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US-Minister verrückt nach deutschem Kult-Lebensmittel - überall dabei


Autor: Daniel Krüger

Washington, Donnerstag, 23. April 2026

Der US-amerikanische Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr. hält eine besondere Diät ein. Ein typisch deutsches Lebensmittel isst er bereits zum Frühstück.
US-Gesundheitsminister Kennedy Jr. verfolgt eine ungewöhnliche Diät.


Sauerkraut erlebt in den USA einen unerwarteten Boom. Ausgerechnet Donald Trumps Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr. hat das fermentierte Kraut aus Deutschland zu einem Trend-Lebensmittel gemacht. Mit seiner strikten Diät aus Steak und fermentierten Lebensmitteln sorgt der 72-Jährige für Schlagzeilen - und für steigende Nachfrage.

Davon profitieren auch deutsche Hersteller. Der größte Sauerkraut-Produzent Deutschlands, Hengstenberg aus Esslingen am Neckar, denkt bereits über eine Produktionssteigerung nach. Doch Ernährungsexperten warnen vor überzogenen Erwartungen an die vermeintliche Wunderdiät.

Sauerkraut in der Handtasche: So isst der US-Gesundheitsminister

Kennedy setzt auf eine strikte Ernährung, die vor allem aus Steak und fermentierten Lebensmitteln wie Joghurt und Sauerkraut besteht, wie der Spiegel berichtet. "Um 6.30 Uhr kocht er sich ein Steak und isst Sauerkraut", sagte seine Frau, Schauspielerin Cheryl Hines (60), in einem Podcast der konservativen Kommentatorin Katie Miller (34), wie die Bild berichtet. Selbst im Restaurant dürfe das Kraut nicht fehlen - notfalls transportiere sie es in ihrer Handtasche.

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Kennedy habe öffentlich erklärt, er esse ausschließlich Fleisch und fermentierte Lebensmittel und habe mit dieser Diät in 20 Tagen neun Kilogramm abgenommen, wie das Gesundheitsportal Medpagetoday berichtet. Die Ernährungsweise habe seine geistige Klarheit verbessert und sein Erinnerungsvermögen gestärkt, so Kennedy.

Seine persönlichen Vorlieben spiegeln sich auch in der US-Gesundheitspolitik wider. Als Kennedy im Januar die neue Ernährungspyramide des US-Landwirtschaftsministeriums vorstellte, stand ein fettes Steak weit oben, wie die New York Times berichtet. Auf einer Fleischkonferenz im März habe Kennedy erklärt, dass "eine große Zahl der Kabinettsmitglieder" die Fleisch-und-Fermente-Diät befolgten - darunter Verkehrsminister Sean Duffy und Vizepräsident JD Vance.

Deutscher Sauerkraut-Hersteller will Produktion hochfahren

Der Boom in den USA ist längst auch in Deutschland zu spüren. Der Markt für fermentierte Lebensmittel und Getränke sei in den USA bereits rund 63 Milliarden Dollar wert und wachse rasant, wie der Spiegel unter Berufung auf die Marktforschungsfirma S&S Insider berichtet. Zu den Nutznießern gehöre unter anderem der größte deutsche Sauerkraut-Hersteller Hengstenberg aus Esslingen am Neckar.

Als Hengstenberg-Chef Aymeric de La Fouchardière von Kennedys Vorliebe für Sauerkraut erfahren habe, habe er entschieden, "dass wir mehr in diese Richtung kommunizieren und die gesundheitlichen Vorteile herausstellen sollten", wie der Spiegel berichtet. "Wir überlegen ernsthaft, unsere Produktion hochzufahren, um von dem Trend zu profitieren", sagte der Hengstenberg-Chef weiter.

Auch in den USA selbst boomt der Fleischkonsum. Amerikaner hätten 2025 Rindfleisch im Wert von 45 Milliarden Dollar gekauft - ein Anstieg von mehr als zehn Prozent im Vergleich zum Vorjahr, wie die New York Times unter Berufung auf die Branchenorganisation Beef Research berichtet. Kennedy habe auf einer Branchenkonferenz verraten, dass sein Lieblingsstück das Strip Steak sei. Er esse jeden Tag Rindfleisch - "meistens zweimal am Tag", so der Minister. 

Experten warnen vor überzogenen Erwartungen an die Sauerkraut-Diät

Trotz des Hypes raten Ernährungsexperten zur Vorsicht. Kennedys Behauptung, er habe in 20 Tagen neun Kilogramm abgenommen, sei mit Skepsis zu betrachten, wie das Gesundheitsportal Medpagetoday berichtet. Ein so schneller Gewichtsverlust lasse sich kaum allein durch fermentierte Lebensmittel erklären. Wahrscheinlicher seien Kalorienreduktion, Wasserverlust oder andere Ernährungsumstellungen.

"Man kann nicht eine Ernährung voller Fast Food und hochverarbeiteter Lebensmittel essen und dann einen Becher Joghurt essen und erwarten, dass das Wunderwirkungen hat", sagte die Ernährungswissenschaftlerin Marian Glick-Bauer vom Long Island Jewish Medical Center gegenüber Medpagetoday. Fermentierte Lebensmittel müssten Teil einer insgesamt gesunden Ernährung sein.

Wer plötzlich große Mengen Sauerkraut oder Kimchi esse, müsse zudem mit Blähungen, Gasbildung und Unwohlsein rechnen, warnte Glick-Bauer. Sie empfehle, solche Lebensmittel schrittweise in den Speiseplan einzubauen. Fermentierte Lebensmittel könnten zwar die Darmflora unterstützen und die Vielfalt der Darmbakterien erhöhen - doch dafür brauche es auch Obst, Gemüse, Vollkornprodukte und Hülsenfrüchte, die den nützlichen Bakterien als Nahrung dienten. Auch von täglichem Fleischkonsum raten Gesundheitsexperten dringend ab.

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