Fränkische Spirituosen - Feines aus Franken

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Wir Franken sind manchmal Weltmeister darin, das Besondere vor der eigenen Haustür zu übersehen. Wir schwärmen von Whisky aus Schottland, Cognac aus Frankreich oder Grappa aus Italien – und vergessen dabei, dass zwischen Fränkischer Schweiz, Steigerwald und Maintal einige der spannendsten Brände Deutschlands entstehen.

Destillate voller Charakter, geprägt von alten Obstsorten, handwerklicher Präzision und Menschen, die Qualität über alles stellen.

Denn ein großer Edelbrand beginnt lange vor dem ersten Tropfen im Glas. Er wächst auf Streuobstwiesen, an sonnenverwöhnten Hängen und in den Gärten von Menschen, die ihre Bäume oft seit Generationen kennen.

Die besten Brenner greifen nicht einfach zur erstbesten Frucht. Sie warten auf den perfekten Reifegrad, lesen sorgfältig aus, sortieren aus und entscheiden mit Erfahrung und Fingerspitzengefühl, welche Früchte das Zeug zu einem außergewöhnlichen Brand haben.


Die Fränkische: Paradies für Brenner


Gerade die Fränkische Schweiz ist dabei ein kleines Paradies. Vor allem die Kirschen genießen längst Kultstatus. Wildkirschen mit feiner Bittermandelnote, aromatische Süßkirschen und alte Sorten, deren Namen außerhalb der Region kaum noch jemand kennt, liefern die Grundlage für Destillate mit unverwechselbarem Charakter.


Was andernorts verloren gegangen ist, wird hier bewahrt.


Einer, der diese Philosophie wie kaum ein anderer verkörpert, ist Johannes Haas aus Pretzfeld. Wer ihm zuhört, merkt schnell: Er ist nicht nur Brenner, sondern zugleich Obstbauer, Beobachter und Bewahrer eines gewaltigen Schatzes an Wissen.


Er kennt die Eigenheiten alter Kirschsorten, weiß, welche Birne einen eleganten Duft entwickelt und welcher Apfel trotz guter Erträge niemals einen großen Brand ergeben würde. Für ihn ist nicht jede Frucht automatisch zum Brennen geeignet.


Langjährige Vorbereitung ist alles


Seine Arbeit beginnt deshalb lange vor dem Einmaischen. Auf den Streuobstwiesen entscheidet sich bereits, was später im Glas landet. Welche Sorten werden gepflanzt? Welche Bäume liefern Jahr für Jahr die beste Qualität? Wie beeinflussen Standort, Sonneneinstrahlung und Erntezeitpunkt die Aromatik?


Über Jahrzehnte hat sich Johannes Haas eine beeindruckende Vielfalt an Obstsorten aufgebaut und ein Gespür dafür entwickelt, welches Potenzial in ihnen steckt. Dieses Wissen lässt sich kaum aus Büchern lernen – es entsteht aus Erfahrung, Neugier und unzähligen Jahren zwischen Obstbaum und Brennkessel.


Aromen bewahren


Vielleicht sind seine Destillate deshalb so faszinierend: Sie schmecken nicht einfach nach Kirsche, Birne oder Zwetschge. Sie zeigen die Persönlichkeit einer Frucht. Sie erzählen von ihrer Herkunft und von einem Menschen, der kompromisslos danach strebt, ihr bestmögliches Aroma zu bewahren.


In einer Zeit, in der vieles austauschbar geworden ist, wirkt diese Hingabe fast aus der Zeit gefallen – und gerade deshalb so wertvoll. Doch Franken wäre nicht Franken, wenn Tradition nicht auch Raum für Neugier und neue Ideen ließe.


Amerikanische Drinks aus Franken


Die Familie Leichtenstern zeigt eindrucksvoll, wie sich Wurzeln und Innovation verbinden lassen. Neben klassischen Obstbränden entstehen hier charaktervolle Whiskys amerikanischer Prägung, Moonshines und außergewöhnliche Destillate mit ganz eigener Handschrift.


Die Verbindung aus fränkischem Streuobst, Bio-Getreide und dem Geist des Wilden Westens mag zunächst ungewöhnlich erscheinen – funktioniert aber erstaunlich gut.


Für ihre Arbeit wurde die Longhorn Distillery mehrfach ausgezeichnet. Unter anderem erhielt sie bei der renommierten Destillata Goldmedaillen für ihren „Hudson“ (2023), den siebenjährigen Single Malt (2024) und den Pure Corn Whiskey (2025).


Damit zeigen die Leichtensterns eindrucksvoll, dass fränkische Brennkunst auch dort überzeugen kann, wo internationale Experten urteilen.


Handwerkliche Tradition trifft neue Ideen


Ganz ähnlich denkt die Brennerei Siebenhaar in Dietzhof am Fuße des Walberla. Seit über 40 Jahren betreibt die Familie nachhaltigen Obstbau und verarbeitet die Früchte der eigenen Region zu hochwertigen Destillaten. Über 500 Kirsch- und Birnbäume sowie Streuobstwiesen mit alten Apfel-, Birnen-, Kirsch- und Zwetschgensorten bilden die Grundlage ihrer Arbeit.


Die nächste Generation verbindet dabei handwerkliche Tradition mit neuen Ideen. Neben klassischen Obstbränden und Geisten entstehen Spezialitäten wie Zwetschgen- und Sauerkirschbrandy, ein seltener Heidelbeerbrand oder holzfassgereifte Destillate nach dem Motto „andre Hölzer – andre Sitt'n“. Auch Charlemagner-Apfelsekt und eigene Bitter-Spezialitäten zeigen, wie spannend Heimat schmecken kann, wenn man ihr mit Offenheit und handwerklichem Anspruch begegnet.


Und vielleicht ist genau das das Geheimnis großer fränkischer Brände: Sie sind nicht parfümiert, nicht künstlich aromatisiert und nicht darauf ausgelegt, möglichst gefällig zu sein. Sie dürfen Ecken und Kanten haben. Sie dürfen überraschen. Sie fordern Aufmerksamkeit und belohnen jene, die sich die Zeit nehmen, genauer hinzuschmecken.


Ein guter Edelbrand ist deshalb kein schneller Kurzer zwischen Tür und Angel. Er ist ein Genussmoment. Ein Gespräch am Ende eines langen Abends. Ein kleines Glas, das man in den Händen hält und das plötzlich mehr erzählt als nur seinen Alkoholgehalt.


Vielleicht sollten wir Franken genau dafür wieder öfter feiern. Für die Menschen, die alte Streuobstwiesen erhalten. Für Brennerinnen und Brenner, die mit Geduld und Leidenschaft arbeiten. Und für die Fähigkeit, aus einer einzigen Frucht etwas zu schaffen, das berührt. Also heben wir das Glas – nicht auf das Schnelle und nicht auf die Menge. Sondern auf eine Region, die beweist, dass große Genusskultur nicht von weit her kommen muss. Manchmal beginnt Weltklasse direkt vor der eigenen Haustür.