Weniger Zucker und gesünder? Das bedeutet "weniger süß" auf Lebensmitteln wirklich

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Die Bedeutung von "weniger süß" auf Lebensmitteln ist oft unklar. Viele Verbraucher glauben, dies sei eine Kennzeichnung für weniger Zucker. Doch der Schein trügt.

Du siehst immer öfter die Aufschrift "weniger süß" auf Joghurt, Cerealien oder Getränken und fragst dich, was das genau heißt? Diese Lebensmittel-Kennzeichnung verspricht einen milderen Geschmack, ist aber nicht so streng geregelt wie andere Angaben. Wichtig für dich zu wissen ist, worauf du achten solltest.

Gibt es eine rechtliche Definition für "weniger süß"?

Laut BR.de gibt es für "weniger süß" keine gesetzliche Definition in der EU oder Deutschland und es bedeutet auch nicht immer zuckerreduziert. Der Hersteller darf den Begriff nutzen, solange er wahr und nicht irreführend ist, bezieht sich aber rein auf den subjektiven Geschmack. Anders als bei Nährwertangaben zu Zucker wie "zuckerfrei" gibt es keine festen Grenzwerte für den Zuckergehalt.

"Weniger süß" beschreibt nur den Geschmack und sagt nichts über den Zuckergehalt im Lebensmittel aus – das Produkt könnte genauso viel Zucker enthalten wie ein Produkt ohne die Angabe "weniger süß". "Weniger Zucker" bedeutet hingegen, dass es mindestens 30 Prozent weniger Zucker als ein Referenzprodukt hat.

Die Bezeichnung "Zuckerarme Produkte" ist hingegen streng definiert: Maximal 5 Gramm Zucker pro 100 Gramm bei festen Lebensmitteln oder 2,5 Gramm pro 100 Milliliter bei Flüssigkeiten sind hier gesetzlich erlaubt. Du siehst: Beim Thema Zucker gibt es nicht immer rechtliche Vorgaben.

Dürfen andere Süßungsmittel verwendet werden und wie verändert sich der Geschmack?

Hersteller reduzieren oft den Zucker durch Süßungsmittel-Alternativen wie Fruchtzucker, Maltodextrin oder Süßstoffe, ohne den Geschmack stark zu verändern. In der Zutatenliste siehst du das: Statt Haushaltszucker könnte dort Glukosesirup oder Erythrit stehen, was den Süßegrad mindert. Der Gesamtzuckergehalt bleibt in der Nährwerttabelle transparent.

Süßstoffe wie Aspartam, Stevia oder Zuckeralkohole sind erlaubt und zählen nicht zum Zuckergehalt. Sie machen weniger süß, ohne Kalorien hinzuzufügen, müssen aber deklariert werden. Natürliche Varianten wie Fruchtsüße aus Konzentraten kommen häufig vor.

Der Geschmack wirkt milder und weniger intensiv süß, was für dich angenehmer sein kann, wenn du Süßes reduzieren möchtest. Oft balancieren Hersteller das mit Säure oder Aromen aus, sodass der Unterschied subtil ist – probiere die Produkte nebeneinander, um den Unterschied herauszuschmecken.

Worauf solltest du beim Einkauf achten?

Schau immer in der Nährwerttabelle nach dem Zuckergehalt pro 100 Gramm oder 100 Milliliter und vergleiche ähnliche Produkte direkt im Regal oder online. So erkennst du schnell, ob "weniger süß" wirklich weniger Zucker bedeutet – oft ist der Unterschied minimal.

Achte in der Zutatenliste auf versteckte Süßmacher wie Glukosesirup, Fruktose oder Malzzucker. Lass dich auch nicht vom Halo-Effekt täuschen: Die Aufschrift "weniger süß" lässt das Produkt gesünder wirken, ohne dass es das oft wirklich ist.​

Tipp für den Alltag: Nimm dein Handy mit und nutze Nährwert-Apps wie "CodeCheck" oder "Yazio", um Produkte blitzschnell zu vergleichen – das spart Zeit und zeigt dir die richtige Verbraucherinformation zum Zucker und dessen Gehalt an.

Gibt es unabhängige Kontrollen oder Tests?

Einrichtungen wie die Verbraucherzentralen und Lebensmittelüberwachungsämter prüfen regelmäßig irreführende Angaben auf Verpackungen. Sie greifen ein, wenn Verbraucher getäuscht oder gesundheitliche Vorteile falsch suggeriert werden. Doch "weniger süß" bleibt subjektiv und ist schwer objektiv zu kontrollieren.

Stiftung Warentest und Lebensmittelklarheit führen Produkttests durch und warnen vor Täuschungspotenzial – in ihren Berichten findest du Beispiele, bei denen "weniger süß" nicht mit weniger Zucker einhergeht. Melde Verdachtsfälle direkt bei ihnen oder der Verbraucherzentrale, um Missstände aufzuzeigen.

Wichtig zu beachten: Diese Kontrollen sorgen für Transparenz, aber du als Verbraucher bist der beste Wächter. Deine Rückmeldungen helfen, den Markt ehrlicher zu machen. Achte daher auf die Kennzeichnung "weniger süß" und handle gegebenenfalls.

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