sondern sogar gesundheitsschädlich.

Also doch lieber tausend Schritte tun? Besser nicht. Der Ruhenerv stimuliert beim Menschen die Verdauung, der weniger mit sportlicher Betätigung zu tun hat. Verdauen ist für den Menschen schon anstrengend und Höchstleistungen sollten möglichst vermieden werden. Nach einer leichten Mahlzeit ist gegen einen Spaziergang nichts einzuwenden. War es doch ein üppigeres Mahl, sollte man besser sitzen bleiben und sich ausruhen. Mehr zum Thema: Weitere Gesundheits-Mythen im Check findest du in diesem Artikel.

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